Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wissen Test: Erkennen Sie diese heimischen Tiere an ihrem Geräusch?
Mehr Welt Wissen Test: Erkennen Sie diese heimischen Tiere an ihrem Geräusch?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:43 24.03.2019
Vögel singen und Bäume wachsen hören – mit der bioakustischen Methode lässt sich nicht nur die Artenvielfalt eines Gebietes messen, sondern auch gegen Abholzung vorgehen. Quelle: Asus/Shutterstock
Berlin

Der Ruf ist tief und nasal, ein lautes Tröten und Quaken, wie man ihn von einem Schwarm Graugänse kennt, der direkt über einem vorbeizieht. „Aber nein“, sagt Zoologe Karl-Heinz Frommolt, der ein Ohr für Tiere aller Art hat. Bei der Aufzeichnung handele sich um einen königlichen Gesang – dem „Tüten“ einer kürzlich geschlüpften Bienenkönigin. „Damit gibt sie dem Volk ihre Anwesenheit bekannt und signalisiert, dass es keine weiteren Königinnen neben ihr geben darf.“

Frommolt ist Leiter des Tierstimmenarchivs im Museum für Naturkunde in Berlin und Herr über gut 120 000 Tonaufnahmen, 18 000 Stunden Material, hat Frommolt hochgerechnet. Das von dem bekannten Zoologen und Verhaltensforscher Günter Tembrock 1951 gegründete Archiv ist eines der ältesten und umfangreichsten Tierstimmensammlungen der Welt. Inzwischen sind in Berlin nahezu auch alle alten Tonbandspulen digitalisiert.

Wissenschaftler weltweit greifen auf den Fundus zurück

Unter der Internetadresse www.tierstimmenarchiv.de kann sich jeder die Aufnahmen anhören: wie ein Maulwurf beim Eingraben klingt. Wie es sich anhört, wenn südafrikanische Zwergseebären miteinander kämpfen. Welche Töne entstehen, wenn eine Gruppe von – sexuell stimulierten – Wölfen heult und winselt. Wie sich der Dialekt einer Goldammer verändert, je weiter im Süden der Vogel singt.

Wissenschaftler weltweit greifen auf den Fundus zurück, vor allem Bioakustiker. So nennen sich die Experten für die Töne des Tierreichs und sonstige Laute aus der Natur. Ihr Bereich erfährt gerade eine Renaissance: Der Klang eines Waldes kann Aufschluss über die Artenvielfalt und auch über etwaige Umweltzerstörung geben. Naturversteher weltweit plädieren für ein akustisches Monitoring insbesondere von tropischen Regenwäldern, die durch Abholzung bedroht sind.

Ein Forscherteam um Zuzana Burivalova von der Princeton University in New Jersey schrieb jüngst im Fachmagazin „Science“ darüber, wie spezielle Computerprogramme die aufgezeichneten Klanglandschaften auf Biodiversität, einzelne Arten und sonstige Geräusche auswerten können. „Akustische Aufzeichnungsgeräte können Tierrufe und Lieder aus mehreren 100 Metern Entfernung registrieren“, schreiben die Wissenschaftler.

Töne der Natur: Karl-Heinz Frommolt zeigt alte Tonträger im Tierstimmenarchiv des Berliner Naturkundemuseums. Quelle: Sonja Fröhlich

Die bioakustische Methode biete die Möglichkeit, mehrere Tiergruppen gleichzeitig zu überwachen, nämlich all jene Vögel, Säugetiere, Insekten und Amphibien, die Laute von sich geben. Mit tausendfach verstärkten Aufnahmen lassen sich sogar die Mundwerkzeuge von Ameisen und das Wachsen von Bäumen hören. Entsprechende Geräte würden bereits von mehreren Unternehmen angeboten, betont das Team. Auch illegales Abholzen oder Wilderei können anhand entsprechender Geräusche nachgewiesen werden.

