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Wissen Schweinegrippe-Virus wandert weiter
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09:32 24.08.2009
Von Nicola Zellmer
„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob das Schlimmste vorbei ist oder ob das Schlimmste noch kommt“, sagte WHO-Chefin Margaret Chan. Quelle: Frederic J. BROWN/AFP
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Die neue Situation gibt Experten auf der ganzen Welt zu denken. Denn das Auftauchen von H1N1 in einer neuen Tierart, zumal in Geflügel, macht ganz neue Viruskombinationen möglich – im schlimmsten Fall sogar einen Bastard aus dem aggressiven Vogelgrippevirus H5N1 und dem sich schnell verbreitenden Schweinegrippevirus. „Man kann die Möglichkeit nicht ausschließen, dass durch einen Austausch des Erbguts neue Virentypen entstehen“, sagt Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems. „Das Risiko lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.“

Das Bundesinstitut wird daher ebenso wie das Robert-Koch-Institut in Berlin die Entwicklung verfolgen. Aktuell ist wohl nicht zu befürchten, dass es zum Schlimmsten kommt. Einerseits ist Chile bislang vogelgrippefrei. Andererseits haben die chilenischen Landwirtschaftsbehörden umgehend Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet, um eine Ansteckung von Menschen zu verhindern. Auch Matthias Stoll von der Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hält die Gefahr einer neuen Horrorkombination aus Vogel- und Schweinegrippe für gering. „Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Virus jetzt ins Infektionsgeschehen eingreift, ist eher klein“, sagt er. „Bis sich so etwas aufbaut, dauert es immer eine Weile – und die Grippewelle mit saisonaler Influenza und H1N1 steht schon vor der Tür.“

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Der Experte hält es daher für sinnvoller, möglichst viele Menschen gegen die normale Influenza impfen zu lassen, für die es in einigen Tagen Impfstoff gibt. So könnten Doppelinfektionen mit der Saisongrippe und der Schweinegrippe vermieden werden, bei denen sich die Viren kombinieren können. „Je schwerer wir es dem Virus machen, uns zu infizieren, desto unwahrscheinlicher werden neue Virusvarianten“, betont der Immunologe.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ruft unterdessen zur Wachsamkeit auf und warnt vor einer zweiten heftigen Erkrankungswelle. „Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob das Schlimmste vorbei ist oder ob das Schlimmste noch kommt“, sagte WHO-Chefin Margaret Chan bei einem Expertentreffen in Peking. „Wir müssen auf jede Überraschung vorbereitet sein, die dieses Virus uns noch bereitet. Und wir müssen uns auf eine zweite oder sogar eine dritte Welle der Ausbreitung vorbereiten“, sagte sie. Laut WHO könnten in den kommenden zwei Jahren bis zu zwei Milliarden Menschen an Schweinegrippe erkranken, das ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung.