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14:55 13.04.2009
Problemloser Einkauf, leichtes Betrinken.
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„Wir beobachten mit Sorge, dass die Alkohol-Patienten immer jünger werden und bereits Kinder unter 15 Jahren mit einem Vollrausch ins Krankenhaus kommen“, sagte der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, der „Frankfurter Rundschau“ vom Samstag. In Berlin wurde an Ostern eine Zwölfjährige volltrunken aufgegriffen.

Nach den Daten der Krankenkasse stieg zwischen 2007 und 2008 die Zahl der durch Alkoholmissbrauch verursachten Klinikaufenthalte von unter 15-Jährigen von 177 auf 214. Hochgerechnet ergebe dies bundesweit knapp 2400 Fälle von akutem Alkoholrausch in der Altersgruppe. Zudem lägen in dieser Gruppe seit zwei Jahren die Mädchen vor den Jungen.

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In Berlin riefen Passanten am Sonntagabend die Feuerwehr, weil ein zwölfjähriges Mädchen betrunken und nicht mehr ansprechbar auf dem Gehweg lag. Sie wurde nach Polizeiangaben zur Ausnüchterung ins Krankenhaus gebracht. In einem anderen Berliner Stadtteil kam der Rettungswagen zu einer 13-Jährigen, die um Luft rang. Sie hatte sich nach erheblichem Alkoholkonsum mehrfach übergeben. Mitte vergangener Woche waren in Paderborn drei betrunkene Kinder zwischen elf und 13 Jahren ins Krankenhaus gebracht worden.

Klusen sieht im Schutz der Jugendlichen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es sei ein Problem, „wenn die Bierflasche, das Glas Wein und die Zigarette beim Fernsehen in der Familie immer präsent“ seien. Supermärkte, Tankstellen und Gastronomen müssten in die Pflicht genommen, Alterskontrollen verstärkt werden.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte, die gesetzlichen Bestimmungen zur Alkoholabgabe an Jugendliche klar zu verschärfen. Er rügte „zu laxe Kontrollen durch die Ordnungsämter“. Es müsse eine grundsätzliche Ausweispflicht für junge Alkoholkäufer geben, forderte er in der „Frankfurter Rundschau“. Er regte zudem höhere Strafen für Gastronomen oder Einzelhändler an, die Minderjährigen illegal Alkohol verkauften.

afp