Bisher wird die Artenvielfalt eines Areals gewöhnlich durch aufwendige bodengestützte Untersuchungen wie Fotofallen oder genetische Analysen abgeschätzt. Dies sei aber teuer, und die Auswahl eines Untersuchungsgebietes könne das Ergebnis verzerren, schreiben die Forscher. Auch die Überwachung von Wäldern durch Satellitenaufnahmen liefere nur grobe Anhaltspunkte für die Artenvielfalt.

Burivalova und Kollegen sehen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen einen weiteren Nutzen in der Aufzeichnung von Klanglandschaften: „Die Bioakustik hat insbesondere im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitszertifizierung der Industrie und der Verpflichtung zum Verzicht auf Abholzung ein besonderes Potenzial.“ Sowohl Unternehmen, die ihr eigenes Nachhaltigkeitsversprechen überprüfen möchten, als auch Behörden, die Verpflichtungen von Firmen überwachen, könnten auf diese Art des Monitorings zurückgreifen.

Akustische Zeitreihen einzelner Wälder wären möglich

Die Forscher setzen sich für eine internationale, akustische Datenbank ein. Dort könnten Aufzeichnungen von intakten Wäldern sowie einzelnen Tiergattungen und -arten hinterlegt werden, mit denen man neuere Aufnahmen dann vergleichen könnte. Auch akustische Zeitreihen einzelner Wälder wären damit möglich. „Die wissenschaftliche Gemeinde wird von einer riesigen Datenmenge ökologischer Gemeinschaften quer durch die Tropen profitieren“, glauben die Forscher.

Das Berliner Tierstimmenarchiv hat dabei schon ordentlich vorgelegt. Zahlreiche Forscher, aber auch engagierte Laien stellen ihre Dateien zur Verfügung. Zwar seien Langzeitaufnahmen durch die Digitaltechnik unheimlich erleichtert worden, sagt Frommolt. Dennoch müssten diese teils aufwendig kontrolliert werden.

„Die Perspektive sind Funkübertragungen und intelligente Algorithmen, um die Masse an Material auswerten zu können“, sagt der Zoologe. Bisher könne nur ein erfahrener Ornithologe einzelne Rufe unterscheiden, etwa wenn mehrere Vogel- und Heuschreckenarten in der Abenddämmerung durcheinanderrufen. „Im Regenwald ist das natürlich noch viel komplizierter“, sagt Frommolt.

Rettung für den Wachtelkönig

Man braucht aber nicht bis in den Regenwald zu hören, um die Chancen der Bioakustik für den Naturschutz zu betonen. So belauschen Frommolt und seine Kollegen heimische Arten, vornehmlich Brutvögel wie den stark gefährdeten Wachtelkönig.

Der Vogel brütet zwar zweimal im Jahr, allerdings bevorzugt auf Auwiesen zur Heugewinnung. Dabei besteht für ihn die Gefahr, dass er durch das Mähen getötet wird. In seinem bedeutsamsten Brutgebiet, dem Nationalpark Unteres Odertal, zeigen die dauerhaften Tonaufzeichnungen, auf welchen Wiesen der Wachtelkönig aktiv brütet – und im Fall der Fälle wird die Mahd verschoben.

Von Sonja Fröhlich

Sie machen immer wieder öffentlichkeitswirksam von sich reden – die Impfgegner. Doch warum lassen viele Menschen sich und ihre Kinder nicht per Injektion schützen? Aus durchaus unterschiedlichen Gründen, so das Resultat einer Studie.

24.03.2019

Erfolgreicher Batterie-Austausch: Der erste Außeneinsatz des Jahres an der Internationalen Raumstation ISS ist absolviert. Zwei weitere stehen in den kommenden Wochen an – einer davon bringt ein Novum mit sich.

24.03.2019

Ihre Bücher sind Bestseller und ihre TED-Talks haben mehr als 15 Millionen Zuschauer: Esther Perel ist als Psychotherapeutin und Autorin international erfolgreich. Im Interview spricht sie über ihr Buch „Die Macht der Affäre“ und fordert eine neue Sicht auf das Fremdgehen.

24.03.2019