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14:14 12.04.2019
Geizige Menschen sehen oft nicht ein, warum sie für schöne Dinge viel Geld ausgeben sollen. Fühlt der Partner sich dann eingeschränkt, kann das die Beziehung belasten. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn
Lahnstein

Ob „Der Geizige“ von Molière, Ebenezer Scrooge aus der „Weihnachtsgeschichte“ oder bei Disneys Dagobert Duck: Geizhälse spielen in der Literatur eine herausragende Rolle – und in ihrem häufig überzeichneten Verhalten steckt ein wahrer Kern.

Charakterzüge geiziger Menschen

Anton Bucher ist Professor für Religionspädagogik an der Universität Salzburg und hat ein Buch über die Psychologie der sieben Todsünden verfasst, zu denen unter anderem Geiz zählt: „Geizige sind vielfach eher traurig und einsam.“ Zudem seien extrem sparsame Menschen sehr auf sich selbst fixiert. Tatsächlich kann sich daraus Experten zufolge sogar eine Art Sucht entwickeln.

Auswirkung auf Beziehungen

Häufig würden sehr sparsame Menschen nicht einsehen, warum sie für schöne Dinge, die ihnen Genuss bieten, viel Geld ausgeben sollen, ergänzt Paartherapeut Jörg Wesner. Nicht nur das: Unser Umgang mit Geld spiegelt ferner unser Verhalten in Gefühlsdingen wider – uns selbst und anderen gegenüber. Kein Wunder also, dass Geiz einer der größten Beziehungskiller ist. Gerade für Frauen ist Habsucht ein No-Go, hat die Umfrage einer Partnervermittlungsagentur ergeben.

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Woher kommt der Geiz?

Wie geizig ein Mensch ist, könnte Experten zufolge mit der Kindheit zusammenhängen – denn den Umgang mit Geld lernen wir von unseren Eltern. Gibt es zum Beispiel häufig Geschenke ohne Anlass? „In manchen Familien wird Geld nie thematisiert, weil immer genug da ist“, gibt Wesner zu Bedenken. Andere müssen einfach sparsam sein, um zu überleben.

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Lässt sich Geiz wieder abtrainieren?

Es kann Ereignisse im Leben geben, die das Verhalten ändern. Grenzerfahrungen wie etwa eine schlimme Krankheit ließen soziale Werte wichtiger werden – und das verschiebt die Prioritäten.

Für eine Beziehung heißt das: Treffen unterschiedlich sozialisierte Menschen aufeinander, werden sie das Thema Geld sehr emotional verhandeln. „Einer bekommt Angst beim Geldausgeben, der andere wird sich eingeschränkt fühlen“, weiß Wesner. In so einem Fall sei es wichtig, sich der eigenen Sozialisation bewusst zu werden. Beide Partner sollten sich dann überlegen, wie sie gerne mit Geld umgingen, wären sie alleine.

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Die Lösung: Kompromisse eingehen

Anschließend erarbeitet das Paar einen für beide praktikablen Lösungsvorschlag. „Nur so kommt man aus dem Machtkampf raus“, sagt Wesner. Beispielsweise könne derjenige, der Wert auf Ästhetik lege, die Einrichtung bezahlen, der andere die Urlaube.

Manchmal bedarf es allerdings strikteren Regeln: Ein gemeinsames sowie ein jeweils eigenes Konto können da helfen. Falls einer nicht in Vollzeit arbeitet, müsse dafür eine Ausgleichszahlung festgelegt werden. Selbst kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten würden so ausgehandelt. Außerdem könne man im Restaurant abwechselnd zahlen.

Verständnis statt Intoleranz

Bei allen Verhandlungen sei es wichtig, sich in den anderen hineinzuversetzen, rät der Professor und Autor Bucher, und nicht belehren zu wollen. Schon der Begriff Geizkragen sei eine Entwertung. „Auch wenn einem der eigene Umgang mit Geld natürlicher erscheint, gilt es, die Einstellung des anderen zu würdigen und wertzuschätzen“, ergänzt Diplom-Psychologe Wesner. Sparsamkeit sei genauso wichtig wie Großzügigkeit.

In Beziehungen eigene Prioritäten setzen

Aber Vorsicht vor faulen Kompromissen. „Manche Partner behaupten, sich einig zu sein, sind dabei aber nicht ehrlich“, sagt Wesner. Die bessere Hälfte könnte dann übertrieben und demonstrativ großzügig werden, um den anderen zu übertrumpfen. Dann sollte man unbedingt noch einmal über das Thema sprechen.

Niemand muss jedoch sein Glück allein vom Partner abhängig machen. „Wenn der andere sich zum Beispiel gar nicht darauf einlassen kann, zu feiern, ist man besser dran, mit Freunden oder alleine wegzugehen“, macht Wesner deutlich.

Von RND / dpa / Jessica Orlowicz

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