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Wissen Zum Kuckuck: So findet ein Vogel im Uhr­kasten zurück ins moderne Wohn­zimmer
Mehr Welt Wissen Zum Kuckuck: So findet ein Vogel im Uhr­kasten zurück ins moderne Wohn­zimmer
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13:11 16.10.2021
Sie ist eines der Dinge, die man am ehesten mit der deutschen Kultur verbindet: die Kuckucksuhr.
Sie ist eines der Dinge, die man am ehesten mit der deutschen Kultur verbindet: die Kuckucksuhr. Quelle: Getty Images/iStockphoto
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Sie ist eines der Dinge, die man am ehesten mit der deutschen Kultur verbindet, abgesehen von Leder­hosen, Bier und Sauer­kraut vielleicht. Die Kuckucks­uhr, das Wahrzeichen der Schwarzwald­region und lange Zeit Lieblings­souvenir von Touristen aus Übersee. Bei Einheimischen hatte die Kuckucks­uhr in der Vergangenheit einen weniger guten Ruf, galt sie doch als zu traditionell, zu verstaubt, zu barock in Sachen Innen­einrichtung. Das ändert sich gerade wieder – nicht zuletzt wegen zeitgemäßer Modelle.

Uhr­kasten bekommt nach Design­wettbewerb seine Form

Wer die Sache mit dem Vöglein im Uhren­kasten erfunden hat, ist nicht bekannt – fest steht nur, dass bereits Kur­fürst August von Sachsen Anfang des 17. Jahr­hunderts eine Uhr mit Kuckucks­ruf besaß. Dass ausgerechnet dieser Vogel in der Uhr wohnte, lag wohl an dem mit nur zwei Tönen recht leicht zu imitierenden Tier­laut. Die typische Form eines Schrägdach­häuschens entstand erst Mitte des 19. Jahr­hunderts infolge eines Design­wettbewerbs. Gewinner war der Architekt Friedrich Eisenlohr, der zahlreiche Bauten entlang der badischen Staatseisenbahn­route konstruiert hatte und eine Uhr in Form eines Bahnwärter­häuschens vorschlug.

Um 1860 kreierten Uhren­bauer im Schwarzwald die Gewichte in Tannenzapfen­form und fügten allerlei dreidimensionale Schnitzereien hinzu. Das Häuschen selbst bietet Platz für aufwendige Szenerien, sodass bei manchen Modellen nicht mehr nur ein Kuckuck ruft, sondern geschnitzte Waldtiere grasen, Miniatur­holzfäller Baum­stämme zersägen, in Tracht gekleidete Figuren tanzen oder eine gut gelaunte Kellnerin Wirtshaus­gästen ihre Bierkrüge bringt.

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DIY-Set zum Kuckucksuhr basteln

Dass die Kuckucksuhr viel Raum für Fantasie lässt, hat in der jüngsten Vergangenheit zu zahlreichen Neuinterpretationen des Traditions­objekts geführt. So begegnet der deutsche Künstler Stefan Strumbel Bauernstuben­kitsch mit knalligen Farben und Details wie Toten­köpfen oder Knochen. Muss man es nicht mögen und man kann es selbst vielleicht sogar noch besser machen: Mit einem DIY-Set für eine Papp­uhr. Das entspricht weder hoher Schnitz­kunst noch präzisem Uhrmacher­handwerk, lässt aber das Bastlerinnen- und Bastlerherz höherschlagen.

Überdies gibt es eine enorme Auswahl an modernen Kuckucksuhr­modellen auf dem Interieur­markt: einfarbige, geradlinige Kästen ohne Zifferblatt, dafür mit stilisiertem Kuckuck und einem kreis- statt zapfenförmigem Pendel sowie Modelle aus Glas und Plexiglas oder aus mattem Metall. Bei der quader­förmigen Uhr des italienischen Labels Progetti fristet der Vogel sein Dasein auf unechtem Moos, dank eines eingebauten Dunkel­sensors hat er zudem nachts strenges Zwitscher­verbot.

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Ein recht zeitgemäßes Werk steuert der Frankfurter Guido Zimmermann bei, der mit seiner Kunst immer wieder auf die Lebens­bedingungen in sozialen Brenn­punkten aufmerksam macht. So wandelte er die „Cuckoo Clock“ kurzerhand in einen „Cuckoo Block“ um. Der Piepmatz trägt ein Basecap und wohnt im Erdgeschoss eines Platten­baus.

Und der Künstler Michael Sowa, der vor allem für die Ausstattung des Films „Die fabelhafte Welt der Amélie“ bekannt ist, schießt im wahrsten Wortsinne den Vogel ab: Denn hier hört man (s)ein Schwein pfeifen, das zwischen 7 und 22 Uhr zu jeder vollen Stunde aus seinem Türchen kommt. Als Pendel dienen eine Gabel und zwei unechte Würstchen – kann man immerhin wieder als eine sehr deutsche Interpretation sehen.

Von Helene Kilb/RND

Der Artikel "Zum Kuckuck: So findet ein Vogel im Uhr­kasten zurück ins moderne Wohn­zimmer" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.