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Wissen WWF: Deutschland trägt Mitschuld an globaler Wassernot
Mehr Welt Wissen WWF: Deutschland trägt Mitschuld an globaler Wassernot
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18:03 03.08.2009
Der jährliche Wasserbedarf Deutschlands umfasst 160 Milliarden Kubikmetern. Quelle: Franz Fender (Archiv)
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Das teilte die Umweltorganisation WWF am Montag in Frankfurt am Main mit. Jeder Deutsche verbrauche somit pro Tag knapp 5300 Liter Wasser, etwa 25 Badewannenfüllungen.

Die Studie berücksichtige nicht nur das Wasser, das direkt etwa beim Händewaschen, Spülen oder Duschen verbraucht werde, teilte der WWF mit. Auch enthalten sei die Menge an Flüssigkeit, die für die Produktion von Gütern des Alltags über den gesamten Herstellungsprozess hinweg benötigt werde. Der WWF bezeichnet dies als den „Wasser-Fußabdruck“, den Deutschland durch seinen Konsum hinterlasse. Der direkte tägliche Wasserverbrauch pro Kopf falle mit 124 Litern deutlich kleiner aus. In den vergangenen beiden Jahrzehnten sei dieser sogar um 20 Liter gesunken.

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Die 160 Milliarden Kubikmeter tatsächlicher Jahreswasserverbrauch der Deutschen entsprächen dem dreifachen Volumen des Bodensees, teilte der WWF mit. Mit einem Anteil von drei knapp Vierteln des Gesamtverbrauchs beanspruche die Landwirtschaft am meisten Wasser. Etwas weniger als ein Viertel gehe auf das Konto der Industrie. Rund drei Prozent würden direkt von den Haushalten verbraucht.

Das Wasser wird den Angaben zufolge hauptsächlich in Trocken- und Dürregebieten wie etwa in Spanien, der Türkei und afrikanischen Ländern verbraucht. An der Spitze der Länder stehe Brasilien, teilte der WWF mit. Aus dem südamerikanischen Schwellenland würden jährlich fast sechs Milliarden Kubikmeter importiert, vor allem in Form landwirtschaftlicher Güter wie Kaffee, Soja als Tierfutter oder Fleisch. Beim Handel mit der Türkei und Spanien fallen demnach etwa für Baumwolle oder Obst knapp zwei Milliarden Kubikmeter an.

Der größte Anteil des für nach Deutschland importierte Pflanzen eingesetzten Wassers stecke in Kaffee, Kakao, Ölsaaten, Baumwolle und Soja, teilte der WWF mit. Zu den in Bezug auf den Wasserverbrauch wichtigsten eingeführten Tierprodukten gehören Fleisch von Schweinen, Rindern und Geflügel sowie Milch.

„Wasserverbrauch ist nichts schlechtes, sondern ein natürlicher Vorgang“, erklärte WWF-Wasserexperte Martin Geiger. Es komme jedoch darauf an, wo in der Welt wieviel Wasser zu welchen Zeitpunkt aus der Natur entnommen werde. Industrie und insbesondere die Landwirtschaft müssten die Ressource verantwortungsvoller und effizienter nutzen. Die Politik sei gefordert, den nötigen Rahmen zu setzen. Deutschland sei hier „in der Pflicht“, erklärte der WWF. Die sozialen und ökologischen Folgen des deutschen Wasser-Fußabdrucks müssten verringert werden.

AFP