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Wissen Mückensommer 2021: Wie gefährlich ist das West-Nil-Virus für den Menschen?
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15:35 14.06.2021
Stechmücken gelten als potenzielle Überträger des West-Nil-Virus.
Stechmücken gelten als potenzielle Überträger des West-Nil-Virus. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp
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Es surrt in der Luft, winzige, für das bloße Auge kaum erkennbare und gefürchtete Plagegeister sind wieder im Freien unterwegs: Mücken. Stechen sie zu, ist das nicht nur wegen des Juckreizes nervig. Unter Umständen können Stechmücken nämlich auch gefährliche Erreger übertragen. Unter anderem auch das West-Nil-Virus (WNV), welches beim Menschen das West-Nil-Fieber auslösen kann.

Allzu lange kursiert dieser Erreger in Deutschland noch nicht. Das Risiko für diese Erkrankung könnte hierzulande nun aber weiter steigen. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet damit, dass es auch in diesem Sommer zur Zirkulation des West-Nil-Virus zwischen Stechmücken und Vögeln kommen wird. In geringerem Maße sei auch mit durch Mücken übertragenen Infektionen bei Menschen und Pferden zu rechnen, vor allem im Juli und August, heißt es im jüngsten Epidemiologischen Bulletin.

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Offensichtlich kann das West-Nil-Virus der Gesundheitsbehörde zufolge inzwischen auch in Deutschland überwintern. „Es ist damit zu rechnen, dass sich das WNV in Deutschland weiter etabliert und es in den kommenden Jahren zu weiteren mückenübertragenen WNV-Erkrankungsfällen auch bei Menschen kommen wird“, prognostiziert das RKI in einem Überblick zum Erreger.

Wie kam das West-Nil-Virus nach Deutschland?

Das West-Nil-Fieber ist eine durch das Virus ausgelöste, in verschiedenen Regionen der Welt endemisch vorkommende Zoonose, die sich regional allerdings unterschiedlich stark bemerkbar macht. Das Virus ist inzwischen in Afrika, Israel, der Westtürkei, dem Mittleren Osten, Indien, Teilen Südostasiens und inzwischen auch in Nord- und Teilen Mittelamerikas verbreitet. Aus den Tropen gelangte das Virus durch Zugvögel auch in Gebiete am Mittelmeer und Europa.

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Für Reisende gut zu wissen: In Südeuropa wird es seit Langem saisonal im Sommer übertragen und kann auch vor Ort überwintern. Häufig betroffen sind Südfrankreich, Norditalien, Griechenland und weite Teile des Balkans, weiter nördlich auch Teile von Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Österreich. Auch die Türkei ist betroffen. In Deutschland gibt es noch nicht so lange Nachweise.

Hierzulande wurde das West-Nil-Virus erstmals 2018 registriert, zuerst bei Vögeln und Pferden. 2019 wurden auch erstmals einige in Deutschland durch Mücken übertragene Erkrankungsfälle beim Menschen registriert. Das RKI spricht bislang von „nur wenigen registrierten Fällen“. Die Betroffenen lebten in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Was hat die Ausbreitung des Virus mit dem Klimawandel zu tun?

Allerdings könnte es bald zu mehr Fällen kommen, auch in weiteren Regionen. Der Grund: steigende Temperaturen, wodurch das Virus auch in Stechmücken überwintern kann. Temperaturen über 20 Grad sind Expertinnen und Experten zufolge für die Vermehrung dieser Viren ideal. Im Zuge der Klimakrise drohen also auch Deutschland ganz neue Erkrankungswellen.

Die Erderwärmung begünstigt diese Entwicklung, weil sich solche tropischen Erreger umso schneller in der Mücke vermehren, je wärmer es ist – die Gefahr einer Übertragung wächst also. Das West-Nil-Virus könnte schon recht bald auch in Deutschland größere saisonale Erkrankungswellen verursachen. Bei einem heißen Sommer könne die Zahl erfasster Fälle von West-Nil-Fieber schon in diesem Jahr erheblich sein, befürchten Experten.

Wie wird das West-Nil-Virus übertragen?

Das West-Nil-Virus wird vor allem von Stechmücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen. An Vögeln infizierte Mücken können das Virus aber auch auf Säugetiere wie Pferde und Menschen übertragen. Oftmals dienen Häufungen toter Vögel und erkrankte Pferde als Auslöser dafür, die Fallsuche auch auf Menschen auszudehnen. Inzwischen ist auch bekannt, dass sich das Virus über Organtransplantation, Bluttransfusionen sowie während der Schwangerschaft übertragen kann.

Ausbrüche stehen erfahrungsgemäß im engen Zusammenhang mit günstigen Bedingungen für Stechmücken, hängen am lokalen Klima und kurzfristigen Wetterschwankungen. In Deutschland sind der Spätsommer und warme Temperaturen im Frühherbst bislang die risikoreichsten Zeiten, in Südeuropa werden laut RKI Übertragungen häufig bis in den November beobachtet.

Welche Symptome treten beim West-Nil-Fieber auf?

  • Nur ein kleiner Teil der Infizierten entwickelt nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus Symptome, weswegen davon auszugehen ist, dass einige Infektionen nicht diagnostiziert werden.
  • Rund 20 Prozent der Infizierten leiden am West-Nil-Fieber, ausgeprägt anhand von grippeähnlichen Symptomen. Diese dauern in der Regel zwischen drei und sechs Tagen an, heilen aber in der Regel komplikationslos aus. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen beginnt die Krankheit in den meisten Fällen abrupt mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Bei etwa 50 Prozent der Erkrankten kommt es zu einem blassen, knoten-fleckigen Hautausschlag (Exanthem), der sich vom Körperstamm zum Kopf und zu den Gliedmaßen ausbreitet.
  • Schwere Verläufe sind selten und treten bei etwa einem von 100 Infizierten auf. Bei einem Teil dieser Patienten tritt eine zumeist gutartige Entzündung der Gehirn- und Rückenmarkshäute (Meningitis) auf. In seltenen Fällen entwickelt sich eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Mögliche Symptome sind dann mentale Veränderungen, Muskelschwäche, schlaffe Lähmungen, Störungen der Bewegungsabläufe, Entzündungen des Sehnervs, des Nervensystems, epileptische Anfälle. Selten wurden Entzündungen des Herzens oder der Leber beobachtet. 5 bis 10 Prozent der schwer Erkrankten sterben – vor allem Ältere, Patientinnen und Patienten mit Immunsuppression oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Wie laufen Diagnose und Behandlung?

Ist ein Mensch akut mit dem West-Nil-Virus infiziert, muss das an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Nachgewiesen werden kann die Infektion mittels Blutuntersuchung im Labor. Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen das West-Nil-Fieber. Treten Symptome auf, werden sie einzeln behandelt. Eine Isolation der Erkrankten ist laut RKI nicht nötig. Bei einem schweren Verlauf wird eine Behandlung im Krankenhaus nötig.

Kann man sich mit einer Impfung gegen das West-Nil-Fieber schützen?

Eine Impfung gegen den Erreger gibt es bislang nicht. Personen, die aufgrund hohen Alters oder Immunschwäche ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben, können das Risiko durch Schutz vor Mückenstichen reduzieren. Sprich: langärmelige Hemden, Blusen und Hosen im Freien tragen, abends in Innenräume ausweichen, Insektizide und Mückenspray, Moskitonetze und Fenstergitter nutzen. Im Wohnumfeld sollten Mückenbrutplätze möglichst beseitigt werden.

RND/she

Der Artikel "Mückensommer 2021: Wie gefährlich ist das West-Nil-Virus für den Menschen?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.