Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Fußball EM Podolski als Spaßverderber
Sport Fußball EM Podolski als Spaßverderber
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 15.06.2012
Von Heiko Rehberg
Foto: „Wäre die Nationalmannschaft ein Klub, wäre sie ein Klub wie der 1. FC Köln“: So klingt die Liebeserklärung von Lukas Podolski an die DFB-Auswahl.
„Wäre die Nationalmannschaft ein Klub, wäre sie ein Klub wie der 1. FC Köln“: So klingt die Liebeserklärung von Lukas Podolski an die DFB-Auswahl. Quelle: dpa
Anzeige
Danzig

Die Zahl 100 gefällt ihm. Aber die 103, die findet Lukas Podolski noch ein bisschen ansehnlicher. Wenn Bundestrainer Joachim Löw auch am morgigen Sonntag im letzten EM-Gruppenspiel gegen Dänemark auf Podolski setzt, dann wird der deutsche Nationalspieler in Lwiw sein 100. Länderspiel machen. „Das war immer mein Ziel, mein Traum. Und es würde mich stolz machen“, sagte er gestern. Aber die 103 - das wäre für ihn perfekt bei diesem Turnier in seinem Geburtsland Polen und der Ukraine. Länderspiel Nummer 103 könnte, wenn alles gut läuft für ihn und die Mannschaft, das Finale sein.

Es ist noch nicht seine EM. Und wenn man es etwas überzeichnen will, dann hat Podolski aktuell Mario Gomez als Problemfall bei der Nationalelf abgelöst. Der 27-Jährige hat beim 1:0-Sieg gegen Portugal eine gute Torchance ausgelassen, beim 2:1 gegen die Niederlande besaß er nicht mal eine, was für ihn untypisch ist. „Dass auch ich in der Offensive mehr von mir erwarte“, sagte er, „ist doch klar.“ Aber er habe vom Bundestrainer die Aufgabe gestellt bekommen, erst einmal „die Seite dicht zu machen“. Und das, findet Podolski, habe er gut erfüllt und erinnerte daran, dass dem Niederländer Arjen Robben nur eine auffällige Aktion gelungen war in dem Teil des Spielfelds, in dem er seine Kontrollfunktion ausüben sollte, als eine Art Assistent von Kapitän Philipp Lahm.

Auch mit der Kritik verhält es sich bei Podolski ähnlich wie bei Gomez: Er kann es einigen einfach nicht recht machen. Jahrelang haben viele bemängelt, dass er „zu wenig nach hinten arbeitet“. So heißt das heute im Fußball, wenn jemand, der normalerweise in der gegnerischen Hälfte Unruhestifter sein soll, etwas für die Defensive machen muss. Das tut Podolski mittlerweile klaglos, und das ist ihm auch in den ersten beiden EM-Begegnungen ordentlich gelungen. Doch schon schlägt die Kritik um, und es wird darauf geschaut, dass ihm in der Offensive zu selten etwas Spektakuläres gelingt. Das eine hängt mit dem anderen zusammen - mit dem kleinen Unterschied, dass man über Tore nicht hinwegsehen kann, während Sprints in die eigene Hälfte, um etwas auszubügeln, am Ende meist vergessen sind.

Bastian Schweinsteiger hat im Zusammenhang mit Podolski darauf hingewiesen, dass die Arbeit, die die Offensivleute erledigen würden, „untergeht in der Beurteilung. Aber gerade das hilft uns, dass wir wie eine Wand stehen können.“ Wenn ein Spaßfußballer wie Podolski dafür sorgt, dass andere keinen Spaß haben, ist das erst einmal bemerkenswert, spricht aber nur für ihn. Podolski nimmt ohne Murren in Kauf, dass er etwas schlechter aussieht, die Mannschaft aber etwas besser. Und die gute Laune kann ihm ohnehin niemand verderben. „Poldi ist immer gut drauf“, sagte gestern Mario Gomez, „er ist ein Topspieler und ein Topmensch, nicht umsonst ist er so beliebt.“ Bei öffentlichen Auftritten wirkt der 27-Jährige in diesen Tagen ernsthafter als vor ein paar Jahren, als Antworten mit mehr als zwei Sätzen selten waren, aber stets sein Schalk aufblitzte. Vor dem Dänemark-Spiel gab er nur eine kleine Kostprobe, als er näher beschrieb, warum er sich im Deutschlandtrikot „sauwohl“ fühlt: „Wäre die Nationalmannschaft ein Klub, dann wäre sie ein Klub wie der FC Köln.“ Als die Reporter lachten, weil Köln zwar für ihn eine Herzensangelegenheit ist, zuletzt aber für Führungschaos und Abstieg stand, freute sich auch Podolski. Spaßmacher bleibt Spaßmacher.

Mehr zum Thema

Die UEFA hat den Deutschen Fußball-Bund wegen des Fehlverhaltens einiger Fans im EM-Auftaktspiel gegen Portugal zu einer milden Geldstrafe verurteilt, am Donnerstag aber ein weiteres Disziplinarverfahren gegen den DFB eröffnet.

14.06.2012

Mit zwei Treffern öffnet Mario Gomez der deutschen Fußball-Nationalmannschaft das Tor zum EM-Viertelfinale ganz weit. Nach dem 2:1-Sieg über die Niederlande reicht am Sonntag ein Unentschieden gegen Dänemark zum Weiterkommen.

Heiko Rehberg 14.06.2012

So waren die deutschen Spieler beim wichtigen 2:1-Sieg über die Niederlande in Form: Die Einzelkritik von Heiko Rehberg,

Heiko Rehberg 14.06.2012