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12:25 22.06.2012
Das Alan-Turing-Denkmal in Manchester (England). Quelle: dpa
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Paderborn

Zu Lebzeiten erlangte Alan Turing nie den Ruhm, der ihm gebührt hätte. Schuld daran war nicht nur sein viel zu früher Tod, sondern auch die Tatsache, dass ein Großteil seiner Arbeit streng geheim bleiben musste. Am 23. Juni wäre Turing 100 Jahre alt geworden.

„Das ganze Feld der Informatik, Algorithmen, Berechenbarkeiten – in all diesen Bereichen war Turing wegweisend“, sagt Jochen Viehoff vom Heinz Nixdorf Museumsforum (HNF) in Paderborn. Hier läuft – anlässlich des Turing-Jahres 2012 – seit Januar die Ausstellung „Genial & Geheim – Alan Turing in 10 Etappen“. Bis zum 16. Dezember zeigt das Museum Werk und Leben des Begründers der Computer- und Informationstechnologie.

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Genie im Geheimen

Verdeutlicht werden zum Beispiel Turings Leistungen während des Zweiten Weltkriegs. Der studierte Mathematiker entwickelte für die Briten ein Verfahren zur Entschlüsselung der deutschen Funksprüche. „Die Briten konnten Dank ihm den deutschen Marinefunk abhören, das hat definitiv eine historische Dimension“, sagt Kurator Viehoff.

„Turing war einer der ersten, der die damaligen Rechenmaschinen als die universelle Maschine erkannte, als die wir Computer heute betrachten“, betont Viehoff. „Vor allem seine theoretischen Arbeiten und seine Leistungen in den Bereichen Programmierung und Software ließen ihn in die Computergeschichte eingehen“, heißt es in einer Mitteilung des Museums.

Seine Turing-Maschine sei noch heute eine wichtige Grundlage für den Turing-Test, mit dem die Frage beantwortet werden soll, ob Maschinen denken können.
Der Pionier galt als humorvoller und empfindsamer Mensch. Er geriet aber in eine Lebenskrise, weil er seine Homosexualität nicht offen ausleben durfte. „Er war mit ernsten Problemen konfrontiert, weil Homosexualität in England nicht nur ein Tabu, sondern ein Verbrechen war“, schreibt der Turing-Biograf Andrew Hodges.

„We´re sorry.“

Als seine Affäre mit einem 19-Jährigen aufflog, wurde Turing im Februar 1952 zu einer einjährigen Hormonbehandlung mit Östrogen verurteilt. „Beabsichtigt war eine chemische Kastration“, schreibt Hodges.

Die unwürdige Behandlung veränderte Turing nicht nur körperlich, er wurde auch depressiv. Am 7. Juni 1954 – kurz vor seinem 42. Geburtstag – brachte er sich um.
Der britische Premierminister Gordon Brown bedauerte die Verfolgung Turings im Jahr 2009 mit den Worten „We're sorry. You deserved so much better.“ (Es tut uns leid. Du hättest so viel Besseres verdient.)

US-Präsident Barack Obama stellte Turing bei seinem Staatsbesuch in London im Mai 2011 in eine Reihe mit legendären Wissenschaftlern wie Isaac Newton, Charles Darwin und Albert Einstein.

mh/dpa

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