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Wissen Studie: Glücksgefühle sind von Lebensumständen abhängig
Mehr Welt Wissen Studie: Glücksgefühle sind von Lebensumständen abhängig
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08:27 05.10.2010
An Glück und Zufriedenheit sind laut einer Studie die Gene nur unwesentlich beteiligt.
An Glück und Zufriedenheit sind laut einer Studie die Gene nur unwesentlich beteiligt. Quelle: dpa
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Eine gute Partnerschaft, soziales Engagement, Freundschaften - solche Faktoren sind einer deutschen Langzeitstudie zufolge der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Wie die Forscher in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten, hängt Zufriedenheit weit weniger von den Genen ab als bisher vermutet. Vielmehr kann jeder Mensch sein Wohlbefinden durch private und berufliche Entscheidungen dauerhaft beeinflussen.

Damit widerspricht die Studie der vorherrschenden Lehrmeinung. Denn seit den 90er Jahren gehen die meisten Psychologen davon aus, dass Zufriedenheit ein genetisch bedingter Charakterzug ist, der in der Kindheit geprägt wird und lebenslang weitgehend konstant bleibt. „Zu versuchen, glücklicher zu werden, galt lange Zeit als ebenso aussichtsreich wie zu versuchen als Erwachsener noch größer zu werden“, sagt Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Unsere Studie widerlegt dieses Bild.“

Die Forscher um Wagner werteten die weltweit größte Langzeitstudie zu Zufriedenheit aus. Darin beantworteten Zehntausende Bundesbürger über 25 Jahre Fragen zu ihrem Leben. Resultat: Wohlbefinden ist keineswegs ein stabiler Charakterzug, sondern hängt maßgeblich von den Lebensumständen ab.

Wichtig sind vor allem fünf Bereiche: Partnerschaft, Lebensziele, soziale Kontakte, Lebensstil, Religiosität und das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit. Beispiel Partnerschaft: Wichtig ist der Studie zufolge vor allem die emotionale Stabilität des Partners. Die Beziehung etwa zu einem neurotischen Menschen dämpft demnach die Lebensfreude empfindlich.

„Zu viel Egoismsu tut einer Gesellschaft nicht gut“

Weiteres Resultat: Uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, leben glücklicher als Personen, die die eigene Karriere verfolgen und nach materiellen Zielen streben. Dies erklärt vielleicht, warum auch religiöse Menschen generell besser gestimmt waren - unabhängig davon ob es sich um Christen oder Muslime handelte. Weniger überraschend ist dagegen, dass soziale Kontakte die Lebensqualität steigern. „Menschen sind am zufriedensten, wenn sie von Freunden umgeben sind“, sagt der an der Untersuchung beteiligte Soziologe Bruce Headey von der Universität Melbourne.

Die Ergebnisse unterstreichen laut Wagner, wie wichtig soziale Ziele für ein gutes Leben sind. „Und sie bestätigen, dass zu viel Egoismus und rein ökonomisches Wachstum einer Gesellschaft nicht gut tun“, sagt er.

Allerdings schränken die Forscher ihre Resultate etwas ein: Zwar beeinflusse die Lebenssituation die Zufriedenheit, aber umgekehrt wirke sich die Stimmung eines Menschen auch auf seine Entscheidungen aus: So falle es etwa depressiven Menschen schwer, soziale Kontakte zu pflegen oder regelmäßig Sport zu treiben. Dennoch stimmt das Resultat die Forscher optimistisch: “„Wir sind keine reinen Sklaven unserer Gene und frühkindheitlicher Prägung“, betont Wagner. „Das sollte allen zu denken geben, die uns weismachen wollen, alles sei genetisch determiniert.“

dapd