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05:30 15.01.2022
Das Zusammenleben birgt so manches Hindernis.
Das Zusammenleben birgt so manches Hindernis. Quelle: picture alliance / dpa-tmn
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Wir alle suchen mehr oder weniger in dem anderen was wir uns selbst nicht oder nicht ausreichend geben können. Wenn Partnerinnen/Partner uns auf eine gute Art ergänzen und bereichern ist das ja auch wunderbar. Schwierig wird es dann, wenn wir von dem Partner/der Partnerin eine Wunschvorstellung oder ein Idealbild kreieren und er oder sie einen Mangel in uns ausgleichen soll.

Das kann dann manchmal der Beginn einer toxischen Beziehung sein. Natürlich haben wir alle bestimmte Wünsche und Vorstellungen von einer Beziehung und das sollte auch so sein. Gerade nach toxischen Beziehungen rate ich auch dazu sich zu überlegen, was Standards und Dealbreaker in einer Beziehung sind. Wenn man diese vorab für sich definiert hat, verringert man die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber über die eigenen Grenzen geht ohne dass dieses Verhalten Konsequenzen hat oder – schlimmer noch – nicht mal angesprochen wird.

Und dennoch ist jeder Mensch individuell und erst während des Kennenlernens zeigt sich, wen man wirklich vor sich hat. Die Gefahr ist nun, dass der/die Andere zur Projektionsfläche unserer Wünsche und Bedürfnisse wird. Wir schreiben diesem einen Menschen nun bestimmte Eigenschaften zu und erwarten die Befriedigung unserer Bedürfnisse, weil wir es möglicherweise selbst nicht schaffen. Wenn man zum Beispiel eine Reihe toxischer Beziehungen hinter sich hat, wünscht man sich nun vielleicht Sicherheit und Klarheit vom anderen.

Er/ Sie soll uns ein Stück weit von unserem Beziehungstrauma heilen. Die Heilung kann aber nur in uns stattfinden und nicht von außen kommen. Partnerinnen/Partner können so leicht mit überhöhten Wünschen und Bedürfnissen überfrachtet werden. Und umgekehrt kann es Wut und Schmerz auslösen, wenn die Projektionsfläche nicht erfüllt, was wir uns wünschen. Das Spiel mit der Projektion kann sich noch verschärfen, wenn Partnerinnen/Partner dieses mit Love Bombing und Future Faking füttern.

Das „Programm“ kann aber auch ablaufen, ohne dass der/die andere entsprechende Verhaltensweisen zeigt. Die Projektion bleibt also in erster Linie in unserem Kopf. Projektionen sind meiner Meinung nach eine der Gründe warum wir in toxische Beziehungen geraten und in ihnen bleiben.

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Wir halten so sehr an der Wunschvorstellung vom anderen fest, dass wir das reale Bild eines Menschen einfach nicht sehen wollen und über toxische Verhaltensweisen hinwegsehen. Vor Projektionen können wir uns schützen indem wir bei uns selbst bleiben und den Mangel in uns nicht versuchen, durch Partnerinnen/Partner ausgleichen zu lassen. Und indem wir offen für Menschen bleiben und in der Lage sind, positive wie negative Vorannahmen über diese anzupassen oder zu revidieren.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Dort findet man auch den neuen Kurs „Passive Bindungsangst und sichere Beziehungen führen“.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit.

Von Christian Hemschemeier/RND

Der Artikel "Positive Projektion und die Folgen für Beziehungen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.