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Wissen Vorsicht Nichtschwimmer: Das Kraulen will gelernt sein
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07:00 28.06.2019
Schwimmen ist gesund – sollte aber auch gelernt sein. Quelle: unsplash
Hannover

Die Formel klingt einfach: Mit Auftrieb, um nicht zu ertrinken, und Vortrieb, um von der Stelle zu kommen, sollte es leicht klappen. Also ab ins nasse Element – schwimmen ist gar nicht so schwer! Oder doch? Die Zahlen zumindest stimmen nachdenklich: Mehr als die Hälfte der Zehnjährigen in Deutschland kann nicht richtig schwimmen, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigt. Und laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 sagt auch etwa jeder zweite Erwachsene von sich, Nichtschwimmer oder schlechter Schwimmer zu sein. Als sicherer Schwimmer gilt laut Schwimmsportverbänden und Kultusministerkonferenz, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens Bronze (Freischwimmer) erfüllen kann.

Jugendschwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer) – Das sind die Anforderungen

• Sprung vom Beckenrand und mindestens 200 Meter schwimmen in höchstens 15 Minuten

• einmal circa zwei Meter tief tauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen eines Gegenstandes

• Sprung aus einem Meter Höhe oder Startsprung

• Kenntnis der Baderegeln

Deutschland: Ein Nichtschwimmer-Land?

„Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Nichtschwimmerland“, sagt Achim Wiese mit Blick auf die Studien. Der DLRG-Sprecher nennt dafür verschiedene Gründe: „Schwimmen gehört zwar zum Schulsport, doch 25 Prozent der Grundschulen haben keinen unkomplizierten Zugang zu einem Schwimmbad“, kritisiert Wiese. „Das liegt auch daran, dass immer mehr Hallen schließen und neu entstehende Spaßbäder zum Schwimmenlernen nicht geeignet sind.“ Einen weiteren Grund für die Nichtschwimmerquote sieht der DLRG-Sprecher in der Ausbildung der Grundschullehrer. „Sie tragen beim Schulsport die Verantwortung und sind oft nicht zu Rettungsschwimmern ausgebildet.“ Das Schwimmenlernen werde deshalb oft vom Lehrplan gestrichen. „Ein gefährlicher Trend“, findet Wiese, „der sich auch in der Statistik zeigt. 2018 hat es 504 Todesfälle durch Ertrinken gegeben. Das ist ein Anstieg zum Vorjahr um knapp 25 Prozent.“ Auch viele Zuwanderer könnten nicht schwimmen und seien deshalb eine Risikogruppe, die die Schwimmmeister besonders im Auge haben sollten. „Auch hier gibt es ein Problem: Es gibt immer weniger Jugendliche, die diesen Beruf erlernen wollen“, sagt Wiese. Ein Grund dafür sei der geringe Verdienst.

Übrigens: Wer als Erwachsener das Schwimmen lernen oder seine Schwimmfähigkeit verbessern will, für den bieten viele Schwimmbäder und Verbände Erwachsenenschwimmkurse an.

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Schwimmen: Perfektes Training für Gesundheit und Ausdauer

