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Fußball EM Stürmerdebatte vor dem Halbfinale
Sport Fußball EM Stürmerdebatte vor dem Halbfinale
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12:16 27.06.2012
Wer steht am Donnerstag in der Startelf: Miro Klose oder Mario Gomez? Quelle: dpa
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Danzig

Danzig. Ausgerechnet Miroslav Klose, tätig und äußerst beliebt bei Lazio Rom, steuerte vor dem großen Spiel morgen in Warschau (20.45 Uhr, live in der ARD) auf gefährlichen Konfrontationskurs. Vor dem Europameisterschafs-Halbfinale gegen Italien sollte der erfahrenste deutsche Nationalspieler, der die Mentalität beider Länder kennt, eine kleine Einschätzung zu Klischees und Vorurteilen abgeben.

Klose zögerte, schien kurz zu überlegen, ob sich das heikle Thema umgehen lässt, dann sagte er: „Die Italiener versuchen ihr Bestes. So ist zumindest ihr Gesichtsausdruck. Ob sie das tun, weiß man nicht.“ Der Satz hing ein paar Sekunden drohend wie eine Gewitterwolke unter dem Zeltdach, dann schob Klose die Wolke lässig weg. „Spaß beiseite“, sagte er und lächelte. Die italienischen Reporter, die bereits Schlagzeilen wie „Klose beleidigt Italien“ gewittert hatten, schauten etwas enttäuscht.

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Vergangenen Sommer, mit 33 Jahren, hat sich der „Senior der Nationalmannschaft“ (Pressesprecher Harald Stenger) auf den Weg ins Ausland gemacht und in Rom mehr Glück gefunden, als er dort erwartet hatte. „Der Schritt hat mir viel gegeben“, sagte er, „meine Familie und ich fühlen uns superwohl, die Fans unterstützen mich riesig.“ Wenn nun ausgerechnet Klose, der in Polen geborene Deutsche mit Wohnort Rom, in Warschau die Italiener mit einem Tor aus dem Turnier befördern würde, dann wäre das wieder eine dieser unglaublichen Fußballgeschichten.

Damit das eintritt, muss Klose allerdings spielen. Dreimal war er in der Vorrunde gegen Portugal (1:0), Niederlande (2:1) und Dänemark (2:1) eingewechselt worden für Mario Gomez, erst im Viertelfinale gegen Griechenland (4:2) stand er in der Startelf und köpfte in seinem
120. Länderspiel sein 64. Tor. Und morgen? „Ich gehe davon aus, dass ich spiele“, sagte Klose, merkte aber, dass er da vielleicht etwas zu forsch unterwegs war und schob schnell hinterher: „Ich bereite mich darauf vor, falls es so kommen sollte.“ Mit dieser Antwort wäre auch Bundestrainer Joachim Löw zufrieden gewesen.

Auch Klose kam am Tag vor dem EM-Halbfinale nicht an einem sechs Jahre zurückliegenden Duell mit den Italienern vorbei. Er war schließlich bei der WM 2006 in Dortmund dabei, als kurz vor dem Ende der Verlängerung alle Finalträume platzten. „Ich erinnere mich an die Situation noch ganz genau“, erzählte Klose, „wir kriegen hinten den Ball nicht weg, dann wird ein Pass durchgesteckt, und Grosso schießt in die lange Ecke.“ Klose hatte damals beste Sicht und konnte trotzdem nicht eingreifen – kurz vorher war er ausgewechselt worden.

Doch das Erlebnis aus dem Sommer 2006 ist nichts, was Klose für morgen Abend die Zuversicht nimmt: „Ich bin überzeugt, dass wir es anders machen. Unser Stil hat sich verändert. Die jungen Spieler bei uns bringen sehr viel Dynamik mit, das ist super für unsere Mannschaft. Wir sind auf jeder Position zwei- oder dreifach besetzt, da muss uns diesmal nicht bange sein.“

Klose, mehr als zehn Jahre älter als einige deutsche Spieler, möchte seinen Beitrag zu einer neuen italienischen Geschichte leisten. Seine Italienischkenntnisse werden ihm da freilich wenig helfen. „Ich werde da ein bisschen zuhören, was auf dem Platz gesagt wird, und es weitertragen“, sagte Klose. „Aber ich glaube, dass sie ganz leise reden werden, wenn ich auftauche.“

Gomez: „Als Profi hast du das zu akzeptieren“

Auf ein Gespräch wie vor dem EM-Viertelfinale gegen Griechenland würde Mario Gomez diesmal gerne verzichten, auch wenn er zumindest die Atmosphäre in guter Erinnerung behalten hat. „Das Gespräch war gut, auch wenn der Inhalt für mich nicht gut war“, sagt Gomez über die Unterhaltung mit Joachim Löw.

Der Bundestrainer hatte dem besten deutschen Torschützen des Turniers erklärt, dass er „nach der kräftezehrenden Vorrunde Spieler mit vollem Akku einsetzen“ wolle, sagt Gomez. „Als Profi hast du das zu akzeptieren, auch wenn du gerade einen Lauf hast.“ Mit seinem Lauf und drei Toren gegen Portugal (1:0) und Niederlande (2:1) hatte Gomez den Türöffner für das Viertelfinale gespielt. Es folgte etwas Seltenes in dieser Saison – ein Spiel ohne Gomez-Treffer (2:1 gegen Dänemark) –, und plötzlich sah sich der 26-Jährige damit konfrontiert, dass sein Platz in der Startelf weg ist. „Ich war enttäuscht“, sagt er, „das Gefühl hat ein, zwei Stunden angedauert. Aber es geht nicht um mich, sondern darum, nach Kiew fahren zu können und dort zu gewinnen.“

Deutschland hat das große Glück, „zwei Weltklassestürmer“ (Kapitän Philipp Lahm) zu haben. Gomez und Klose besitzen das Pech, dass der Bundestrainer im Sturm nur Platz für einen von ihnen hat. „Ich bin seit vielen Jahren in einem Konkurrenzkampf mit ,Miro‘. Das wird immer so bleiben, so lange wir in einer Nationalmannschaft spielen“, sagt Gomez. Trotzdem gelingt beiden glaubhaft, was selten ist im Profifußball: Die Rivalen im Angriff respektieren sich, es gibt keine Sticheleien, man kann das ganze Archiv durchwühlen und findet keinen negativen Satz von Klose über Gomez. Und umgekehrt.

„Wir pushen uns, freuen uns über Erfolge des Konkurrenten“, sagt Gomez, „weder ,Miro‘ noch ich haben bisher unser Ego über das Wohl der Mannschaft gestellt. So tickt der gesamte Kader.“ Dass Gomez es trotzdem für eine prima Idee halten würde, wenn der Bundestrainer morgen auf die Sturmvariante der ersten drei Spiele zurückgreifen würde, ist kein Geheimnis. Zumindest damit muss „der ,Miro‘“ leben.

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