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Fußball EM Tor-Einstand zum Träumen
Sport Fußball EM Tor-Einstand zum Träumen
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20:06 24.06.2012
Von Heiko Rehberg
„Über meine Frisur geht nichts, aber Mario hat auch ‘ne schöne Frisur“: Marco Reus löst nicht nur auf dem Platz knifflige Situationen souverän. Quelle: Oliver Weiken
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Danzig

Ein Traumtor, resultierend aus einem Irrtum? Die Fußball-Europameisterschaft bietet die merkwürdigsten Geschichten. Geschichten wie von Marco Reus und seinem Treffer zum 4:1 gegen Griechenland.

In der 79. Minute flog der Ball, abgewehrt vom griechischen Torwart nach einem Schuss von Miroslav Klose, Richtung rechter Fuß von Reus, der Boden war vom vielen Regen vor dem Viertelfinale aufgeweicht, der Stand schwer, das war bereits in der 1. Halbzeit mehrfach zu beobachten gewesen. In solchen Fällen wählt man als Spieler normalerweise die sichere Variante, also Fuß feststellen, versuchen, den Ball sauber mit der Innenseite zu treffen. Reus wählte die Variante „Vollspann volley mit Karacho“ unter die Latte, englische Zeitungen feierten ihn dafür als „Rolls Reus“. Es war das schönste von den vier deutschen Viertelfinaltoren, und das nur, weil Reus sich geirrt hatte. „Ich habe gedacht, dass auf der Linie noch Spieler stehen“, erzählte Reus, „nur deshalb habe ich voll draufgehauen.“ So doll draufgehauen, dass er sich dabei einen Wadenkrampf zuzog und auf ausgelassenen Jubel über sein zweites Länderspieltor verzichten musste. Dass auf der Linie niemand stand, sei noch schnell erwähnt.

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Drei EM-Spiele hatte Reus zuschauen müssen, selbst für ein paar Minuten Einwechselzeit hatte es nicht gereicht. Für einen, den viele für den besten Spieler der vergangenen Bundesligasaison halten, war das keine einfache Situation, er hatte daraus auch kein Hehl gemacht. „Für mich ist es brutal schwer, nicht ins Spiel eingreifen zu können. Ich kenne es nur so, dass ich in der Mannschaft auf dem Rasen gebraucht werde“, hatte der 23-Jährige vor dem Viertelfinale gegen Griechenland gesagt. Da konnte er noch nicht wissen, was Joachim Löw längst „im Kopf rumgespukt“ war.

Der Bundestrainer habe ihm „immer gesagt, dass ich mich im Training weiter anbieten soll“, erzählte Reus. „Er hat mir das Vertrauen geschenkt.“ Da mutet es lustig an, dass es ausgerechnet Reus war, der den Trainer am Spielfeldrand in Danzig zum Toben gebracht hatte. Drei gute Torchancen ließ Reus in der Anfangsphase aus, Löw hüpfte wütend hin und her und verschwand sogar einmal kurz im Spielertunnel. „Ich habe schon gesehen, dass sich der Trainer geärgert hat“, sagte Reus. „Ich habe mich ja selbst geärgert, dass ich die Dinger nicht reingemacht habe. Ich habe mir aber gesagt, dass ich weiter positiv denken muss, dann kommt schon noch mal eine Chance.“ Eine, wie in der 79. Minute.

Reus ist eng befreundet mit André Schürrle, den Löw gegen die Griechen ebenfalls überraschend in die Startaufstellung berufen hatte. Nationalmannschaftspressesprecher Harald Stenger stellte beide als „siamesische Zwillinge“ vor, zusammen gaben sie gleich eine Kostprobe davon, wie gut sie sich verstehen. Als Schürrle erzählte, dass „es viel Spaß macht, mit Joachim Löw zu arbeiten“, nickte Reus kurz und meinte: „Super gesagt, André!“ Reus ist kein großer Redner, knifflige Situationen löst er aber nicht nur auf dem Platz souverän. Als ihn eine chinesische Reporterin damit konfrontierte, dass er eine schönere Frisur als Mario Gomez habe, sagte Reus: „Ich versuche das Bestmögliche aus mir rauszuholen. Über meine Frisur geht nichts, aber Mario hat auch ’ne schöne Frisur.“

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