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Fußball EM Löw sucht die Herausforderung
Sport Fußball EM Löw sucht die Herausforderung
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18:07 26.06.2012
Von Heiko Rehberg
Bundestrainer Joachim Löw freut sich auf das Duell gegen Italien - auch wenn es ein schweres sein wird. Quelle: dpa
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Danzig

Wenn es eines letzten Beweises bedurft hätte, dass dieser Bundestrainer auf alles vorbereitet ist, dann hat er ihn gestern bei seiner letzten Pressekonferenz in Danzig geliefert. Joachim Löw, der Mann, der bei der Fußball-Europameisterschaft alles richtig macht, hat zur Not auch einen Scherz auf seinem Taktikzettel. Als er nämlich gebeten wurde, seine Gedanken zum morgigen Halbfinalspiel gegen Italien zu verraten, sagte Löw: „Die Gedanken gibt’s Donnerstag um 14.12 Uhr.“

Lachen im Zelt, weitere Erklärungen unnötig. Auf schelmische Art und Weise hatte der Bundestrainer darauf angespielt, dass zu diesem Zeitpunkt vor dem Viertelfinale in Danzig gegen Griechenland (4:2) seine geplanten Personalwechsel im Internet öffentlich geworden waren.

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Damit der Maulwurf vor dem Italien-Spiel nicht ganz so tief wühlen muss, hat der bestens gelaunte Löw ihm ein wenig Arbeit abgenommen. „Es ist durchaus denkbar, dass es die eine oder andere Veränderung geben wird“, sagte er, was nach aller Erfahrung mit Löws Finten rund um die Aufstellung als folgende Botschaft entschlüsselt werden darf: Die Startelf gegen Griechenland wird nicht die Startelf gegen Italien sein.

Der Bundestrainer wird also morgen erneut etwas ändern, die Begründung klingt einleuchtend: „Griechenland ist nicht der alleinige Maßstab für unser Spiel“, sagte er, „Italien ist eine andere Hausnummer, da müssen wir einen draufsetzen.“ Einmal in Fahrt, nutzte Löw die Gelegenheit, sich zumindest auf einer Position festzulegen; er hat da längst ein ausgesprochen gutes Gespür dafür entwickelt, wann er einen seiner Spieler auch öffentlich stützen muss. „Wir brauchen Bastian Schweinsteiger“, sagte Löw und hielt ein eindrucksvolles Plädoyer für den Nationalspieler, der als einer der wenigen im Team den Status „Unverzichtbar“ genießt.

Löw berichtete von vielen Gesprächen mit Schweinsteiger, einige davon nach dem Griechenland-Spiel, in dem der Bayern-Profi fehlerhaft und unkonzentriert wie seit Jahren nicht aufgetreten war. „Er ist hundert Prozent selbstkritisch“, sagte Löw, „diese Fehler werden ihm nicht wieder passieren.“ Sein etwas merkwürdig formuliertes Lob für Schweinsteigers Leistung in den ersten drei Spielen („Schon auch sehr gut“) erlaubt die Interpretation, dass auch der Trainer bei dem 27-Jährigen Luft bis zur Bestform gesehen hat, an dessen Ausnahmerolle in Löws Fußballkosmos bestehen aber keine Zweifel. „Er ist wichtig für uns auf dem Platz.“ Auf dem Platz morgen gegen Italien.

Aus seinem Respekt vor dem Halbfinalgegner und der „enormen Weiterentwicklung“ in der italienischen Nationalmannschaft nach der missratenen WM vor zwei Jahren in Südafrika macht Löw kein Hehl. Er bescheinigt den Italienern „extrem gute Stärken, sehr viel Qualität“; was Löw gemeinhin so sagt über Gegner, die er spielerisch und taktisch auf einer Stufe mit seiner Elf einordnet. „Aber“, sagte Löw und dehnte das erste Wort laut und energisch in die Länge, „aaaaaaber wir werden Italien unseren Rhythmus aufzwingen und die Initiative ergreifen.“

Der eine oder andere in der deutschen Mannschaft hätte morgen in Warschau lieber die Engländer als Gegner gesehen. Löw, das war gestern in jedem Halbsatz zu spüren, fiebert Italien und der Gelegenheit entgegen, sich mit einem großen Team zu messen. Gegner wie die Griechen sind für ihn keine Herausforderung mehr. Der Espresso-Liebhaber Löw freut sich auf Italien.

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