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Fußball EM Gigant Khedira hilft Sorgenkind Schweinsteiger
Sport Fußball EM Gigant Khedira hilft Sorgenkind Schweinsteiger
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14:35 24.06.2012
Sami Khedira und Bastian Schweinstieger sollen im Mittelfeld den Ton angeben. Quelle: dpa
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Danzig

Joachim Löw wird zum EM-Magier - und alle staunen über die gewagten Kunststücke. Auch seine Spieler verblüffte der Bundestrainer mit der mutigen Überfall-Taktik gegen Griechenland mit gleich drei Offensiv-Wechseln, die aufgingen und die Träume vom ersten großen deutschen Fußball-Triumph seit 16 Jahren reifen lassen.

„Der Europameistertitel geht nur über uns“, tönte Turnierdebütant Marco Reus nach dem 4:2-Sieg in Danzig und dem Vorstoß ins Halbfinale jugendlich unbekümmert und forsch. Nicht einmal Löws „Topfavorit“ Spanien kann den jungen deutschen Kicker-Helden Furcht einflößen.

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Auch intern rückt Löw langsam in die Rolle eines Heilsbringers, der für jede Situation und jeden Gegner die passende Lösung findet. „Das ist bombig“, meinte sogar ein Routinier wie Miroslav Klose. „Wir vertrauen dem Trainer fast schon blind. Alles, was er macht, hat Hand und Fuß“, schwärmte der königlich aufspielende Sami Khedira.

Der Antreiber von Real Madrid wird bei seinem zweiten Turnier immer mehr zum verlängerten Arm von Löw auf dem Spielfeld, auch weil er Sorgenkind Bastian Schweinsteiger mit durchziehen muss. Ist Löw ein Guru? „Wenn das Wort Guru positiv belegt ist, kann man das vielleicht so stehen lassen“, antwortete Thomas Müller.

Tatsächlich wird zu Gold, was der Stratege Löw in Polen und der Ukraine bislang anfasst. „Das ist aufgegangen“, freute sich der Chefcoach beinahe diebisch über seinen Umbau-Coup. Alle bisherigen Torschützen - Gomez (3), Podolski (1), Bender (1) - nahm er raus. Dafür kamen Klose, Reus und André Schürrle neu rein. Neben Kapitän Philipp Lahm und Khedira trafen Klose und Reus auch noch. „Wir haben die Griechen mit vielem schlichtweg überfordert“, frohlockte Löw.

Eine begeisterte Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte ihrem Team in der Kabine des Danziger Stadions strahlend. „Glückwunsch, weiter so!“, sagte die Regierungschefin in ihrer kurzen Rede. Zum Finale will sie wiederkehren - dann mit dem EM-Pokal mitfeiern.

Löw stimmte schon vor dem Turnierendspurt eine Lobeshymne auf seine schwarz-rot-goldene Siegertruppe an, die ihre Rekordserie auf 15 Pflichtspiel-Erfolge in Serie ausbauen konnte: Weltrekord! „Wir sind zum vierten Mal hintereinander bei einem großen Turnier im Halbfinale - 2006, 2008, 2010, 2012. Das ist eine hervorragende Leistung. Wir haben die jüngste Mannschaft beim Turnier mit großen Perspektiven“, schwärmte Löw, der dieses Team mindestens bis zur WM 2014 in Brasilien weiter begleiten und entwickeln wird - ohne Grenzen nach oben. „Wir haben einen sensationellen Kader, haben sensationelle Qualität“, sagte Kapitän Lahm. Die Titelträume werden langsam real.

Ganz entspannt konnten die Spieler an ihrem freien Sonntag dem Fernsehabend entgegenblicken und auf ihren Halbfinalgegner warten, ob er nun England oder Italien heißt. „Das sind zwei schwere Gegner, aber beide sind zu schlagen“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Alles ist schon jetzt auf das Finale ausgerichtet. Entgegen der ursprünglichen Planung wird der DFB-Tross nach dem Halbfinale am Donnerstag in Warschau nicht mehr ins Danziger Quartier zurückkehren, sondern sofort aus der polnischen Hauptstadt weiter in die Ukraine reisen - oder bei einem K.o. nach Deutschland zurück. Das will keiner: „Wir wollen den nächsten Schritt machen - wir wollen ins Finale“, verkündete der endlich starke Spielmacher Mesut Özil.

Erstmals hatte Löw gegen die Pleite-Griechen sein gewaltiges Bank-Kapital angefasst, das im weiteren Turnierverlauf noch einige Gewinnausschüttungen verspricht. Der Plan, Gomez, Podolski und Müller durch frische Kräfte zu ersetzen, „war mir schon länger im Kopf herumgegeistert“, berichtete Löw. „Irgendwie war die Zeit reif, etwas zu verändern. Ich wollte unberechenbar bleiben für die Griechen.“

Es habe ihm „auch wehgetan“, den dreifachen EM-Torschützen Mario Gomez oder auch Lukas Podolski zu opfern. Aber er habe „andere Spielertypen“ gebraucht, die Laufwege aus dem Mittelfeld in die Tiefe gemacht hätten. „Marco Reus hat sehr gut gespielt, André Schürrle ebenso. Miroslav Klose macht ein Tor wie Reus. Das war irgendwie auch der Schlüssel zum Sieg“, lobte Löw die Spieler und sich selbst.

Vor dem Halbfinale ist Feuer im Kader. Der Kampf um die elf Startplätze beim nächsten Showdown verspricht hitzig zu werden. „Wie es im nächsten Spiel aussieht, werden wir sehen. Ich gehe aber davon aus, dass ich dann wieder spielen werde“, sagte Podolski kämpferisch.

Neben Torhüter Manuel Neuer und der Abwehrkette sind auch im Kraftzentrum des deutschen Spiels die drei zentralen Plätze an Özil, Khedira und Schweinsteiger fix vergeben. Wobei Schweinsteiger zur kniffligsten Personalie wird. „Um ehrlich zu sein, macht mir mein Knöchel Sorgen“, räumte der Mittelfeldchef nach seiner schwächsten Turnierleistung in der „Welt am Sonntag“ ein. Aufgeben aber kommt für den Vizekapitän nicht infrage, er will sich weiter quälen: „Die Zeit ist noch nicht gekommen, wo ich mich schonen kann. Wir haben hoffentlich noch zwei Spiele, da beiße ich mich durch.“

An Schweinsteigers Seite entwickelt sich zum Glück Khedira zu einem Giganten. Löw adelte den 25-Jährigen: „Er ist eine wirkliche Führungspersönlichkeit geworden, sehr gut, sehr dynamisch, sehr präsent. Es ist gut für die anderen, die um ihn herum spielen, dass er da ist.“ Ganz besonders für den nicht topfitten Schweinsteiger. 

dpa

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