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Fußball „Altins unglaubliche Begabung: Kopfmassagen“
Sport Fußball „Altins unglaubliche Begabung: Kopfmassagen“
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20:47 11.01.2012
Von Volker Wiedersheim
Der Eindruck täuscht: Steve Cherundolo (links) und Altin Lala legen im 96-Trainingslager an der Algarve keineswegs nur die Beine hoch.
Der Eindruck täuscht: Steve Cherundolo (links) und Altin Lala legen im 96-Trainingslager an der Algarve keineswegs nur die Beine hoch. Quelle: Florian Petrow
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Herr Cherundolo, Herr Lala, Sie haben in mehr als zehn Jahren bei 96 in den Trainingslagern praktisch immer die Zimmer geteilt. Und jetzt?

Cherundolo: Wollten wir hier auch in Portugal. Aber dann haben wir die Zimmer gesehen, und da stand nur ein Bett.

Lala: Wir sind zwar klein, aber das hätte wirklich nicht gepasst.

Cherundolo: Jetzt hat jeder eine Suite.

In welcher Sprache sagen Sie sich Guten Morgen und Gute Nacht?

Cherundolo: Der Albaner quatscht manchmal ein paar Worte Englisch.

Lala: Und der Amerikaner Italienisch. Aber die Amtssprache ist Deutsch.

Es gab an den ersten Tagen des Trainingslagers ein paar Verletzungen. Werden Sie mit 32 und 36 Jahren vorsichtiger?

Cherundolo: Als erfahrener Spieler weiß man, was man seinem Körper zumuten kann. Aber das Training von Mirko Slomka ist absolut angemessen. Nicht zu hart, nicht zu weich. Wir hatten selber genug Verletzungen, besonders Altin. Aber der kann auf die Zähne beißen.

Lala: Du auch. Wir gehen nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Physiotherapeuten.

Sie spielen beide seit mehr als zehn Jahren bei 96. Wenn Sie dieser Zeit eine Überschrift geben sollten, wie würde die lauten?

Cherundolo: Wow.

Lala: Unglaublich. Als Martin Kind Klubchef wurde, sah es doch ganz anders aus. Hut ab!

Cherundolo: Bundesligareif! Wenn das einer vor zehn Jahren vorhergesagt hätte, dann hätte man doch gesagt: „Niemals.“ Doch man hat viele Erfahrungen gemacht, wir werden immer krisensicherer.

Sie sind die Oldies im Team. Begegnen Ihnen die jungen Spieler mit gebührendem Respekt?

Lala: Ja, das sind gute Jungs, respektvoll. Wir umgekehrt aber auch.

Cherundolo: Respekt heißt ja nicht, dass es im Training nicht auch mal wehtun darf. Die wissen das und geben Gas. Das bringt uns als Team weiter.

Aber wenn es zum Spiel auf den Platz geht, haben Sie beide zuletzt oft von der Bank zugeschaut. Nervt das?

Cherundolo: Als Profi hat man die Pflicht, die zu unterstützen, die letztlich spielen. Aber wer sagt, auf der Bank zu sitzen tut nicht weh, der lügt.

Lala: Steve hat ja viele Spiele gemacht als Kapitän. Bei mir ist das anders. Ich habe nicht mehr den Anspruch, Stammspieler zu sein, aber ich will immer spielen und freue mich über jeden Einsatz. Steve kriegt noch viele Spiele, er wird sicher Rekordspieler mit den meisten 96-Einsätzen werden.

Herr Cherundolo, Sie haben zuletzt häufig für Sofian Chahed Ihren Platz räumen müssen. Ist die Ablösung schon in aller Stille vollzogen?

Cherundolo: Man ist immer nur so gut wie sein letztes Spiel, also der letzte Eindruck. Ich habe mich nie ausgeruht. So mache ich das auch jetzt. „Sofi“ will spielen, ich auch. Der Trainer entscheidet.

In der letzten Phase der Hinrunde wirkte das Team überspielt. Jetzt, nach der Pause, scheint im Training die Frische zurück. Doch im Test gegen Köln – das alte Bild.

Cherundolo: Das wird doch viel von den Ergebnissen abhängig beurteilt. Dabei waren und sind es oft Kleinigkeiten, die über den Erfolg entscheiden. Etwa, wenn der letzte Pass nicht ankommt. Ich finde, wir haben die Spiele in der Bundesliga und der Europa League sehr gut bestritten für einen Verein, der das in dieser Kombination noch nie gemacht hat.

Lala: Es gab auch problematische Schiedsrichterentscheidungen, etwa gegen Hertha oder in Köln. Wir sind nicht so weit wie in der Hinrunde der Vorsaison. Aber die Konstanz ist schon eine gute Leistung. Dabei fehlt uns noch der kleine Didier Ya Konan, der 14 Tore schießt. Und so ein Test wie gegen Köln, da sind alle von den Trainingseinheiten müde. Eine Woche vor dem Liga-Start sieht so ein Test anders aus.

Was ist Ihrer Meinung nach in der Saison noch möglich?

Cherundolo: In der Europa League ist noch vieles möglich. Achtelfinale oder Viertelfinale – ein wichtiges Auswärtstor kann da alles entscheiden.

Lala: In der Liga können wir sicher den Anschluss an die Plätze 5 oder 6 halten.

Herr Lala, Sie wollen im Sommer Ihre aktive Karriere beenden. Gehen Sie dann zum 96-Training, um mit den „Kiebitzen“ den alten Kollegen zuzuschauen?

Lala: Sicher (lacht)! Ich werde ein paar Wochen mit alten Freunden Kaffee trinken und schauen, wie es so als Rentner ist. Aber dann suche ich mir eine Aufgabe.

Herr Cherundolo, ist die WM 2014 mit dem Team USA Ihr Ziel?

Cherundolo: Ja, ganz sicher. Bis dahin will ich auf diesem Niveau spielen. Dass heißt auch, dass ich bei 96 noch einmal meinen Vertrag verlängern möchte.

Verraten Sie uns mal ein Geheimnis über den jeweils anderen.

Cherundolo: Altin hat eine unglaubliche Begabung: Kopfmassagen.

Lala: Steve hat viele Qualitäten, aber wenige wissen, dass er ein ausgezeichneter Weinkenner ist.

Cherundolo: Natürlich für Wein aus Kalifornien, meiner Heimat.

11.01.2012
Volker Wiedersheim 11.01.2012