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15:16 06.08.2019
Es muss nicht immer das Meeting sein, das uns zum Gähnen bringt: Familienmitglieder schaffen das noch viel eher.

Einer fängt an, der nächste macht direkt mit: Gähnen ist ansteckend. Auch wenn man gar nicht müde ist, kann man sich kaum gegen das mitgähnen wehren. Aber warum eigentlich?

Wissenschaftler wissen: Das Ganze hat etwas mit unserer Fähigkeit zur Empathie zu tun. Und: Wie schnell wir uns anstecken lassen, hängt davon ab, wie gut wir den “Gähner” kennen. So untersuchten die italienischen Wissenschaftler Ivan Norscia und Elisabetta Palagi von der Universität Pisa 2011 das Phänomen des Gähnens. Sie fanden heraus: Je emotionaler die Beziehung zu einem Menschen ist, desto ansteckender ist sein Gähnen.

480 mal gegähnt - für die Wissenschaft

Für die Verhaltensstudie untersuchten die Forscher über ein Jahr lang 149 Probanden. Die Männer und Frauen aus Europa, Nordamerika, Asien und Afrika wurden dabei in Alltagssituationen wie beispielsweise beim Essen, aber auch bei der Arbeit beobachtet. Das Forscherteam vermerkte dabei, ob eine anwesende Person die Probanden zum Gähnen ansteckte, wie häufig die Testpersonen gähnten und wie viel Zeit verstrich, bis sie zum Gähnen ansetzten. So wurden insgesamt 480 “Gähner” gesammelt und ausgewertet.

Video: Warum Gähnen ansteckend ist

Wer sich anstecken lässt, ist empathisch

Das Ergebnis: Das Gähnen von Verwandten steckte am ehesten an, dann das von Freunden, daraufhin das von Bekannten und am wenigsten ansteckend war das Gähnen von Fremden. Genau diese Abstufungen sind typisch für die Empathie - die Fähigkeit, Gefühle eines anderen mitzuempfinden. Die empathische Bindung ist somit eng mit der Nachahmung des Gähnens verbunden. Damit kommen die Wissenschaftler zu der These: Wer sich vom Gähnen anstecken lässt, zeigt Empathie.

“Wenn andere gähnende Personen wahrgenommen werden, wird ein komplexes Netzwerk von Gehirnregionen aktiviert, das mit motorischer Nachahmung, sozialem Verhalten und Empathie zusammenhängt”, erklären die Wissenschaftler. Durch das Spiegeln von Handlungen wird also Empathie ausgedrückt. Kleinkinder müssen diese noch entwickeln, weshalb sie erst mit vier Jahren das Gähnen spiegeln. Menschen mit Autismus, die wenig Empathie aufbauen können, lassen sich demnach weniger bis gar nicht zum Gähnen anstecken.

Die Forscher fanden ebenfalls heraus, dass Herkunft und Geschlecht keine Rolle spielten - wir werden alle gleich angesteckt. Das ansteckende Gähnen wurde auch bei Affen festgestellt. Hier dient die Spiegelung wahrscheinlich dazu, Aktivitäten innerhalb eines Gruppenverbandes zu synchronisieren, was Zugehörigkeit ausdrückt.

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RND/ame

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