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12:36 03.12.2019
Im Saarland werden nun Hunde ausgebildet, tote Wildschweine aufzuspüren, die auf das Virus 'Afrikanische Schweinepest' (ASP) untersucht werden sollen. Quelle: Oliver Dietze/dpa
Wadgassen

Jagdhund Otto sucht Stück für Stück in großen Runden ein Waldstück ab. "Such, Otto, such!", ruft ihm sein Herrchen René Wiese zu. Plötzlich stoppt der hellbraune Mischling und setzt sich: Vor ihm liegt ein Stück totes Wildschwein im Laub. "Fein!", lobt Berufsjäger Wiese. Otto ist ein besonderer Suchhund: Er ist einer der ersten sechs Hunde in Deutschland, die im Saarland zum geprüften Wildschweinkadaver-Suchhund ausgebildet worden sind. Ihr Ziel: Wenn eines Tages die Afrikanische Schweinepest (ASP) ausbricht, sollen sie mit ihren geschulten Nasen möglichst schnell tote Schwarzkittel im Wald aufspüren.

Gegend des Wildschweinfundes muss desinfiziert werden

"Das schnelle Entfernen des Kadavers wird dann total wichtig sein, weil er ein unglaublicher Infektionsherd ist", sagt Wiese bei einer Übung mit den Hunden im saarländischen Wadgassen-Friedrichweiler. Amtstierärztin Elisabeth Groß von der obersten Jagdbehörde, die mit ihrer Hündin Nelly bei der Erarbeitung des Lehrgangs mitgemacht hat, sagt sogar: "Das wird der Knackpunkt bei der Bekämpfung der ASP sein." Auch im Umkreis des toten Tieres müsse die Gegend dann umfassend desinfiziert werden. "Es ist ein hochvirales Virus, das sehr beständig ist."

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Ausbildung für Hunde bislang nur im Saarland

Behörden in den Bundesländern bereiten sich seit zwei Jahren mit vielen Maßnahmen auf einen möglichen ASP-Ausbruch vor. Eine Ausbildung für speziell geschulte Kadaver-Suchhunde mitsamt Leistungsnachweis gebe es aber bisher nur im Saarland, sagt der Leiter des Referates Waldwirtschaft und Jagd im saarländischen Umweltministerium, Hubertus Lehnhausen. Er hatte die Idee für das Pilotprojekt. Warum? "Weil man die Schweine nicht mit Menschenketten suchen kann, wenn die Schweinepest ausbricht."

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Virus wird durch Schmutzanhaftung verbreitet

Zum einen nicht, weil Menschen beim Absuchen eines großen Geländes die Kadaver unter Büschen und im Geäst leicht übersehen würden. Zudem führe das Durchlaufen eines Sperrgebietes eher zur Verbreitung der Seuche: "Die Übertragung des Virus durch Schmutzanhaftungen zum Beispiel an Schuhen oder Autoreifen ist sehr groß", erklärt Expertin Groß. Und schließlich würden so bereits infizierte Wildschweine aufgescheucht und weggetrieben. Die ASP ist eine Viruskrankheit, die Wild- und Hausschweine befallen und töten kann. Für Menschen ist sie ungefährlich.

Die ASP breitet sich immer weiter um die Welt aus. Am schlimmsten grassiert sie zurzeit in Asien und Osteuropa. Deutschland blieb bisher verschont, aber Fälle in Polen nahe der Grenze zu Brandenburg verstärken die Sorge vor einer Einschleppung. Das Saarland im Westen der Republik richtet seinen Blick eher Richtung Belgien, wo die Seuche im September 2018 bei Étalle nahe der luxemburgischen Grenze ausgebrochen ist. "Das ist zum nördlichen Saarland nur noch 35 Kilometer entfernt", sagt Groß.

Mehr Hunde sollen für die Kadaver-Suche ausgebildet werden

Die Kadaver-Suchhunde stehen im Saarland nun für den Fall der Fälle bereit. Bald kommen weitere hinzu: Die nächste Prüfung sei noch vor Weihnachten angesetzt. "Ich hätte gerne 30 Stück im Saarland", sagt Lehnhausen. Werde doch ein Restriktionsgebiet eine Größe von 1.000 bis 3.000 Hektar haben. "Das ist ein ganzer Wald." Die Hunde würden aber bei ihrer Suche am Tag jeweils maximal fünf Hektar schaffen. "Wir wollen künftig noch weitere Hunde dafür ausbilden", kündigt Umweltminister Reinhold Jost (SPD) an.

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Hundestaffel der Bundespolizei hilft bei Übungen

Den speziellen Lehrgang mit Prüfung hat das Ministerium als oberste Jagdbehörde mit der Vereinigung der Saar-Jäger und einer privaten Hundeschule erarbeitet. Gut ein Jahr hat es gedauert. Unterstützung bekamen die Saarländer vom Leiter der Hundestaffel der Bundespolizei in Koblenz, der auf Anfrage des Saar-Ministeriums regelmäßig bei Übungen dabei war. Er habe ihnen unter anderem das Kisten-Training gezeigt, das auch bei Sprengstoffsuchhunden eingesetzt werde, sagt Wiese.

Das geht so: Mehrere flache Holzkisten stehen nebeneinander. In einer ist etwas versteckt, das der Hund besonders mag - zum Beispiel ein Spielzeug oder - wie bei Otto - Futter. Mehrmals lässt man den Hund suchen: Er findet das Objekt der Begierde schnell. Dann legt man ein Stück totes Wildschwein in die Kiste mit dem Spielzeug und koppelt beide Gerüche zusammen. Nach mehreren Suchen nimmt man das Spielzeug weg - und der Hund findet das tote Schwein auch ohne Spielzeug.

GPS-Gerät zeigt die Fundorte der Kadaver an

Nach dem Kistentraining ging es dann ins Gelände: "Wir haben von den Wildschweinen Ohren, Beine, Schwarten und dann selbstgebaute Dummies mit verwesendem Fleisch ausgelegt und suchen lassen", erzählt Groß. Ihre Jack Russell-Hündin ist gerade im Wald fündig geworden und zeigt den Fund durch Bellen an. Nelly trägt ein GPS-Gerät, das über einen Sender dem Hundeführer am Display anzeigt, wo der Hund gesucht hat. "Das ist wichtig, damit kein Bereich übersehen wird", sagt Lehnhausen.

Wildschweine werden bereits intensiv bejagt

In Rheinland-Pfalz gibt es nach Angaben des Landesjagdverbandes keine entsprechende Initiative zur Ausbildung. Es sei "von entscheidender Bedeutung, eine mögliche Einschleppung schnellstmöglich zu erkennen", um Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung einzuleiten, sagt auch der Sprecher des Verbandes. Um die Folgen eines Ausbruchs gering zu halten, würden die Wildschweine schon seit längerem intensiv bejagt.

Die neue Ausbildung im Saarland mit Prüfung dauere rund drei Monate, sagt Groß. "Das Modell könnte bundesweit Schule machen." Wiese berichtet, es gebe schon etliche Anfragen aus anderen Bundesländern. Man merke: "Wir haben Neuland betreten."

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RND/dpa

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