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Fußball EM Treffer als Wiedervorlage
Sport Fußball EM Treffer als Wiedervorlage
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20:26 24.06.2012
Von Heiko Rehberg
„Haben einen Topkader“: Philipp Lahm (rechts). Quelle: dpa
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Danzig

Da war doch mal was? Als Philipp Lahm gegen Griechenland zum 1:0 getroffen hatte, werden viele Tausende im Stadion und viele Millionen vor dem Bildschirm ein Aha-Erlebnis gehabt und sofort gedacht haben: Das Tor kommt mir aber verdammt bekannt vor!

Stimmt. Lahm hatte das Tor schon mal erzielt, okay, so ähnlich jedenfalls. Auf jeden Fall war Lahms Treffer im EM-Viertelfinale in Danzig die perfekte Kopie seines Tores im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica vor sechs Jahren in München.

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Machen wir also kurz den Tor-Vergleichscheck: Beide Male war es das 1:0, in München traf Lahm in der 6. Minute, es war das erste Tor der Heim-WM in Deutschland, in Danzig war er 33 Minuten später dran. Beide Male endete die Partie mit einem deutschen 4:2-Sieg.

Bei beiden Toren zog der Linksverteidiger Lahm von links nach rechts innen, erst danach gibt es Unterschiede für Feinschmecker. Gegen Costa Rica zog er direkt auf dem Strafraumeck ab, der Ball touchierte auf dem Weg ins Netz noch leicht den Innenpfosten. Gegen Griechenland zog Lahm etwas weiter Richtung Mitte, war noch zwei Meter von der Strafraumlinie entfernt, Torwart Michalis Sifakis brachte noch die Fingerspitzen der linken Hand an den Ball. Sehenswert waren beide Tore, befreiend und Knoten lösend ebenfalls.

Lahm hat die EM gegen Portugal (1:0) mit einer Leistung begonnen, die man bei anderen als durchschnittlich bezeichnen würde. Für den 28-Jährigen, seit sechs Jahren der konstanteste und beste Nationalspieler, war es eine schwache Leistung, ungewohnt mutlos und fehlerhaft. Doch bevor man sich Sorgen machen musste, dass das erneute Rotieren von rechts - wo er lieber spielt - nach links vielleicht doch nicht spurlos an ihm vorübergeht, steigerte er sich gegen die Niederlande (2:1) und spielt seitdem wieder in gewohnter Lahm-Form.

Auch sonst ist der Deutsche Fußball-Bund mit Lahm immer auf der sicheren Seite. Als die Nationalspieler am Sonntag ihren ersten komplett freien Tag in Danzig hatten - erst zum Abendessen um 20 Uhr mussten sie wieder in ihrem Hotel „Dwor Oliwski“ sein -, übernahm der Kapitän die Rolle, 150 Medienvertretern möglichst unverfängliche Sätze anzubieten. Ein bisschen Kritik („Wir haben uns gegen Griechenland das Leben unnötig schwer gemacht“), viel Lob („Wir haben einen Topkader“) und ein ausgewogenes Maß an Selbstbewusstsein, das die anderen drei Halbfinalisten nicht über Gebühr anstachelt, aber doch die eigenen Ansprüche deutlich macht: „Unser Ziel ist es, bis Sonntag dabei zu sein“, sagte Lahm. Sonntagabend wird in Kiew das EM-Endspiel angepfiffen. Hoffentlich mit Lahm, vermutlich aber ohne Lahm-Treffer: Seine fünf Tore in 90Länderspielen hat er bislang im Zwei-Jahres-Rhythmus geschossen. Wiedervorlage bei der WM 2014.

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