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19:53 25.11.2012
Die Präsidentin des Vertriebenenbundes, Erika Steinbach, hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Quelle: dpa
München

Der Bund der Vertriebenen wurde laut neuen Untersuchungen in seiner Gründungszeit im Wesentlichen von Nationalsozialisten angeführt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Zeitgeschichte hervor, die an diesem Montag in München vorgestellt werden soll. Demnach waren 8 von 13 Mitgliedern des ersten, 1958 konstituierten Verbandspräsidiums Mitglieder der NSDAP gewesen. Zum Vergleich: Der Anteil der Parteiangehörigen an der deutschen Bevölkerung betrug laut Studie bei Kriegsende 1945 nur rund zehn Prozent. Die Präsidentin des Vertriebenenbundes, Erika Steinbach, hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben.

Auch von den fünf übrigen, die Adolf Hitlers Partei nicht angehörten, könnten nur zwei „als dezidierte Nicht-Nationalsozialisten“ eingestuft werden. Das schreibt der Autor Michael Schwartz in seinem Buch „Funktionäre mit Vergangenheit“, das die Ergebnisse der vom Bundesinnenministerium geförderten Studie zusammenfasst. Die anderen drei Nicht-Parteigenossen hätten „starke politische Affinitäten zum Nationalsozialismus“ aufgewiesen.

Zwei Präsidiumsmitglieder stuft die Studie als „schwer belastet“ ein. Das sind Alfred Gille, Gebietskommissar der deutschen Besatzungsverwaltung in der Ukraine und in Weißrussland, sowie Erich Schellhaus. Letzterer war während der NS-Zeit Bürgermeister und sei außerdem „sehr wahrscheinlich“ an der „NS-spezifischen Partisanenkriegführung in Weißrussland“ beteiligt gewesen. Diese Beteiligung könne auch in „die Beteiligung an Massenmorden an jüdischen Bevölkerungsgruppen gemündet“ sein.

Als „vollkommen unbelastet“ bezeichnet die Studie nur zwei Mitglieder des ersten BdV-Präsidiums: Linus Kather und den Sozialdemokraten Wenzel Jaksch, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Ausgerechnet Jaksch habe den Vertriebenenbund besonders geprägt, teilte Steinbach mit.

Die Präsidentin des Vertriebenenbundes nannte die Ergebnisse der Studie „wenig überraschend“. Sie selbst hatte die Untersuchung 2007 in Auftrag gegeben, nachdem der „Spiegel“ über die Nazi-Vergangenheit vieler Verbandsfunktionäre berichtet hatte. „Ein Millionenheer an Entwurzelten versuchte verzweifelt, wieder Grund unter die Füße zu kriegen. Organisationsstrukturen dafür gab es nicht“, sagte sie. „So ist erklärlich, dass es Männer mit zuvor gesammelter organisatorischer Erfahrung waren, die das Heft in die Hand nahmen.“ Die erste Verbandsspitze habe sich aber „ganz offenkundig“ für die Demokratie engagiert.

Das Institut für Zeitgeschichte nannte die Tatsache, dass Männer mit einer solchen Nazi-Vergangenheit auch nach dem Krieg weiter hochrangige Ämter bekleiden durften, „ein Beispiel für die problematische Elitenkontinuität in der jungen Bundesrepublik“.

dpa

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