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Fußball EM England oder Italien: Hauptsache Finale!
Sport Fußball EM England oder Italien: Hauptsache Finale!
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06:15 25.06.2012
Von Heiko Rehberg
Große Trauer: Michael Ballack und Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 gegen Italien.
Große Trauer: Michael Ballack und Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 gegen Italien. Quelle: dpa
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Danzig

Italien oder England? Das war bis gestern Abend kein großes Thema im Mannschaftskreis. Das wird sich spätestens Sonntagabend ändern, wenn die meisten Spieler sich in ihrem Quartier „Dwor Oliwski“ treffen, um gemeinsam vor einem großen Bildschirm die Partie der beiden alten Rivalen in Kiew zu verfolgen. Zumindest in dieser Hinsicht hätten Engländer oder Italiener eine Erfahrung voraus, denn Kiew ist am 1. Juli auch Austragungsstätte des EM-Finals.

Die Erinnerung an die Italiener ist für die deutsche Mannschaft frischer. Keine anderthalb Jahre ist es her, als das von Cesare Prandelli neu zusammengestellte Team in Dortmund erste vielversprechende Gehversuche machte. 1:1 endete am
9. Februar 2011 das Freundschaftsspiel, es war ein glückliches Remis für die deutsche Mannschaft, die von den erstaunlich offensiven Italienern überrascht schien.

Dass Italien bei der Sommermärchen-WM vor sechs Jahren die Deutschen in deren eigenem Land im Halbfinale aus dem Turnier schmiss, würde einem Wiedersehen bei der EM den besonderen Reiz geben, auch wenn Stürmer Thomas Müller gestern Revanchegedanken abstritt. „Wir sind doch nicht beim Boxen“, sagte er.

Trotzdem würde genau darin der große Unterschied bei der Abwägung „Italien oder England?“ liegen. Mit den Italienern hat die deutsche Elf noch eine Rechnung offen. Bei einem Duell mit den Briten wäre es andersherum. Das bislang letzte von 32 Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und England war das WM-Achtelfinale 2010. Im südafrikanischen Bloemfontein spielte vor allem Müller groß auf, am Ende stand ein strahlender deutscher 4:1-Sieg mit einer besonderen Geschichte. Denn auf das „Wembley-Tor“ 1966 folgte am 27. Juni 2010 das „Bloemfontein-Tor“. Während in Wembley die Engländer von einem Tor profitierten, das keines war und trotzdem gegeben wurde, waren in Südafrika die Deutschen Nutznießer eines Treffers, der zu Unrecht keine Anerkennung fand. Die Unterkante der Latte – zwischen beiden Nationen spielt sie in der Fußballgeschichte eine besondere Rolle.

Wer Statistik für ein gutes oder schlechtes Omen hält, dem sei noch zugerufen: In diesem Fall ist es egal, ob es kommenden Donnerstag gegen England oder Italien geht. Gegen beide Nationen ist die deutsche Bilanz negativ. Die Briten haben von 32 Spielen 15 gewonnen und elf verloren. Die Italiener bringen es in 30 Spielen auf 14 Siege und sieben Niederlagen. So oder so würde in Warschau gelten: Zeit, dass sich was dreht!

Heiko Rehberg 22.06.2012
Heiko Rehberg 21.06.2012