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Wissen Ohren mit Wattestäbchen gereinigt – Mann erleidet lebensgefährliche Infektion
Mehr Welt Wissen Ohren mit Wattestäbchen gereinigt – Mann erleidet lebensgefährliche Infektion
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18:17 22.03.2019
Wattestäbchen können einen bis in die Notaufnahme bringen. Quelle: picture alliance/imagebroker
Hannover

Für viele gehört es dazu, wie das morgendliche Zähneputzen: Das kleine Stäbchen munter ins Ohr stecken und herumdrehen, bis es sich sauber anfühlt. Die Deutschen puhlen – wider besseren Wissens – gern mit dem Wattestäbchen im Ohr. Mit der Prozedur kann man seinen Gehörgängen aber schweren Schaden zufügen, warnen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Denn damit schiebe man den Ohrenschmalz nur noch tiefer ins Ohr, mitunter sogar ins Trommelfell. Dieses könne zudem durch den Gegenstand verletzt werden.

Schwere Infektion durch Wattestäbchen

In den USA brachte die Unsitte jetzt einen Mann sogar bis in die Notaufnahme: Der 31-Jährige hatte einen Kollaps erlitten. Die Ärzte diagnostizierten eine schwere Infektion – und fanden ein kleines Stück Watte als Auslöser. In seinem Kopf hatten sich bereits mit Eiter gefüllte Abszesse gebildet, die sein Gehirn umgaben, wie die Mediziner im Journal of Clinical Pathology schreiben. Eine Untersuchung seines Ohrenschmalzes habe die Ansiedlung des Krankheitserregers Pseudomonas aeruginosa gezeigt. Die Mediziner führen dies darauf zurück, dass sich der Mann mit einem Wattestäbchen die Ohren gereinigt hatte, das mit dem Erreger kontaminiert war.

Nachdem die Ärzte das Überbleibsel entfernt hatten, behandelten sie den Patienten mit Antibiotika. Nach zehn Wochen sei der Mann nun zwar beschwerdefrei. Dieser Fall zeige dennoch erneut, dass die Menschen die Gefahren der Ohrenreinigung unterschätzen, so die Experten. Das Ärzteteam plädiert in ihrer Studie dafür, den Gebrauch von Wattestäbchen komplett einzustellen.

Diverse Schädigungen der Ohren möglich

Solche Extremfälle sind zwar selten. Dennoch kommt es immer wieder zu Infektionen durch Fremdkörper im Ohr. So ist die Otitis externa – auch bekannt als Schwimmerohr, Bade-Otitis oder Taucherohr – eine Entzündung des Gehörgangs, die häufig durch Reinigung der Ohren mit einem Wattestäbchen begünstigt werde. So schreiben es die Ärzte der Spezialklinik für Gehörgangsentzündung der München Klinik Schwabing auf ihrer Webseite.

Ohren brauchen keine „Reinigung“

Grundsätzlich benötigten Ohren gar keine Reinigung, sie säubern sich selbst. Dafür sorgen im Inneren des Gehörgangs winzige Härchen, die Schmutz und überschüssiges Ohrenschmalz nach außen befördern. Dieser Schmutz könne dort sanft mit einem Waschlappen oder Wattepad entfernt werden, raten die HNO-Ärzte.

Wattestäbchen sind darüber hinaus auch ziemliche Umweltverschmutzer, zumindest die aus Plastik. Ab 2021 sollen sie einem EU-Verbot zufolge mit weiteren Wegwerfprodukten aus Kunststoff aus dem Handel verschwinden. Alternative Wattestäbchen gibt es aus Holz oder Bambus – doch auch die sind für Ohren ungeeignet.

Von RND/ame

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