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Wissen Wohin, wenn der Rettungswagen kommt?
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10:45 20.07.2009
Von Vivien-Marie Drews
Achtung Rettungswagen: Falsches Verhalten der Autofahrer kostet die Sanitäter täglich Zeit und Nerven. Quelle: Foto: Kris Finn
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Das beklagen die Rettungsassistenten der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Häufig bricht einfach nur Chaos aus“, sagt Oliver Fricke, Lehrrettungsassistent vom Ortsverband Hannover-Wasserturm. Der Verband hat seinen Stützpunkt im Kabelkamp in Brink-Hafen.

Fast jeder Einsatz führt die Rettungsassistenten über die Vahrenwalder Straße. Auf der mehrspurigen Fahrbahn könnten die Verkehrsteilnehmer problemlos die sogenannte Rettungsgasse bilden. „Aber die wenigsten wissen, in welche Richtung sie ausweichen sollen“, sagt Fricke. Viele Autos seien inzwischen sehr gut gegen Geräusche gedämmt und mit leistungsstarken Audioanlagen ausgestattet. „Mancher Fahrer bekommt gar nicht mit, dass wir schon längst hinter ihm stehen“, sagt Fricke. So müssen sich die Fahrer der Rettungswagen ihren Weg gekonnt durch die kreuz und quer stehenden Autos bahnen. Das kostet Zeit, die im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheiden kann.

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„Wenn ein Patient reanimiert werden muss, sinkt seine Überlebenschance mit jeder Minute um 20 Prozent“, sagt Oliver Bruse, Sprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe. Aber auch die Gefahr eines Unfalls während der Einsatzfahrt steigt erheblich. „Wir müssen immer damit rechnen, dass plötzlich jemand ausschert und vor den Wagen fährt“, sagt Fricke.

Gegenwärtig ist die Situation besonders prekär. In Höhe der Büttnerstraße wird derzeit gebaut. Die Vahrenwalder Straße ist dort auf eine Fahrspur verengt – ein verstopftes Nadelöhr, das die Rettungsassistenten täglich Zeit und Nerven kostet. „Die Autofahrer wissen offenbar nicht, dass sie in so einer Situation auch die Haltelinie vorsichtig überfahren dürfen, um Platz zu machen“, sagt Johanniter-Sprecher Bruse. Auch Radfahrer und Fußgänger erschweren den Rettern die Einsatzfahrten. „Viele haben nicht begriffen, dass auch sie anhalten müssen, um zu gucken, von wo der Wagen kommt“, sagt Fricke.

Gefährliche Bremsmanöver seien keine Seltenheit. Die Johanniter-Unfall-Hilfe bietet den Mitarbeitern inzwischen ein zusätzliches Fahrsicherheitstraining beim ADAC an. Die Rettungsassistenten sollen so gut wie möglich auf die Fahrt zu ihrem Einsatzort vorbereitet sein – und sie möglichst stressfrei überstehen. Denn am Ziel beginnt die Arbeit erst.

So bildet man eine Rettungsgasse

Die Regeln für eine Rettungsgasse sind eigentlich ganz einfach: Bei einspurigen Fahrbahnen weichen Verkehrsteilnehmer nach rechts aus. Auf Straßen mit zwei oder mehreren Fahrspuren wie etwa Autobahnen weichen die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links aus, die Fahrzeuge auf den übrigen Spuren nach rechts. Die Rettungsgasse entsteht so zwischen der linken und der rechten beziehungsweise mittleren Spur. Wenn sich ein Rettungswagen nähert, darf ein Fahrzeug, das vor einer Ampel steht, die Haltelinie vorsichtig überqueren und in die Kreuzung ausweichen. Auch Fußgänger und Radfahrer müssen anhalten und die Fahrzeuge passieren lassen. Wichtig: Gerade auf Autobahnen folgen dem ersten Rettungswagen häufig noch weitere Einsatzfahrzeuge.