Die gezielte Bewegung im Wasser trainiert alle Muskeln, stärkt das Immunsystem und senkt den Blutdruck. Dabei verbrennen so viele Kalorien wie kaum in einer anderen Sportart. Besonders für Menschen, die unter starkem Übergewicht leiden, ist das Schwimmen ideal, denn anders als zum Beispiel beim Joggen werden bei gleichmäßigen Bewegungen im Wasser die Gelenke geschont. Der Körper wird zum großen Teil vom Wasser getragen, sodass Übergewicht während der Bewegung nicht auf den Gelenken lastet. Daher ist der Sport auch für Menschen mit Rückenschmerzen oder Arthrose geeignet. Empfehlenswert ist das Schwimmen auch für ältere Menschen mit Verschleißerkrankungen in den Gelenken, die aus Vorsicht oft nur selten Sport treiben. Im Wasser sind diese Einschränkungen weitgehend zu vernachlässigen: Denn Wasser hat eine etwa tausendmal größere Dichte als Luft. Im Schwimmbecken kämpft man somit gegen einen viel größeren Widerstand, die Bewegungen sind langsamer, aber kraftvoller als an Land. Die Muskeln werden so gestärkt, gleichzeitig wird das Verletzungsrisiko reduziert. Wer allerdings glaubt, dass Schwimmen nicht anstrengend sei, irrt sich. Denn auch hier kommt es auf die richtige Technik an: Ein Klassiker ist das Brustschwimmen – hier sollte man darauf achten, dass man nicht zu stark ins Hohlkreuz fällt. Entlastend für Nacken und Rücken ist das Rückenschwimmen. Beim Kraulen ist eine hohe Anforderung an Kraft, Koordination und Ausdauer gefragt, ebenso beim Delfinstil.

Zum Thema: Baderegeln beachten: So werden Unfälle vermieden

Schwimmen: Mit den richtigen Techniken zum Erfolg

Die bekanntesten Techniken sind Brust-, Kraul-, Rücken- und Delfinschwimmen. Für den Rücken: Rückenschwimmen entspannt durch die lang gestreckte Körperhaltung die Rückenmuskulatur. Auch die Atmung ist entspannt, da das Gesicht die ganze Zeit über Wasser ist. Muskelkraft: Untrainierte stärken durch das Schwimmen die Muskeln in Armen und Schultern, im Rücken und der Brust. Auch Herz und Kreislauf werden trainiert. Badekappe: Im Freibad, in Seen oder im Meer ist das ratsam. Denn über den Kopf verliert der Körper viel Wärme – und damit Energie. Eine Kappe aus Silikon isoliert besonders gut. Wassertemperatur: Für die Muskeln ist das 25 bis 28 Grad warme Wasser in der Halle besser als die etwa 22 Grad im Freibad. Im warmen Wasser werden sie besser durchblutet, und es kommt seltener zu Krämpfen. Trainingspuls: 120 bis 140 Schläge pro Minute sind ein Durchschnittswert. Experten empfehlen für Schwimmer ab 40 Jahren: 180 minus Lebensalter gleich optimaler Trainingspuls.

Sicherheit beim Baden: Baderegeln beachten

Was wäre ein heißer Sommertag ohne die Abkühlung in einem Freibad oder Baggersee? Doch bestimmte Verhaltensregeln sollten beim Schwimmen eingehalten werden, damit der Spaß im Wasser ungetrübt bleibt.

Experten raten: Das Schwimmabzeichen Bronze sollte auf jeden Fall gemacht werden. Quelle: Handout

1. Springen Sie nicht vom Ufer oder von einer Brücke in unbekannte Gewässer! Schnell kann es passieren, dass man eine seichte Stelle oder sogar einen großen Stein erwischt und mit dem Kopf aufschlägt.

2. Überschätzen Sie sich nicht beim Schwimmen im Freien: Wer durch den ganzen Baggersee schwimmen will, der sollte sicher sein, dass die Ausdauer reicht.

3. Schwimmen Sie nicht in Flüssen, auf denen große Schiffe fahren. Auch wenn das Wasser an den Ufern noch so seicht aussieht, kann es starke Strömungen geben.

4. Schwimmen Sie bei Gewitter nicht im Freien – das ist lebensgefährlich. Denn der Kopf ragt aus dem Wasser heraus und ist für den Blitz damit der höchste Punkt.

5. Springen Sie auf keinen Fall an heißen Tagen ins kalte Wasser! Dadurch kann der Kreislauf komplett zusammenbrechen, und es kann schlimmstenfalls zu einem Herzstillstand kommen.

6. Aufblasbare Schwimmhilfen bieten keine Sicherheit im Wasser.

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Von RND / Katrin Schreiter

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