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Wissen Maßnahmen gegen Klimawandel könnten Hunger verstärken
Mehr Welt Wissen Maßnahmen gegen Klimawandel könnten Hunger verstärken
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19:03 13.05.2019
Die Vernichtung natürlicher Lebensräume wie hier die Rodung des Amazonas in Brasilien, und von Agrar-Anbaumöglichkeiten zugunsten industrieller Agrarflächen, etwa für Palmöl, kann laut einer Studie auch das Hungerrisiko verstärken. Quelle: Marcelo Sayao/EFE/dpa
Kyoto

Unbedachte Maßnahmen gegen den Klimawandel könnten für viele Menschen zur unmittelbaren Bedrohung werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein 23-köpfiges Autorenteam um den japanischen Wissenschaftler Shinichiro Fujimori, dem auch Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich angehören, in einer Studie, die das Fachblatt Nature Sustainability veröffentlichte.

Den Klimawandel zu beschränken ist eine enorme Herausforderung und eines der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Zwar würden einige Maßnahmen, die den Klimawandel bremsen können, auch zwangsläufig und spürbar andere Probleme lösen: So stiege bei geringeren Emissionen von Treibhausgasen gleichzeitig die Luftqualität. Doch das weltweite 2-Grad-Ziel bei der Erderwärmung zu erreichen, stellt gleichzeitig eine Bedrohung für die Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung dar, die wiederum zu den höchsten Prioritäten der UN-Nachhaltigkeitsziele gehört.

Hunger – seit 2014 steigen die Zahlen wieder

Etwa 800 Millionen Menschen leiden weltweit Hunger. Prognosen sehen diese Zahl bis zur Mitte des Jahrhunderts nachhaltig sinken – auf dann 180 bis 270 Millionen Menschen. Damit würde sich der allgemeine Trend der vergangenen beiden Jahrzehnte fortsetzen – allerdings steigen die Zahlen seit 2014 wieder. Die Autoren der aktuellen Studie haben nun untersucht, wie sich mögliche Maßnahmen, den Klimawandel zu beschränken, auf die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln auswirken. Sie sehen vor allem zwei Faktoren, die die Lebensmittelpreise steigen lassen und damit vielen Menschen eine ausreichende Versorgung erschweren würden: zum einen ein CO2-Preis und zum anderen die Konkurrenz um Anbauflächen zur Produktion von Nahrungsmitteln oder Bioenergie und Aufforstungsprojekten, die eine wichtige Maßnahme sind, um das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen. Darüber hinaus quantifizieren die Autoren die zusätzlichen Kosten, diese negativen Effekte abzufedern. Ergebnis: 0,18 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts. Dieses Geld könnte in konkrete Nahrungsmittelhilfe-Projekte investiert und in Agrarsubventionen fließen, um den Preis für Nahrungsmittel zu senken.

Klimaschutz sollte auf erneuerbare Energie setzen

Allerdings sehen Wissenschaftler durchaus auch Optionen, den in der Studie angesprochenen Konflikt zu vermeiden. So sagt Felix Creutzig vom Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Changee (MCC): „Es gibt drei einfache Möglichkeiten: Erstens kann Klimaschutz statt auf Biotreibstoffen auf erneuerbare Energie wie Solar und Wind setzen und auf neuartige technische Optionen, wie der direkten Bindung von CO2 aus der Luft. Damit werden vielerlei höchst problematische Effekte der Landnutzung durch Energiepflanzen umgangen. Zweitens ist wichtig zu verstehen, dass Hunger vor allem ein Ungleichheitsproblem ist. Durch eine gerechtere Verteilung und höhere Ressourcengerechtigkeit wird auch effektiv dem Hunger ein Ende gesetzt. Drittens kann recht einfach auf CO2-intensive Nahrungsmittel wie Rindfleisch verzichtet werden, ohne dass dabei Genuss oder Qualität der Ernährung eine Grenze gesetzt wird.“

Thomas Kastner vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (SBIK-F) in Frankfurt/Main ergänzt: „Etwas versteckt sprechen die Autoren das auch klar an: Wie sich Klimawandel auf das Auftreten von Extremereignissen auswirkt und diese sich wiederum auf die Nahrungsproduktion und -verfügbarkeit auswirken, ist in keinem der Modelle berücksichtigt. Eine Berücksichtigung solcher Effekte – was mit dem derzeitigen Wissensstand zugegeben nicht leicht ist – würde wohl zu einem gänzlich anderen Bild führen Die Autoren schreiben dies auch so. In einer Welt ohne Klimaschutzmaßnahmen könnte die Anzahl der vom Hunger Gefährdeten über solche Effekte deutlich ansteigen.“

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