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Wissen Wunsch nach offener Beziehung – Ist das der Anfang vom Ende?
Mehr Welt Wissen Wunsch nach offener Beziehung – Ist das der Anfang vom Ende?
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14:34 26.01.2020
Wenn das Liebesleben in einer Beziehung eingeschlafen ist, kann der Wunsch nach einer offenen Beziehung entstehen, um frischen Wind ins Schlafzimmer zu bringen. Quelle: Sasin Tipchai/ Pixabay
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Daniel Kurzner ist 45 Jahre alt, verheiratet und zweifacher Familienvater. Der Projektmanager fiel aus allen Wolken, als seine Frau ihn um eine offene Beziehung bat.

Vor kurzem eröffnete mir meine Frau, dass sie gerne eine offene Beziehung mit mir führen würde. Ich solle sie nicht missverstehen – sie wolle weiter mit mir und den Kindern zusammen leben – aber ich solle ihr die Freiheit erlauben, ab und zu auch mit anderen Männern Sex zu haben. Sie meinte, sie vermisst dieses Prickeln, von jemanden völlig Fremden berührt zu werden und einen neuen Körper kennenzulernen. Mit uns sei es zwar auch ganz schön, aber irgendwie immer das Gleiche. Und das sei doch auch normal, dass der Sex bei so vielen Ehejahren und nach zwei Kindern ganz einfach langweilig werde oder völlig einschlafe.

„Ich war total schockiert von dem Wunsch meiner Frau“

Daniel Kurzner

Tatsächlich haben wir nur noch alle paar Monate Sex, weil wir oft viel zu müde sind oder auch die Lust fehlt.

Trotzdem war ich total schockiert von dem Wunsch meiner Frau. Das hätte ich ihr nie zugetraut. Und ich gebe zu, dass ich sofort dachte, dass sie sich in einen anderen verliebt hat. Aber meine Frau schwor mir – ‚Nein, Daniel. Ich möchte nur mal wieder frische Luft in unserem Schlafzimmer.‘ Denn sie glaubt, dass es auch für uns gut wäre, wenn wir neue Sexpartner ausprobieren. Da könnten wir uns auch für unser lahmes Liebesleben etwas Neues abgucken. Und wer weiß, vielleicht bekämen wir dann auch wieder diese Schmetterlinge im Bauch wie früher.

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„Ich befürchte, dass sie sich von mir trennt, wenn ich ihren Wunsch ablehne“

Der Meinung bin ich selbst leider überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Ich bin nach wie vor total schockiert, verwirrt und vor allem verletzt über den Vorschlag meiner Frau. Und ich befürchte, dass, wenn ich ihren Wunsch ablehne, sie sich von mir trennt. Aber meine Frau hat mir geschworen, dass sie bei mir und den Kindern bleiben möchte. Dass sie unsere wunderbare Freundschaft schätzt und das Zusammensein. Und dass sie diese Stabilität und Sicherheit mit mir braucht – ich sei ihr Fels in der Brandung.

Aber diese freundschaftlichen Gefühle befriedigten sie nicht sexuell. Sie wolle doch nur ab und zu jemanden treffen. Das habe mit Liebe nichts zu tun, nur mit purer Lust.

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Nicht der Typ für eine offene Beziehung?

Aber, wenn ich mir das schon vorstelle: Ich sitze zu Hause bei den Kindern und weiß, dass meine Frau sich jetzt mit einem Fremden im Stundenhotel trifft. Gruselig!

Und ehrlich gesagt habe ich selber null Bock auf eine Frau, in die ich nicht verliebt bin, nur um zu vögeln. Oder bin ich da vielleicht zu spießig und engstirnig? Ein guter Freund von mir meint – ja. Er hat mir auch vorgeschlagen, mit meiner Frau vielleicht zuerst einmal in einen Swingerclub zu gehen, um mit ihr gemeinsam neue sexuelle Erfahrungen zu machen – vielleicht bei einem Vierer mit Partnertausch. Aber bei dem bloßen Gedanken schüttelt es mich. Ich bin ganz offensichtlich nicht der Typ für eine offene Beziehung. Und für eine einseitig offene schon gar nicht.

