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Fußball Anschi Machatschkala – der millionenschwere Verein
Sport Fußball Anschi Machatschkala – der millionenschwere Verein
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10:34 13.02.2013
Von Christian Purbs
Anschi-Klubchef Suleiman Kerimow scheut keine Millionenausgabe, um Weltstars wie Samuel Eto’o (Bild, links) zum Verein zu locken und dort auch bei Laune zu halten. Quelle: dpa
Moskau

Knapp zwei Monate hatten die Anhänger von Hannover 96 Zeit, um zu lernen, wie um alles in der Welt dieser komische Name ausgesprochen wird. Kurz vor Weihnachten wurde den „Roten“ das russische Team von Anschi Machatschkala als Gegner für das Sechzehntelfinale der Europa League zugelost, die wenigsten aus dem 96-Lager bekommen vor der morgigen Begegnung im Moskauer Luschniki-Stadion (Anpfiff: 18 Uhr) den Ortsnamen Machatschkala unfallfrei über die Lippen. Ohne unverschämt zu sein: Anschi Zickundzack reichte völlig aus, da wusste jeder, wer gemeint war.

Nicht nur der Name ist fremdartig und schwierig auszusprechen. Auch über den Verein und die Mannschaft, mit der es die „Roten“ morgen und eine Woche später im Rückspiel in Hannover zu tun bekommen, ist in Deutschland nicht viel bekannt. Schnell sprach sich herum, dass Topstürmer Samuel Eto’o seit Sommer 2011 dort spielt, dass der ehemalige brasilianische Weltklasseverteidiger Roberto Carlos dort seine Karriere vor einem halben Jahr beendete, und dass ein Oligarch den Klub mit Geld zuschüttet. Das alles stimmt, doch Anschi hat noch viel mehr Geschichten zu bieten. Spannende, skurrile, unglaubliche. Anschi Machatschkala ist das kurioseste Fußballprojekt in Russland.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – und selbst die lässt sich kaufen. Als Roberto Carlos seinen 38. Geburtstag feierte, ließ sich Suleiman Kerimow nicht lumpen. Etwas Nettes sollte es schon sein, und so stellte der Klubbesitzer dem Brasilianer an dessen Ehrentag einen Bugatti vor die Tür. 1200 PS, Preis: 1,8 Millionen Euro. Vielleicht als Dankeschön dafür, dass Carlos der Vorreiter war, der erste internationale Weltstar, der zu Machatschkala gewechselt war, um das Projekt Anschi auf die nächste Ebene zu hieven – oder noch einmal so richtig abzukassieren. Der Grund für das noble Geschenk spielt keine Rolle, genauso wenig wie das Geld, denn davon hat Multimilliardär Kerimow genug.

Schwerreiche Investoren gibt es viele im russischen Fußball, doch Kerimow treibt das Oligarchen-Modell auf die Spitze. Der Unternehmer flutet seit seiner Übernahme 2011 den Verein mit dreistelligen Millionenbeträgen. Die Verpflichtung von Willian am letzten Tag der Winter-Transferperiode passt da ins Bild: Für 35 Millionen Euro wechselte der Brasilianer von Schachtjor Donezk zum Team aus dem Kaukasus.

Der schnelle Erfolg mit teuren Stars ist aber nur ein Teil von Anschis Erfolgsstrategie. Klubbesitzer Kerimow gefällt sich darüber hinaus auch als Entwicklungshelfer für seine Heimat Dagestan. In der russischen Teilrepublik am Kaspischen Meer, etwa 1500 Kilometer von Moskau entfernt, wo die Anschi-Profis wohnen und trainieren, herrscht bittere Armut und hohe Arbeitslosigkeit, den jungen Menschen fehlen die Perspektiven. Die Region zählt zu den problematischsten in ganz Russland. Es kommt wie im benachbarten Tschetschenien immer wieder zu Anschlägen.

Kerimow investiert dort in ein neues Stadion und in Fußballschulen, um einheimische Talente zu fördern. Auch Trainer Guus Hiddink, dessen eineinhalbjähriges Engagement bis zum kommenden Sommer angeblich mit 15 Millionen Euro entlohnt wird, hat immer wieder betont, dass er nicht allein des Geldes wegen beim FC Anschi angeheuert hat: „Ich hatte lange Gespräche mit Kerimow, bei denen klar wurde, dass es ein riesiges Projekt ist“, sagte Hiddink dem englischen Rundfunksender BBC. „Es geht nicht nur um kurzfristigen Erfolg. Der Verein will nachhaltig in Infrastruktur und die Entwicklung des Fußballs in der Region investieren, das ist das Entscheidende.“ Er wolle, so Kerimow, der Region, aus der er stamme, etwas zurückgeben.

Auch die politische Führung des Landes will, dass der Kaukasus künftig nicht mehr für Tod und Unruhe steht, sondern für Fortschritt: Schließlich finden in der Nähe, in Sotschi, 2014 die Olympischen Winterspiele statt. Da passt ein Fußballklub, der international für sportliche Schlagzeilen sorgt, gut ins Bild.

Was da unten im Kaukasus passiert, davon bekommen Eto’o und die anderen Anschi-Stars, wenn überhaupt, nur bei ihren Heimspielen in der russischen Premjer League etwas mit, die sie in Machatschkala austragen. In ihren Wohnungen in den exklusiven Wohntürmen Moskaus mit Dachterrasse und Panoramablick für bis zu 80 000 Euro pro Monat ist die Welt völlig in Ordnung.

Es waren nicht allein die 17 Punkte, die Michael Fakuade im Heimspiel des UBC Hannover gegen Münsterland Wulfen so wichtig machten. Der beste Werfer der Tigers kam auch auf zwölf Rebounds und sorgte mit dafür, dass sich die Mannschaft von Trainer Michael Mai auf den 7. Platz der 2. Basketball-Liga Pro B verbesserte.

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