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12:43 04.05.2009
Manche Reisebüros bieten Kreuzfahrten für Nierenkranke an. Quelle: MSC Kreuzfahrten GmbH/ddp
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Mehrmals in der Woche muss sich Josette Georgin dem stundenlangen Blutreinigungsverfahren unterziehen. Weil sie jederzeit auf Kliniken angewiesen sind, sind lange Reisen für Patienten mit einem Nierenversagen beinahe unmöglich. Doch dann entdeckte Josette ein Reisebüro, das Luxuskreuzfahrten für Dialyse-Patienten anbietet. Das Geschäft boomt, für das erste Halbjahr sind alle Plätze restlos ausgebucht.

„Wie ein Gefängnis ohne Gitterstäbe“ empfindet Josette ihre Krankheit. „Aber auf dem Schiff vergesse ich manchmal sogar, dass ich Dialyse-Patientin bin.“ Um den Kranken eine solche Reise ermöglichen zu können, haben die Reiseveranstalter eine Partnerschaft mit dem deutschen Fresenius-Institut, das Produkte für Patienten mit Nierenversagen anbietet und die Luxusliner mit den nötigen Dialyse-Geräten versorgt. Drei Kreuzfahrtschiffe der Gesellschaft Costa Kreuzfahrten sind mit einer solchen schwimmenden Klinik ausgestattet, auch Krankenschwestern und ein Nierenspezialist sind mit an Bord.

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Rund 15 solcher Fahrten bietet etwa das Gérard Pons Reisebüro im französischen Bordeaux pro Jahr an, auf jedem Schiff gibt es zwölf Plätze für Dialyse-Patienten. Im vergangenen Jahr verdiente das Reisebüro damit rund 800.000 Euro, das sind zwölf Prozent des Umsatzes. Dabei ist ein Platz auf einem der Luxusliner nicht viel teurer als für gesunde Passagiere. Lediglich ein Aufpreis bei der Reiseversicherung fällt an, die Kosten für die Dialysen übernimmt die Krankenversicherung des Patienten, die Behandlung ist auf hoher See nicht teurer als in Kliniken an Land.

Das Durchschnittsalter, ab dem Nierenpatienten an Dialyse-Geräte angeschlossen werden, liegt bei rund 65 Jahren. Doch unter den Patienten auf den Kreuzfahrtschiffen finden sich auch jüngere Passagiere. So verbrachte auch ein 16-jähriger Junge trotz seiner Krankheit mit seiner Familie einen beinahe normalen Urlaub, ein junges Pärchen feierte seine Flitterwochen, ein anderes seinen fünften Hochzeitstag auf einem Schiff. Dabei versucht die Crew, die Patienten vollständig in die Gruppe der gesunden Passagiere zu integrieren. „Bis auf das Personal weiß sogar niemand, dass ich auf die Dialyse angewiesen bin“, sagt Josette, die schon mehrere Fahrten mitgemacht hat.

Die mehrstündigen Therapien finden statt, wenn das Schiff auf See ist, damit keiner die Touren an Land verpasst und das Gefühl normaler Ferien genießen kann. „Ich bin im Urlaub - die Dialyse ist nur ein kleiner Teil davon“, sagt Josette. Bislang bietet Pons in seinem Reisebüro vor allem Trips im Mittelmeer und nach Nordeuropa an, doch er hofft, schon bald die Vereinigten Arabischen Emirate als Reiseziel aufnehmen zu können. „Die Dialyse-Passagiere sind gespannt“, sagt Pons. „Auch sie wollen Neues entdecken.“

afp