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Fußball EM Schweinsteiger fehlt die Form
Sport Fußball EM Schweinsteiger fehlt die Form
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22:11 25.06.2012
Von Heiko Rehberg
 „Ich habe den großen Drang, ein perfektes Spiel zu zeigen“: Bastian Schweinsteiger scheint bei dieser EM sehr viel mit sich selbst beschäftigt zu sein. Quelle: dpa
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Danzig

Bei der Weltmeisterschaft 2006 gab es die „Wade der Nation“, sie gehörte Michael Ballack und versetzte Fußball-Deutschland während des Turniers wiederholt in Aufregung. Damit bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine Bastian Schweinsteigers rechter Knöchel die Nation gar nicht erst allzu sehr beunruhigt, verteilte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Montag sicherheitshalber Beruhigungspillen. „Es handelt sich um leichte Probleme“, sagte er, „wir gehen davon aus, dass Bastian am Donnerstag im Halbfinale gegen Italien auflaufen kann.“

Irritiert haben viele Fußballanhänger beim Viertelfinale gegen Griechenland (4:2) verfolgt, wie viele Bälle, die sonst bei Schweinsteiger sicher aufgehoben sind wie wichtige Dokumente in einem Tresor, ihm verloren gingen, wie instabil seine Leistung war. Der 27-Jährige, von Bundestrainer Joachim Löw in den drei Vorrundenbegegnungen gegen Portugal (1:0), die Niederlande (2:1) und Dänemark (2:1) für seine „Präsenz“ gelobt, schien sich fast über den Platz zu schleppen. Schweinsteiger gab Anweisungen, gestikulierte, aber selbst das erschien irgendwie fahrig und bestätigte den Eindruck, dass da einer vor allem mit sich selbst beschäftigt war. Die „Frankfurter Rundschau“ sprach von einem „spielertrainerhaften Auftritt“, als Kompliment war das nicht gemeint.

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Schweinsteiger hat danach einen bemerkenswerten Satz über Kopf und Körper gesagt und wie wenig beides bei ihm momentan harmoniert. „Wenn ich verletzt bin, bin ich schlecht gelaunt, weil ich gerne spielen würde, wie mein Kopf es mir sagt. Aber mein Körper lässt es nicht zu.“ Ihm fehle, so seine Selbsteinschätzung, die „Explosivkraft“.

Also doch der bayerische Patient? Das Thema schien erledigt zu sein nach dem Vorrundensieg gegen die Niederlande. Schweinsteiger hatte in Charkow zwei wundervolle Pässe mit höchstem Schwierigkeitsgrad gespielt, aus denen Mario Gomez zwei Tore gelangen. Das Spiel schien er gebraucht zu haben, vor allem für den Kopf, in dem der verpasste Champions-League-Triumph mit dem FC Bayern München und sein verschossener Elfmeter lange herumgespukt hatten.

Dass Schmerzen im Knöchel bei der EM ein Problem für ihn sind, bestreitet niemand. Vielleicht sind sie aber nur eine ärgerliche Begleiterscheinung, die Schweinsteiger für 90 Minuten ignorieren könnte, wenn er auf dem Platz mit sich zufriedener wäre. „Ich habe den großen Drang, ein perfektes Spiel zu zeigen“, sagte er in diesen EM-Tagen. In diesem Satz steckt eine Menge: zum Beispiel das Eingeständnis, dass ihm das bisher nicht gelungen ist. Aber auch das unbedingte Verlangen, dieses große Spiel noch hinzulegen. So etwas kann auch blockieren - Kopf und Körper.

Bislang stand Schweinsteiger, der bei der WM 2010 regelmäßig ganz nah dran war an der Perfektion, im Schatten von Mesut Özil und vor allem von Sami Khedira, seinem Nebenmann, und dennoch trauen ihm alle den spektakulären Auftritt noch zu. Bundestrainer Löw setzt für ihn deshalb sogar sein Gesetz außer Kraft, dass nur hundertprozentige Fitness zählt. Bei Schweinsteiger dürfen es ein paar Prozent weniger sein; wie viel weniger, bleibt eine spannende Frage vor dem Halbfinale.

Der Klassiker gegen Italien soll Schweinsteigers Bühne werden. Zumindest der Kopf wird sich darüber freuen, was der Kollege Mesut Özil am Montag sagte: „Wir brauchen Schweinsteiger.“

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