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Wissen Modellprojekt zeigt: Verliebte schmecken eher Saures
Mehr Welt Wissen Modellprojekt zeigt: Verliebte schmecken eher Saures
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11:13 19.03.2010
Wer Schmetterlinge im Bauch spürt, schmeckt eher Saueres.
Wer Schmetterlinge im Bauch spürt, schmeckt eher Saueres. Quelle: dpa (Archiv)
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Verliebtsein verändert den Geschmack. Wer Schmetterlinge im Bauch spürt, schmeckt eher Saueres. Das haben Wissenschaftler im Sensoriklabor des Technologie Transferzentrums (TTZ) Bremerhaven in einem Modellprojekt herausgefunden. Unter 70 Probanden eines Tests erwiesen sich die 35 frisch Verliebten als resistent gegen süß und bitter. Dagegen spürten sie saure Geschmacksrichtungen und Salziges deutlich stärker. „Ob Liebe auch blind macht, war allerdings nicht Gegenstand unseres Tests“, sagt der Leiter der Sensorikabteilung am TTZ, Mark Lohmann.

Die Schmetterlinge im Bauch sind ebenso wie verklärte Blicke durch rosa Brillen aus wissenschaftlicher Sicht pure Biochemie. „Emotionen gehen mit einer Veränderung der Hormonkonzentration sowie einer veränderten Weiterleitung von Nervenimpulsen einher“, nimmt Lohmann der Liebe jeden Hauch von Romantik.

Während alle möglichen Hormone wie verrückt vom pochenden Herzen durch die Blutbahn gepumpt werden, nimmt ausgerechnet die Konzentration von Serotonin ab. „Es ist für die Übermittlung von Nervensignalen notwendig“, erläutert der Wissenschaftler. Neben vielen anderen Körperfunktionen beeinflusst das Hormon außerdem den Blutdruck.

Möglicherweise bewahrt der Körper Verliebte durch diesen Trick vor überschwänglichem Handeln. Wenn das Herz den Verstand ausschaltet, „haben Verliebte bereits eine hohe Dosierung von Dopamin und Noradrenalin im Blut“, sagt Lohmann. Beides sind antriebssteigernde Neurotransmitter. Zusammen mit einem normalen Serotoningehalt könnte dieser Hormonspiegel übermütige Kraft und Motivation auslösen.

Die Bremerhavener Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrem Sinnestest jedoch auf einen weiteren Aspekt des Serotonins: „Es ist auch an der Wahrnehmung, insbesondere von bitter und süß beteiligt“, erklärt Lohmann. „Wenn jemand euphorisch und frisch verliebt ist, müsste er oder sie wegen des geringeren Serotonin-Ausstoßes auch unempfindlicher gegenüber den beiden Geschmacksrichtungen sein.“

In dem Sensoriklabor testen die TTZ-Forscher normalerweise Produktentwicklungen und neue Geschmacksrichtungen für die Lebensmittelindustrie. Die Suche „nach dem Geschmack des Verliebtseins liefert Ansatzpunkte für ein besseres Verständnis dafür, wie die Geschmackswahrnehmung funktioniert und wie sie von Emotionen beeinflusst wird“, sagt Lohmann.

Das Ziel solcher Forschungen ist die Herstellung von individuell hergestellten Nahrungsmitteln. „Wir könnten bei der Entwicklung des sogenannten personalized food einen großen Schritt weiterkommen“, ist Lohmann überzeugt. Eine solche Ernährung könnte für Leistungssportler interessant sein: „Bei einer sensorischen Studie zeigte sich, dass Marathonläufer zu Beginn eines Wettbewerbs eher saure Getränke bevorzugen.“ Nachdem sie ein ganzes Stück gelaufen sind, „greifen sie dagegen eher zu süßen, traubenzuckerhaltigen Flüssigkeiten“.

Der Geschmackstest mit je einer süßen, sauren, salzigen, bitteren und neutralen Substanz war ebenso eindeutig. „Verliebte wichen um bis zu zwei Konzentrationsstufen vom Empfinden der Nichtverliebten ab“, fasst Lohmann das Ergebnis zusammen. Um sicher zu gehen, wirklich Verliebte im Test zu haben, maßen die Bremerhavener Wissenschaftler den Gehalt an Schmetterlingen im Bauch und die Sehstärke der rosa Brillen mit der „passionate love scale“. Diese Abfrage wird auch von Neurowissenschaftlern und Frauenmagazinen verwendet.

Trotz des eindeutigen Resultats sind Lohmann die Grenzen des wissenschaftlich Machbaren bewusst: „Wir werden kaum verhindern können, dass verliebte Köche das Essen versalzen. Denn das hat nichts mit dem Geschmacksempfinden zu tun, sondern einfach damit, dass diese Köche mit ihren Gedanken ganz woanders sind.“

lni