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Fußball EM DFB-Team macht sich für die EM startklar
Sport Fußball EM DFB-Team macht sich für die EM startklar
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22:17 04.06.2012
Von Heiko Rehberg
Foto: Auftakt in Danzig: Lukas Podolski (l.) bekommt auch an seinem 27. Geburtstag im Trainingsduell mit Thomas Müller nichts geschenkt. Im Hintergrund schaut Bundestrainer Joachim Löw genau hin.
Auftakt in Danzig: Lukas Podolski (l.) bekommt auch an seinem 27. Geburtstag im Trainingsduell mit Thomas Müller nichts geschenkt. Im Hintergrund schaut Bundestrainer Joachim Löw genau hin. Quelle: dpa
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Danzig

Das war schon mehr nach dem Geschmack von Joachim Löw. Der Bundestrainer mag es beim Fußball schnell, und wenn die deutsche Nationalmannschaft auf dem Platz bummelt wie zuletzt bei der Europameisterschafts-Generalprobe gegen Israel (2:0), dann kann auch der besonnene Löw ungehalten werden.

Der Start ins EM-Abenteuer war da am Montag in Sachen Tempo nach dem Geschmack von Löw. Um 13.35 Uhr hob die Lufthansa-Chartermaschine LH 342 in Frankfurt ab, um 15.05 Uhr hieß es auf dem Lech-Walesa-Flughafen in Danzig: „Witamy w Polsce“. Willkommen in Polen.
Ein kurzes Winke, winke für die Fotografen, dann ging es rein in den Bus und weiter zum Mannschaftsquartier ins rund 15 Kilometer entfernte Oliwa. Ein freundlicher Empfang im Hotel „Dwor Oliwski“, schnell ab ins Zimmer, kurz nach 18 Uhr standen Löw und seine Nationalspieler im neun Kilometer vom Quartier entfernten Lechia-Stadion das erste Mal in Polen auf dem Trainingsplatz.

Durch die zerrissene Vorbereitung hat Löw viel Zeit verloren, was für einen Trainer wie ihn so ziemlich das Schlimmste ist, was vor einem großen Turnier passieren kann. Der 52-Jährige ist ein Großmeister der Vorbereitung, ein Freund von dem, was er „Automatismen“ nennt. Wer läuft wann wohin? Das lässt sich trainieren, aber es braucht Zeit, vor allem aber braucht man Spieler, die beim ersten EM-Vorrundenspiel am kommenden Sonnabend in Lwiw gegen Portugal (Beginn um 20.45 Uhr, live in der ARD) auch dabei sind. Löw plant den EM-Auftakt mit einer Art FC Bayern Deutschland, ausgerechnet die Münchener Spieler fehlten aber den Großteil der Vorbereitung. Wohl auch deshalb drückte Löw aufs Tempo. „Wir müssen die Woche optimal nutzen“, sagte er.

Für die 23 Nationalspieler war der erste Tag in Danzig ein Tag der Kontraste. Der Weg vom Flughafen ins Mannschaftshotel führt vorbei an tristen Wohnblöcken und riesigen Einkaufszentren, die Straßenränder sind zugepflastert mit gewaltigen Werbetafeln, auf denen es mehr um günstige Fliesen aus dem Baumarkt geht als um das EM-Turnier. Doch zwischen dem hektischen Danzig und dem schick herausgeputzten Seebad Sopot liegt Dolina Radosci, das „Tal der Freude“. Dort liegt das „Dwor Oliwski“. Eine einzige, mit Natursteinen gepflasterte Straße führt zu dem deutschen Teamhotel mitten in einer Schrebergartenkolonie. Das Tal der Freude ist eher ein Tal der Ruhe, seit Montag wird nach zwei Kilometern rumpeln durch einen dichten Wald jeder von grimmig dreinschauenden Polizisten gestoppt, der kein Nationalspieler ist. Ohne Sondergenehmigung geht es hier nicht weiter.

Wer einen Blick auf den alten Gutshof oder den extra für 250.000 Euro gebauten, umzäunten Trainingsplatz werfen will, hat seit Montag schlechte Chancen. Die Fußballfans des 20.000 Einwohner zählenden Städtchens Oliwa und die überschaubare Zahl deutscher Touristen werden Philipp Lahm und Co. vornehmlich hinter den Fenstern des Mannschaftsbusses zu sehen bekommen.

Dass das keine böse Absicht von Löw ist, sondern alternativlos, um in Ruhe arbeiten zu können, zeigte das gestrige öffentliche Training. 4000 Danziger Schüler sowie Mädchen und Jungen aus Kinderheimen schauten beim ersten und gleichzeitig letzten öffentlichen Training zu und brachten Lukas Podolski ein Ständchen zum 27. Geburtstag. Auch Tausende Fans aus Deutschland waren gekommen: Es herrschte Volksfeststimmung im Lechia-Stadion, jede Dehnübung wurde bejubelt. Wer ein Autogramm ergatterte, freute sich. Auch Löw hatte Grund zum Lächeln: Bastian Schweinsteiger, der die drei freien Tage zu einem Abstecher nach Capri genutzt hatte, trainierte nach seiner Wadenverletzung wieder – als Einziger in langer Hose. Danach ging es zurück ins Tal der Freude. Das passte prima.

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