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Fußball EM Der Coup der Dänen
Sport Fußball EM Der Coup der Dänen
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19:17 15.06.2012
Von Heiko Rehberg
Bei der EM in Schweden setzte sich der Außenseiter die Krone auf. Quelle: dpa (Archivbild)
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Danzig

Andreas Köpke hätte vor 20 Jahren gegen Dänemark gerne eingegriffen. Es war das erste Europameisterschaftsturnier des heutigen Bundestorwarttrainers, aber Köpkes Zeit war damals noch nicht gekommen. Köpke ist heute 50 Jahre alt, jeden Tag lässt er auf dem Trainingsplatz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Manuel Neuer, Tim Wiese und Ron-Robert Zieler über Stangen springen und schießt ihnen aus wenigen Metern Bälle zu. Er kann an Wiese und Zieler die Erfahrung weitergeben, wie es ist, jeden Tag zu üben und dann doch nur zuschauen zu müssen. Er hat das selbst erlebt, damals bei der EM 1992.

Wenn am Sonntag Deutschland in Lwiw gegen Dänemark um den Einzug ins Viertefinale spielt, dann weckt das bei Köpke Erinnerungen. An die EM, die eine der schlechtesten aller Zeiten war, vor allem aber an die Dänen.

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Deutschland hatte sich bei dem Turnier vor 20 Jahren ins Endspiel gemüht, ein einziges gutes Spiel, das 3:2 im Halbfinale gegen Gastgeber Schweden, hatte dafür gereicht. Doch im Finale gab es eine 0:2-Niederlage gegen einen Gegner, der eigentlich gar nicht hätte dabei sein dürfen.

Es waren besondere Zeiten damals. Dänemark war in der EM-Qualifikation an Jugoslawien gescheitert. Aber der Bürgerkrieg in dem Land veranlasste Sport und Politik gemeinsam zu einem ungewöhnlichen Schritt: Jugoslawien wurde disqualifiziert, Dänemark durfte nachrücken. „We are red, we are white, we are danish dynamite“, wurde zum Motto der EM.

Trainer Richard Möller-Nielsen, so geht die Legende, hatte beim Renovieren seiner Küche davon erfahren. Ihm blieben acht Tage Zeit, seine Dänen auf das Turnier vorzubereiten. Bis ins Jahr 2004 war der Triumph dieses Teams die größte EM-Sensation überhaupt, dann kamen Otto Rehhagels Fußball-Betonmischer aus Griechenland und lösten die Dänen in dieser Kategorie ab.

Deutschland hat heute bei der EM einen eigenen Koch und einen Yogalehrer dabei, Köpke kann Mario Gomez verraten, in welche Ecke sich Dänemarks Torhüter am liebsten schmeißt und wie weit er den Ball abwirft. Die Dänen gingen die Sache 1992 anders an. Sie hatten durch die unverhoffte Teilnahme bereits gewonnen; wenn sie jedes Spiel 0:3 verloren hätten, wäre keiner überrascht gewesen. Flemming Povlsen, der in der Bundesliga für Borussia Dortmund stürmte, erzählte später, man habe sich hauptsächlich von Big Macs und Cola ernährt. Zur Vorbereitung auf das Halbfinale hatte Trainer Möller-Nielsen ein Minigolfturnier organisieren lassen.

Eigentlich hätten die Dänen keine Chance haben dürfen gegen eine deutsche Mannschaft, der Franz Beckenbauer nach dem WM-Gewinn 1990 die Unschlagbarkeit für viele Jahre vorhergesagt hatte. Die EM 1992 war das erste große Turnier nach der Wende, die Auswahl der Bundesrepublik plus die besten Akteure der DDR - für viele Experten war die Dominanz Deutschlands eine beschlossene Sache. Aber auch im Fußball wuchs nur langsam zusammen, was zusammengehört. „Wir fühlten uns damals noch sehr fremd“, hat später Mattias Sammer erzählt, heute Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, damals mit Andreas Thom und Thomas Doll einer von drei früheren DDR-Nationalspielern. Als er 1992 in Göteborg im Finale gegen die Dänen zur Pause vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts ausgewechselt wurde, brach für ihn „eine Welt zusammen“.

Der hohe Favorit Deutschland war gegen Dänemark chancenlos, und dass die Tore von Jon Jensen (19. Minute) und Kim Vilfort (78.) nicht unhaltbar schienen für Torwart Bodo Illgner, tröstete auch Andreas Köpke nicht. Illgner blieb auch bei der WM 1994 die Nummer 1, erst zwei Jahre später bei der EM in England kam Köpkes große Stunde. Deutschland wurde mit dem heutigen Bundestorwarttrainer Europameister. Wie sich das anfühlt, auch davon kann der „BTT“, wie ihn die Journalisten gerne nennen, Neuer, Wiese und Zieler bis vor dem Spiel gegen Dänemark ein bisschen etwas erzählen.

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