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Wissen Urlaub auf dem Teller – schmeckt das?
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12:53 04.09.2019
Grandiose Delikatessen, die aus dem letzten Urlaub mitgebracht worden sind, schmecken in den eigenen vier Wänden oder auf dem heimischen Balkon meist nur halb so gut. Quelle: Mitch Meyers

Souverän geshoppte Souvenirs verstauben schnell auf Fensterbänken und erinnern nach wenigen Wochen eher an den nötigen Hausputz als an die schönen Tage am Gardasee. Sehnsüchtig geschossene Selfies verschwinden alsbald irgendwo in Handyspeichern und Social-Media-Timelines. Und auch ein eher praktisch zu verstehender Versuch, die Sinne im Alltag zurück in die Ferien zu schicken, ist meist zum Scheitern verurteilt: Jener nämlich, sich kulinarische Köstlich- und Absonderlichkeiten aus der Urlaubsregion mit nach Hause zu nehmen und sie sich daheim schmecken zu lassen. Der Verfasser dieser Zeilen hat etwa noch eine Dose Oktopus in Öl aus Andalusien und eine Tube Reke-Ost – es handelt sich um eine Art Schmelzkäse, angereichert mit etwas, das an gemahlene Krabbenreste erinnert – aus Norwegen im Kühlschrank. Beides stammt aus dem Jahr 2017. Der Oktopus war im Apartment des winterlich-sturmgepeitschten Tarifa mit Blick auf den schäumenden Atlantik eine köstliche Ergänzung zum ob der Jahreszeit recht früh eingenommenen Dämmerschoppen. Reke-Ost war später im Jahr eine herrliche Frühstückskomponente im Angesicht eines atemberaubenden Fjord-Panoramas vor dem Camper. Zurück in Deutschland schmeckte die wie eine gelbstichige Zahnpasta aufs Brot gequetschte Creme hingegen fade. Die vermeintlich grandiosen Geschmackserlebnisse von Dosenoktopus und Krabbenkäse lassen sich auf dem heimischen Balkon eben nicht wirklich realitätsnah rekonstruieren, weshalb die beiden einst enthusiastisch mitgebrachten Lebensmittel sträflich vernachlässigt dem Mindesthaltbarkeitsdatum entgegen dösen.

Delikatesse aus dem Urlaub: Das Umfeld fließt mit in den Geschmack ein

Das ist im Grunde kein Wunder, meint Professor Johann Christoph Klotter, Gesundheits- und Ernährungspsychologe an der Hochschule Fulda. „Essen ist ein totales Erlebnis“, erklärt der Experte. Das bedeutet: Es geht nicht nur um den Geschmack einer Speise an sich, sondern eben auch darum, wie, warum und in welchem Umfeld sie genossen wird. „Man hat im Urlaub in der Regel einen ganz anderen Tag verlebt als daheim, war vielleicht am Meer, ist entspannt. Das fließt alles in den Geschmack eines Essens mit ein“, sagt Klotter. „Deshalb kann ein Nahrungsmittel am Urlaubsort hervorragend schmecken – und zu Hause sterbenslangweilig.“

Oder eben auch gar nicht mehr. Wenn in Griechenland der Duft von Kiefernharz und Thymian in der Luft liegt, wenn der Wind eine Brise salzig-warme Seeluft vom Strand und den würzigen Rauch des Holzkohlegrills einer nahen Taverne heranweht, dann – aber nur dann – vermag ein irgendwo an einem Straßenstand mitgenommener Retsina aus der praktisch-preisgünstigen Drei-Liter-Plastikpulle im Schein der untergehenden Sonne einen Eindruck von Freiheit, Abenteuer und wilden Buchten in einem einzigen Schluck in sich zu vereinen. Im heimischen Wohnzimmer bei deutschem Nieselwetter schmeckt derselbe Wein wenig besser als ein ausgekochter Feudel.

Von Sören Stegner/RND

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