Die psychologische Beraterin Ilona von Serényi berät Paare und Eheleute in ihrer Praxis in Bergisch Gladbach. Sie meint, dass „zu einer offenen Beziehung ein hohes Maß an Verbindlichkeit gehört“.

Viele monogame Beziehungen scheitern am Treueversprechen

Eine offene Beziehung ist für alle geeignet, die sich zwar Geborgenheit und Zweisamkeit wünschen, aber nicht ausschließlich monogam veranlagt sind und die sich in der Liebe nicht dauerhaft auf nur einen Partner festlegen möchten. Tatsächlich scheitern viele monogame Beziehungen daran, dass sich einer der Partner nicht an das Treueversprechen hält – und, dass ein vermeintlich „harmloser Seitensprung“ das Ende des Vertrauens und der Partnerschaft bedeuten.

Insofern argumentieren die Befürworter der offenen Beziehung, solche Trennungsgründe einfach auszuschließen, indem die Partner einander harmlose Seitensprünge oder anderer Liebesaktivitäten außerhalb der Beziehung ausdrücklich erlauben.

Exklusiver Kern bestimmt die Partnerschaft

Absolute Monogamie in der Liebe bringt hingegen mit sich, auch ganz alleine dafür verantwortlich zu sein, alle amourösen Wünsche und Bedürfnisse des Partners alleine zu befriedigen oder aber ihm zu verwehren, neue und überraschende Liebesabenteuer und Rauschzustände mit einem Fremden zu erleben. Es sei denn, der Partner schafft es, mit viel Engagement, Kreativität oder Hingabe, diese Bedürfnisse innerhalb der Beziehung zu erfüllen.

Beansprucht jedoch einer der Partner den anderen beim Sex nicht allein für sich, muss er sich deswegen noch lange nicht ersetzbar, austauschbar oder als zweite Wahl fühlen. Denn es sollte bei aller Offenheit der Beziehungsgrenzen einen exklusiven Kernbereich geben, der immer nur denselben beiden Personen offen steht.

Dieser gemeinsame Ort, an dem keine Zufallsbegegnungen möglich sind, definiert die Liebesgeschichte erst als Partnerschaft: So bestimmen sich zwei Menschen zu den Hauptfiguren in ihrer Partnerschaft.

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Emotionale Verbindlichkeit sorgt für Sicherheitsgefühl

Das bedeutet in offenen Beziehungen zwangsläufig, dass alle weiteren Beteiligten, die es unzweifelhaft geben wird, nur Nebenrollen spielen. Für Paare, die einander Flirts und unproblematische Sexabenteuer außerhalb der Beziehung gestatten oder gelegentlich einen Abend im Swingerclub genießen, lässt sich das in der Regel gut organisieren.

Ob eine offene Beziehung aber tatsächlich die Träume von erotischer Selbstverwirklichung erfüllen, von sexuellen Abenteuern und einem Leben voller Aufregung, Abwechslung und Erfüllung, das müssen die Partner erst herausfinden, indem sie es versuchen. Aber dafür sollten beide dem neuen „Beziehungsprojekt“ offen gegenüber stehen. Denn eine einseitige oder gar heimliche offene Beziehung bringt aus Erfahrung mehr Leid und Stress als Freude mit sich und ist langfristig zum Scheitern verurteilt.

Ehrlichkeit ist auch deshalb wichtig, weil eine offene Beziehung Regeln braucht, um zu funktionieren. Die bewusste Öffnung der Partnerschaft hat nichts mit lockeren Gefühlen und losen Bindungen zu tun, wie gängige Vorurteile suggerieren. Sie erfordert im Gegenteil ein hohes Maß an emotionaler und auch ausgesprochener Verbindlichkeit, damit sie trotz der offenen Grenzen das notwendige Sicherheits-, Exklusivitäts- und Geborgenheitsgefühl vermitteln kann.

Von Gitta Schröder/RND

Der Artikel "Wunsch nach offener Beziehung – Ist das der Anfang vom Ende?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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