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Wissen WWF-Expertin: Die Lage für unsere Waldtiere ist dramatisch
Mehr Welt Wissen WWF-Expertin: Die Lage für unsere Waldtiere ist dramatisch
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17:41 13.08.2019
Wie verheerend menschliche Eingriffe in die Natur seien können, zeigt sich beim Archey-Frosch. Die Population war auf der neuseeländischen Halbinsel Coromandel zwischen 1996 und 2001 um 80 Prozent geschrumpft.
Berlin

Laut der Studie des Umweltverbands WWF sind die Bestände der im Wald lebenden Tiere im Schnitt um 53 Prozent zurückgegangen. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF nennt die Ursachen und erklärt, was jetzt getan werden muss.

Frau Winter, laut der aktuellen Studie Ihres Verbands sind die Tierbestände in den Wäldern weltweit um die Hälfte geschrumpft. Haben Sie mit dem Ergebnis gerechnet?

Sagen wir mal so: Wir hatten gehofft, dass es anders ist. Es gibt ja nicht nur den Raubbau an den Wäldern, es gibt auch inzwischen einige internationale Abkommen und Schutzmaßnahmen zur Rettung der Wälder und dessen Bewohner. Es fällt ja nicht nur Wald weg, es kommt auch welcher hinzu. Es gibt also durchaus positive Entwicklungen für bestimmte Tierarten, aber insgesamt ist die Entwicklung dramatisch.

Warum ist das so?

Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Im Santa Rosa Nationalpark im Nordwesten Costa Ricas hat man etwa die Waldfläche, die dem Farmland zum Opfer gefallen ist, wieder aufgeforstet. Dort gibt es also jetzt eine Mischung aus altem und jungem Waldbestand. Das hat dazu geführt, dass es dort wieder mehr Kapuzineraffen gibt. Für die Brüllaffen hat das aber wenig gebracht, die brauchen einen reiferen Wald, der mindestens 60 Jahre alt ist. Für die Klammeraffen, die dort leben, ist sogar ein Waldbestand von 100 bis 200 Jahren lebensnotwendig.

Das heißt, es bringt für viele Arten nichts, neue Bäume zu pflanzen?

Genau. Beim Monitoring etwa mittels Satelliten sieht man dann zwar eine tolle Baumbedeckung. Augenscheinlich intakte Waldflächen gehen aber nicht automatisch einher mit einer reichhaltigen Tierwelt. In manchen Regionen, insbesondere in Zentralafrika, haben wir es mit dem sogenannten „empty forest syndrome“ zu tun – auf den ersten Blick intakte Wälder, in denen aber kaum noch Tiere leben. Daher bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes, der über den reinen Waldschutz im Sinne von Baumbedeckung und Aufforstung hinausgeht.

Was sind denn die Hauptursachen für den Artenschwund im Wald?

Mehr als ein Drittel des Artenschwunds in den Wäldern führt unsere Studie auf den Verlust des Baumbestands zurück. Maßgeblich dafür ist die Abholzung zugunsten von Landwirtschaft. Dabei geht es nicht zuvorderst um den Bedarf vor Ort. Zum größten Teil dienen die Flächen für den Anbau von Soja-Pflanzen, die wiederum für die Massentierhaltung in Länder wie Deutschland importiert werden. Zudem hat ein Viertel des Waldes so viel an Qualität verloren, dass bestimmte Tiere dort keine Lebensgrundlage mehr vorfinden. Waldtiere sind noch weiteren Bedrohungen ausgesetzt, dazu zählen Wilderei, Klimawandel, Krankheiten oder invasive Arten, die die ursprünglichen Bewohner verdrängen.

Die Studie beschreibt auch das umgekehrte Problem: Gibt es weniger Tiere im Wald, gefährdet das auch den Baumbestand. Was heißt das konkret?

Wälder sind auf eine intakte Tierwelt angewiesen, die für sie lebenswichtige Funktionen erfüllt, zum Beispiel das Bestäuben und Verbreiten von Baumsamen. Ohne Tiere sinkt auch die Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff zu speichern. Gerade die für den Klimaschutz wichtigen Baumarten, die viel Kohlenstoff speichern, drohen ohne Tiere verloren zu gehen.

Was muss getan werden, um das Sterben in den Wäldern zu stoppen?

Wir müssen ein riesiges Bewusstsein hinbekommen, dass Naturwälder nicht abgeholzt werden dürfen. Hierzulande wird etwa viel zu wenig gegen den illegalen Holzhandel getan. Ein einfaches Beispiel ist unsere Grillkohle, da steckt oft noch bis zu 40 Prozent Tropenholz drin. Das sind politische Entscheidungen, darauf müssen wir hinwirken. Es ist auch wichtig, dass sich jeder Verbraucher fragt, was in den Produkten steckt, die er kauft. Das gilt für die Grillkohle ebenso wie für Fleisch aus der Massentierhaltung, für die auf der anderen Seite der Erde das Futter wächst - auf monoton bewirtschafteten Flächen, die einst riesige artenreiche Waldflächen waren.

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