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Wissen Studie: Homosexualität ist nicht durch Genetik erklärbar
Mehr Welt Wissen Studie: Homosexualität ist nicht durch Genetik erklärbar
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07:00 30.08.2019
Ein internationales Forscherteam hat die mit Abstand größte Studie zu genetischen Einflüssen auf Homosexualität durchgeführt. Knapp 500.000 Probanden nahmen daran teil.
Boston/London

Das Erbgut eines Menschen gibt keine Auskunft über seine sexuelle Orientierung. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der mit Abstand größten Studie zu genetischen Einflüssen auf Homosexualität. Zwar fanden die Wissenschaftler in der Untersuchung an fast 500.000 Menschen fünf genetische Merkmale, die bei jenen mit homosexueller Erfahrung eher auftreten. In der Gesamtheit erkläre dies aber nur einen kleinen Bruchteil des sexuellen Verhaltens, schreibt das Team um Andrea Ganna vom Center for Genomic Medicine am Massachusetts General Hospital in Boston im Fachblatt "Science".

Einzelne Studien deuteten Beeinflussung an

Homosexualität ist weit verbreitet: Generell geben den Autoren zufolge je nach Land etwa zwei bis zehn Prozent der Menschen an, entweder ausschließlich oder zusätzlich Sex mit Partnern des gleichen Geschlechts zu haben. Dennoch gilt Homosexualität in mehr als 70 Ländern als Straftat, mancherorts steht darauf sogar die Todesstrafe.

Seit langem versuchen Forscher zu ermitteln, welche Rollen die Erbanlagen einerseits und die Umwelt andererseits spielen - etwa Erziehung, Gesellschaft oder Erfahrungen in Kindheit und Jugend. Bislang deuteten Studien von Zwillingen und in Familien darauf hin, dass die sexuelle Orientierung auch genetisch beeinflusst wird. Beteiligungen bestimmter Gene konnten aber nicht klar nachgewiesen werden.

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470.000 Menschen untersucht - Gemeinsamkeiten entdeckt

In der neuen Untersuchung werteten die Forscher um Ganna nun vor allem zwei Datensätze mit insgesamt rund 470.000 Menschen aus Großbritannien, den USA und Schweden aus. Die Daten enthielten sowohl das Genom der Teilnehmer als auch Angaben zu ihrem Sexualleben.

Der Abgleich ergab, dass fünf Genvarianten mit zumindest einmaligen homosexuellen Erfahrungen assoziiert waren. Zwei dieser Varianten fanden die Wissenschaftler sowohl bei Männern als auch bei Frauen, zwei weitere nur bei Männern und eine nur bei Frauen. Die bei Männern gefundenen Genorte stehen etwa in Zusammenhang mit dem Geruchssinn und dem Hormonspiegel. "Gleichgeschlechtliches Sexualverhalten wird nicht von einem oder wenigen Genen beeinflusst, sondern von vielen", folgert das Team.

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Sind die Ergebnisse für Vorhersagen nutzbar?

Die Soziologin Melinda Mills von der Oxford University schreibt in einem "Science"-Kommentar, aus den fünf Genvarianten könne man keinen Rückschluss auf die Sexualität ziehen: "Ganna und Kollegen haben herausgefunden, dass die von ihnen isolierten Genorte weniger als ein Prozent des gleichgeschlechtlichen Sexualverhaltens von Individuen vorhersagen." Es sei damit ausgeschlossen, diese Ergebnisse für Vorhersagen oder gar Interventionen zu benutzen.

Zudem schränkt Mills ein, dass die Datensätze nur von Menschen europäischer Abstammung in wohlhabenden westlichen Ländern abgeleitet seien. Darüberhinaus seien die Teilnehmer eher älter gewesen, die meisten im Alter von 40 bis 70 Jahren. Die Studie deute darauf hin, dass komplexes Verhalten kleine, wahrscheinlich poligenetische Einflüsse habe.

Biologe: Kein Gen bestimmt sexuelle Orientierung

"Diese Studie zeigt deutlich, dass die Erblichkeit sexueller Orientierungen gering ist und man anhand des Erbguts einer Person diesbezüglich nichts "ablesen" kann", sagt Jan Korbel vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg, der nicht an der Studie beteiligt war. "Es gibt kein einzelnes Gen, was die sexuelle Orientierung bestimmt - wie vor einiger Zeit fälschlicherweise in einigen Medien kolportiert." Die Studie bedeute auch, dass Menschen verschiedener sexueller Orientierung ihr Genom analysieren lassen können, "ohne dass die Gefahr besteht, dass dabei ihre Orientierung aufgedeckt werden könnte".

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RND/dpa

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