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Fußball EM Erfolg gibt den Griechen Recht
Sport Fußball EM Erfolg gibt den Griechen Recht
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19:54 21.06.2012
Von Heiko Rehberg
Größte Sensation der jüngeren Fußballgeschichte: Das griechische Nationalteam feiert mit Trainer Otto Rehhagel den Triumph bei der EM 2004 in Portugal. Quelle: dpa (Archiv)
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Danzig

Der 4. Juli ist in Griechenland ein Feiertag. Er ist das erst seit acht Jahren, und wenn man es genau nimmt, dann ist das gar kein offizieller Feiertag, keiner, an dem die Schüler in Athen zu Hause bleiben dürfen. Für Fußballfans aber, also praktisch für alle Griechen, ist der 4. Juli ein Grund zu feiern. Denn an diesem Tag vor acht Jahren bescherten die Götter, zumindest die für den Fußball zuständigen von ihnen, den Hellenen ein Wunder: Griechenland wurde durch einen 1:0-Sieg im Finale gegen Gastgeber Portugal Europameister. Es war und bleibt die größte Sensation in der jüngeren Fußballgeschichte.

Es ist kein Zufall, dass die Griechen vor dem heutigen Viertelfinalspiel gegen Deutschland in Danzig an die Nacht von Lissabon erinnern und hoffen, dass sich die Geschichte, ihre Geschichte, wiederholt. Waren sie nicht damals genau wie heute der große Außenseiter, den alle belächelten für seinen antiken Fußball mit Libero und einer vielköpfigen Abwehrreihe? Und waren sie ihnen und ihrem Trainer Otto Rehhagel am Ende nicht doch alle in Falle gelaufen? Die Portugiesen gleich zweimal, im Eröffnungsspiel und im Finale, die Franzosen im Viertelfinale, die Tschechen im Halbfinale, alle waren sie gegen die weißblaue Abwehrmauer vergeblich angerannt. Und falls Bundestrainer Joachim Löw noch eine Szene braucht, um seine Mannschaft vor Griechenlands Team zu warnen, dann sollte er ihnen das Siegtor von Angelos Charisteas aus dem Finale von 2004 zeigen. In der 57. Minute machten die Griechen damals aus ihrem ersten Eckball das Tor des Tages. Ihr heutiger Plan in Danzig wird ähnlich aussehen.

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Die Parallelen zwischen 2004 und 2012 sind groß. „König Rehakles“ hat seinen Platz im Trainerolymp nach misslungenen Wiederbelebungsmaßnahmen einer älteren Dame aus Berlin zwar verloren und sitzt nicht mehr auf der Bank. Georgios Karagounis, der die Brücke zwischen beiden griechischen Teams schlagen könnte, fehlte 2004 im Finale und wird am Freitag gesperrt ebenfalls nicht dabei sein. Und der Papadopoulos, der damals dabei war, hieß Dimitris mit Vornamen, die deutschen Stürmer müssen sich am Freitag aber mit Kyriakos Papadopoulos herumschlagen.

Nicht verändert hat sich der Fußballstil der Griechen, die größere Offensivbemühungen damals wie heute beharrlich verweigern, die hoffen, dass ihr Bollwerk hält und auf die eine große Chance warten, die ihnen das Schicksal irgendwann zuspielt. Siehe Lissabon, 4. Juli 2004, 57. Minute. „Sie haben im ganzen Turnier aus ihren wenigen Chancen fast jedes Mal ein Tor gemacht“, sagt Deutschlands Mittelfeldspieler Sami Khedira über die Spielweise des Teams von 2012.

Vor acht Jahren war der Kontrast fast noch größer, denn die EM in Portugal bot erstklassigen Fußball, mit viel Tempo und Technik, damals lernte Europa einen atemberaubend dribbelnden Jüngling namens Cristiano Ronaldo kennen, und für den Tschechen Milan Baros schwärmten nicht nur die Experten, sondern auch die Frauen. Die Griechen dagegen boten - zugegeben gekonnten - Defensivfußball, aber in Deutschland durfte sich nach dem blamablen Vorrundenaus mit dem peinlichen 0:0 gegen Lettland als Tiefpunkt der EM-Geschichte ohnehin niemand beschweren. Rehhagel, der Deutsche, der danach fast Bundestrainer geworden wäre, hatte ohnehin seine eigene Theorie vom modernen Fußball. „Modern ist, wer gewinnt“, sagte Rehhagel damals.

Heute sagt er, dass vor dem deutsch-griechischen Duell „zwei Herzen in meiner Brust schlagen“. In Athen darf er seit dem EM-Triumph auf der Busspur Auto fahren. In Berlin sollte Rehhagel bei diesem Versuch mit einem Bußgeld kalkulieren.

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