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Fußball EM Balotelli schickt Jogis Jungs nach Hause
Sport Fußball EM Balotelli schickt Jogis Jungs nach Hause
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06:16 01.07.2012
Von Heiko Rehberg
Beim Finale der Fußball-Europameisterschaft bleibt den Deutschen nach dem 1:2 gegen Italien nur die Zuschauerrolle Quelle: dpa
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Warschau

Als Schiedsrichter Stephane Lannoy um 22.38 Uhr in Warschau abpfiff, war das gleichbedeutend mit dem Turnierende für die Deutschen. 1:2 gegen Italien, dazu noch völlig verdient – es war ein schwarzer Donnerstag für die Mannschaft, die weit unter ihren Möglichkeiten geblieben war und sogar höher hätte verlieren können.

Nach 20 Minuten hatten die Deutschen eine ungewohnte Situation zu lösen. In den vier vorherigen EM-Partien waren sie immer in Führung gegangen und konnten mit dieser Sicherheit ihr Spiel entfalten, diesmal gerieten sie in Rückstand und in der 1. Halbzeit völlig aus der Bahn. Als Mario Balotelli sein erster Streich zum 1:0 gelang (20. Minute), mit freundlicher Unterstützung der deutschen Abwehr, hatte die Mannschaft eine große Chance (Mats Hummels, 5. Minute) und einige kleinen Chancen gehabt, dabei ein Beinahe-Eigentor von Andrea Barzagli (13.).

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Doch ein Unglück kam nicht allein. In der 36. Minute profitierte Balotelli erneut von einem schweren Patzer (Philipp Lahm) und einer viel zu weit aufgerückten Viererkette, er machte daraus mit brachialer Wucht das 2:0. Der doppelte Balotelli-Schock. Bis zur Pause erholte sich die Mannschaft davon nicht mehr.

Erstmals in diesem Turnier musste Joachim Löw erleben, dass nicht jeder seiner Schachzüge aufgeht. Diesmal hatte sich der Bundestrainer zunächst vorne für Mario Gomez statt Miroslav Klose und überraschend für Toni Kroos im Mittelfeld entschieden. Gerade in diesem sensiblen Mannschaftsbereich sind Veränderungen immer ein Risiko, im Halbfinale brachten sie die Elf aus dem Rhythmus.

Mesut Özil musste immer wieder nach rechts ausweichen, Bastian Schweinsteiger hielt sich noch mehr zurück als im Viertelfinale gegen Griechenland (4:2), auf der linken Seite wurde Lukas Podolski fast völlig vergessen. Sami Khedira versuchte als Einziger gegenzusteuern, zwang Italiens Torwart Gianluigi Buffon mit einem 25-Meter-Schuss zu einer Glanzparade (35.), aber das war zu wenig.

Mit Marco Reus (für Lukas Podolski) und Klose für Gomez versuchte Löw in der 2. Halbzeit, seine Mannschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Doch es gibt dankbarere Aufgaben, als gegen italienische Defensivspezialisten einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, immer mit der Gewissheit, dass ein dritter Treffer das Aus bedeuten würde.

Immerhin: Die Mannschaft versuchte es, mit großem Einsatz, mit Wut und mit zunehmender Spieldauer mit Verzweiflung. Was sie gebraucht hätte, wäre der schnelle Anschlusstreffer gewesen. Lahm hatte ihn in der 49. Minute auf dem Fuß, doch das war nicht der Tag für ein Costa-Rica- oder Griechenland-Tor. Als nach einer guten Stunde Buffon einen Freistoß von Reus gerade noch an die Latte lenkte, raufte sich Bundestrainer Löw auf der Bank die Haare.

In der Schlussphase hätte Italien das 2:0 locker auf 3:0 oder 4:0 ausbauen können, vergab aber gleich mehrere Konter leichtfertig. Nicht noch gedemütigt worden zu sein, war allerdings noch die beste Nachricht für die deutsche Mannschaft in diesem Halbfinale, in dem aus Özils spätes Elfmetertor zum 1:2 keine Freude mehr machte.

Dieser Artikel wurde aktualisiert

Heiko Rehberg
Heiko Rehberg 28.06.2012
Heiko Rehberg
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