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15:59 16.04.2019
Nach dem Abschluss noch einmal mehrere Jahre die Hörsaalbank drücken: Ein Zweitstudium will gut überlegt sein – auch aus finanzieller Sicht. Quelle: Inga Kjer/dpa-tmn
Bonn

Nach dem ersten Studium ist für viele Studenten noch nicht Schluss: Manche wollen sich noch einmal umorientieren, andere brauchen ein Zweitstudium für ihren Berufswunsch. Auf den Bachelor noch einen zweiten draufsatteln klingt einfach, kann aber in der Theorie ganz schön kompliziert sein. Wer nach dem Abschluss einen weiteren Bachelor oder Master machen möchte, muss sich nämlich auf einen Zweitstudienplatz bewerben.

Entscheidung für Zweitstudium hat verschiedene Gründe

Für einige Berufe ist so ein Zweitstudium zwingend erforderlich: Kieferchirurgen müssen zum Beispiel Zahnmedizin und Humanmedizin studieren, erklärt Christian Tauch vom Referat für Hochschulbildung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Andere entscheiden sich für einen weiteren Abschluss, weil sie sich noch einmal umorientieren möchten oder die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht stehen. Etwa fünf Prozent der Studierenden waren im Wintersemester 2017/2018 als Zweitstudierende eingeschrieben, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

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Nur wenige Plätze für Zweitstudienbewerber

Bei zulassungsfreien Studiengängen können sich Studierende, die bereits einen Bachelor oder Master haben, einfach einschreiben. Komplizierter wird‘s bei Fächern mit Zulassungsbeschränkung: „Für Studienplätze in Studiengängen, die im bundesweiten Vergabeverfahren vergeben werden, stehen den Zweitstudienbewerbern drei Prozent der Plätze zur Verfügung“, erklärt Tauch. Das gilt für Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin. „Bei örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen bestimmen die Hochschulen diese Quote selbst.“ Sie liegt in der Regel ebenfalls bei etwa drei Prozent. Für die Vergabe gibt es bestimmte Regeln. Relevant sei neben der Abschlussnote des Erststudiums vor allem die persönliche Motivation, sagt Tauch. Dazu zählen unter anderem zwingende berufliche oder wissenschaftliche Gründe.

Motivation entscheidend für Bewerbung

Für wen lohnt es sich, Motivationsschreiben und Bewerbung aufzusetzen? „Ein Zweitstudium macht für die Leute Sinn, die sich umorientieren möchten, weil sie mit dem ersten Studiengang nicht zufrieden sind“, sagt Thomas Röser vom Deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung. Etwa, wenn sich das Interessensgebiet geändert habe oder man merke, dass man mit seinem Bachelor in Germanistik nicht weit kommt. Wissenschaftliche Gründe können ebenso eine Rolle spielen – wenn eine ergänzende Qualifikation beispielsweise für eine Tätigkeit in der Forschung notwendig ist, erklärt Tauch. Wichtig für alle Zweitstudierenden ist die Motivation: „Man muss sich vorher überlegen, warum und wie man das macht, um das Studium durchzuhalten“, sagt Röser.

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Finanzierung von Zweitstudium schwierig

Ein Zweitstudium ist nicht günstig: In einigen Bundesländern werden dafür Gebühren erhoben. In Sachsen-Anhalt sind das 500 Euro pro Semester, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sogar 650 Euro. In den meisten anderen Bundesländern fallen keine Extrakosten an. Trotzdem haben Zweitstudierende oft höhere Ausgaben. „Sie haben vielleicht schon Familie oder sorgen privat fürs Alter vor“, sagt Bernhard Börsel vom Deutschen Studentenwerk.

Hinzu kommt, dass es Bafög nur in besonderen Fällen gibt. Zum Beispiel, wenn das Studium zwingend für den angestrebten Beruf erforderlich ist – also unter anderem für angehende Kieferchirurgen, weiß Börsel. Alle anderen müssen sich selbst finanzieren. Ein Kredit als alleinige Finanzierungsform – davon rät Börsel ab: „Die Verschuldung wird zu hoch.“ Entscheiden sich Zweitstudierende trotzdem dafür, empfiehlt er, nur eine sehr moderate Höhe über einen begrenzten Zeitraum zu beziehen. Realistische Summen können demnach beispielsweise mit dem Tilgungsrechner vom KfW Studienkredit ausgerechnet werden.

Studenten sollten Alternativen zum Zweitstudium in Erwägung ziehen

Alternativ bietet sich ein berufsbegleitendes Studium ein. „Da sollte aber die Work-Life-Balance nicht aus dem Blick geraten“, sagt Börsel. Thomas Röser zufolge sind die Angebote an berufsbegleitenden Studiengängen an Fachhochschulen größer als an Universitäten. Eine Möglichkeit könne sein, die Arbeitszeit zu reduzieren, und in Teilzeit zu studieren. Das brauche dann aber in der Regel länger als drei Jahre.

Wer sein erstes Studium noch nicht abgeschlossen hat, aber schon weiß, dass er etwas anderes machen will, dem rät Röser, abzuwägen: Es könne sich lohnen, abzubrechen, um weniger Komplikationen beim zweiten Studium zu haben. Klappe es mit dem Zweitstudium nicht über die angebotenen Plätze an staatlichen Universitäten, seien private Hochschulen eine gute Alternative – dort gebe es weniger Zulassungsbegrenzungen.

Gabrielle Säuberlich, Beraterin für Akademiker bei der Bundesagentur für Arbeit, empfiehlt Studenten eine individuelle Beratung, bevor sie ein Zweitstudium angehen. Für Bachelorabsolventen gebe es zum Beispiel oft Masterstudiengänge, die zum angestrebten beruflichen Ziel passen. Auch eine Weiterbildung – ohne ein weiteres Master- oder Zweitstudium – könne sinnvoll sein. Viele Hochschulen bieten entsprechende Kurse wie etwa „BWL für Nicht-BWLer“ an.

Von RND/dpa

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