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Wissen Wie groß ist die Bedrohung durch Asteroiden?
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18:22 18.09.2009
Der Komet Tempel 1
Der Komet Tempel 1 Quelle: Handout/Archiv
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„Irgendwann wird es definitiv wieder heißen: Oh, da kommt was auf uns zu“, sagt Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Berlin: „Die Erde hatte in ihrer Geschichte viele Kollisionen mit Asteroiden. Und das wird auch immer so bleiben.“ Bezogen auf ein Menschenleben ist die Häufigkeit katastrophaler Einschläge allerdings gering. Das letzte große Ereignis, das Experten einem Asteroiden zuschreiben, war die so genannte Tunguska-Explosion, die 1908 Sibirien erschütterte. Eine Fläche so groß wie das Saarland wurde dabei verwüstet. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern hatte die Asteroiden-Explosion damit eine Stärke von etwa 1150 Hiroshima-Bomben - jedoch selbstverständlich ohne radioaktiven Fallout. „Man muss sich mal vorstellen, das wäre nicht im dünn besiedelten Sibirien, sondern beispielsweise in Mitteleuropa passiert“, betont Harris.

Das Sonnensystem ist voll von Asteroiden, die auf ihrer Bahn um die Sonne auch der Erde nahe kommen. Häufig schrammen sie sogar nur ganz knapp an ihr vorbei. Mit modernen Ortungsverfahren entdecken Astronomen immer mehr dieser erdnahen Asteroiden und berechnen ihre Bahn voraus. Im Jahre 2029 wird beispielsweise der 270 Meter große Asteroid Apophis die Erde passieren. Nach bisherigen Berechnungen wird er mit einem Abstand von nur etwa dem dreifachen Erddurchmessers an der Erde vorbeisausen. „Im besten Fall können Wissenschaftler einen gefährlichen Asteroiden schon Jahrzehnte vor seiner Kollision mit der Erde identifizieren“, sagt Harris. Damit bekommt die Menschheit eine reelle Chance, den Einschlag einer solchen kosmischen Bombe abzuwehren.

Den großen Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen steht der Mensch hilflos gegenüber. „Der Einschlag eines Asteroiden lässt sich dagegen mit bereits vorhandenen Technologien vermeiden“, sagt Harris. Ein Asteroid von über 100 Metern Durchmesser hätte bereits katastrophale Folgen. Gibt es allerdings eine ausreichende Vorwarnzeit, könnte beispielsweise ein gezielter Beschuss den Himmelskörper von seinem Kollisionskurs abbringen. Bereits eine Sonde von etwa 500 Kilogramm Gewicht könnte durch hohe Geschwindigkeit beim Aufprall den Asteroiden aus seiner verhängnisvollen Bahn schubsen. Alan Harris sieht die Lage so: „Es gibt durchaus Verteidigungsmöglichkeiten, also sollte die Menschheit auch Pläne für den Ernstfall parat haben.“

ddp