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Wissen Vorträge halten: Warum Powerpoint abgeschafft werden sollte
Mehr Welt Wissen Vorträge halten: Warum Powerpoint abgeschafft werden sollte
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10:46 06.08.2019
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch – Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt“ (Mosaik, 2018). Quelle: RND / Patan
Hamburg

Wann hat Sie zuletzt eine Präsentation vom Hocker gerissen? Ich wette, Sie müssen ziemlich lange darüber nachdenken. Und wann sind Ihnen zuletzt bei einer Präsentation die Augen zugefallen? Ich wette, Ihnen fallen da sofort etliche Situationen ein, sofern Sie beruflich mit Präsentationen zu tun haben. Das beste Schlafmittel der Welt wird in Kongresshallen und an Konferenztischen verabreicht, sobald jemand zu einem Vortrag ausholt. Es legt die Gedanken lahm, macht den Saal zum Schlafsaal – und sogar lebendige Gesichter zu Masken. Sein Name ist: Powerpoint.

Eine Technik aus der Computer-Steinzeit

In der Computer-Steinzeit mag diese Präsentationstechnik die Zuhörer noch überrascht haben wie die Eingeborenen ein großer Vogel namens Flugzeug. Doch heute fällt Powerpoint unter das Betäubungsmittel-Gesetz, zumindest so, wie es die meisten einsetzen.

Denn: Powerpoint ist zur Krücke für Redner geworden, die sich ihren Text nicht merken können. Satz für Satz hangeln sie sich an ihren Folien entlang und bleiben dabei so blass, dass ihre bunte Präsentation interessanter wirkt – für 30 Sekunden, bis die ersten Zuhörer schnarchen.

Oberstes Gebot: Leben in den Raum bringen

Die zentrale Frage lautet: Was tut ein guter Redner? Er bringt Leben in den Raum, und er überrascht sein Publikum. Er nutzt die Tatsache, dass alle Augen auf ihn gerichtet sind, um Ansehen zu gewinnen. Er verkörpert seine Botschaften von Kopf bis Fuß, untermalt sie durch Gesten. Und seine Worte schöpft er aus sich selbst, statt sie abzulesen.

Was tut ein Mr. Powerpoint? Er hält, im wahrsten Sinne, einen erschöpfenden Vortrag. Er hat mehr Folien als Verstand und serviert genau das, was das Publikum befürchtet hat: einen trockenen Faktensalat. Statistik reiht sich an Statistik, Merksatz an Merksatz. Und wenn es doch einmal lebendig wird, dann durch Elemente von außen, nicht durch den Redner an sich. Statt seine Zuhörer mitzureißen, statt sie mit Emotionen zu packen, tritt er als Folienvorleser auf. Das erinnert an hilflose Politikerreden, bei denen man das Manuskriptpapier knistern und die Ghostwriter-Vokabeln auf den Zungen haken hört.

Manche Vorträge grenzen an Körperverletzung

Solche Vorträge grenzen an Körperverletzung. So lässt sich niemand für eine Sache gewinnen, ja nicht einmal darüber informieren. Der Magnet, an dem neues Wissen hängen bleibt, ist das Interesse der Zuhörer. Und das will geweckt sein, nicht eingeschläfert.

Heute fällt Powerpoint unter das Betäubungsmittel­gesetz. Es ist zur Krücke für Redner ­geworden, die sich ihren Text nicht merken­ können.

Martin Wehrle

Sie stehen im Mittelpunkt!

Versuchen Sie doch einfach mal wieder einen folienfreien Vortrag. Stellen Sie sich in den Mittelpunkt, nicht die Technik. Antworten Sie einfach auf Fragen, die im Raum stehen. Gestikulieren Sie, provozieren Sie, flüstern Sie, knurren Sie, tanzen Sie, jonglieren Sie Gegenstände. Kurz gesagt: Seien Sie einfach ein Mensch unter Menschen, ein lebendiges Wesen.

Ziehen Sie das Publikum in Ihren Vortrag: Lassen Sie sich Handzeichen geben, wer eine bestimmte Erfahrung gemacht hat oder eine These unterschreiben würde. Lassen Sie sich Argumente und Gegenargumente zurufen. Holen Sie Ihre Zuhörer aus der Passivität und machen Sie Beteiligte aus ihnen. Schon steigt das innerliche Engagement, Ihr Vortrag bekommt dadurch einen spontanen und individuellen Charakter. Schon passiert das Wesentliche nicht mehr an der Leinwand, sondern im Raum selbst.

Nur Emotionen wecken Emotionen

Wer Emotionen wecken will, muss Emotionen zeigen. Wer Ansehen gewinnen will, muss selbst von vielen Augen angesehen werden, statt nur seine Folien. Auf diese Weise können Sie Ihr Publikum überraschen, mitreißen und wach halten.

Denn es gilt: Power ja – aber bitte vom Redner!

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Von Martin Wehrle/RND

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