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12:57 22.11.2015
Philippinische Fischer bereiten ihre Boote auf einen Sturm vor. Quelle: EPA/Ritchie B. Tongo/dpa
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Manila

Auf Madagaskar östlich von Afrika müssen Fischer immer früher am Morgen aufbrechen und weiter hinausfahren, um genügend Fisch fangen zu können. Den Fidschi-Inseln im Indischen Ozean geht wegen immer längerer Dürren das Trinkwasser für ihre 800.000 Einwohner aus, die Pazifikstaaten Palau und Kiribati richten sich auf einen Massenexodus ein, weil die Inseln unbewohnbar werden könnten.

Während Politiker und Wissenschaftler auf internationalen Konferenzen, wie demnächst in Paris (30.11.-11.12.), über verheerende Folgen des Klimawandels reden, ist er für die Menschen in Inselstaaten längst Realität. "Bei uns geht es nicht darum, Schreckensszenarien an die Wand zu malen. Wir erleben es hautnah, tagtäglich", sagt der Umweltexperte Tojonirina Mmarolahy im Außenministerium Madagaskars. "Wir brauchen Politikwandel und Aktivitäten, um das Schlimmste noch zu verhindern."

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Fischfang, das sei immer die Lebensgrundlage seiner Landsleute gewesen. Heute seien Fischgründe teils durch giftige Algen verseucht, die sich wegen höherer Meerestemperaturen ausbreiten. "Sie essen, um zu leben, aber dass Leute nun sterben, wenn sie Fisch essen, das zeigt die Dimension des Problems", sagt er bei einer Konferenz über gefährdete Inselstaaten in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Die Philippinen erlebten 2013 den schwersten Taifun, der je an Land kam. Durch "Haiyan" kamen mehr als 6300 Menschen um und Millionen verloren alles Hab und Gut. Taifune sind in dieser Region zwar normal, aber die Unwetter werden seit einigen Jahren immer verheerender. Neben Tod und Zerstörung hat "Haiyan" auch die Lebensgrundlage in der Region zerstört. "Es gibt kaum noch Fisch. Wenn wir Glück haben, finden wir ein Kilogramm am ganzen Tag", sagt Fischer Edwin Cinco. Das reicht kaum zum Überleben. Er züchtet jetzt Schweine und fährt nebenbei Rikscha, um seine Familie durchzubringen.

Die Fidschi-Inseln östlich von Australien gelten mit ihren Palmen und Sandstränden als Südseeparadies, aber der Schein trügt. Immer verheerendere Dürren suchen den Inselstaat heim. Es ist heißer, und die Dürren dauern länger als früher. "Wir müssen Wasser schon jetzt rationieren. Wenn die Temperaturen weiter steigen, könnten wir 2030 kein Trinkwasser mehr haben", sagt Fidschis Klimaexperte Semi Qamese. 22 Millionen Menschen leben auf den Fidschi-Inseln. Die Erosion an den Küsten werde auch immer deutlicher. "Millionen müssen womöglich in den nächsten Jahren weiter ins Landesinnere ziehen", sagt er.

Den relativen Luxus eines höher gelegenen Landesinneren haben pazifische Inselstaaten wie Kiribati und Palau nicht. Sie sind fast völlig flach. Immer öfter überspülen Sturmfluten das Land, Böden versalzen, Strände und Küstenstreifen versinken. "Die Leute sind hier geboren, sie wollen trotz der Risiken nicht weg", sagt der Umweltberater der Regierung, Joseph Aitaro. "Wenn die Alten künftigen Generationen erzählen, wie sie früher fischen gingen und am Strand spielten, wird sich das für die Jungen wie Disneyland anhören."

"Unser Präsident sagt immer: Wir haben das Land nur von unseren Kindern geborgt", sagt Aitaro. "Das spornt mich an." Die Inselstaaten zählen auf echte Ergebnisse zum Aufhalten des Klimawandels in Paris. "Wir wollen doch nur überleben", sagt er.

dpa

20.11.2015
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