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Wissen Immer auf die Kleinen: Werden jüngere Schulkinder leichter depressiv?
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13:41 25.09.2019
Einer Studie zufolge könnte es psychische Folgen haben, wenn Kinder immer die kleinsten ihrer Klasse sind. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
London/Tübingen

Zu den jüngsten Kindern einer Klasse zu gehören erhöht das Risiko für Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen oder für Depressionen. Dies berichten Wissenschaftler nach der Auswertung von Daten von gut einer Million Kinder aus Großbritannien im Fachmagazin „Jama Pediatrics“. Die Gründe dafür seien unklar. Vermutlich seien die jüngeren Kinder einfach unreifer als ihre älteren Klassenkameraden. Denkbar sei aber auch, dass solche Probleme bei jüngeren Kindern häufiger diagnostiziert würden. Insgesamt war das Risiko der Kinder für die betrachteten Störungen gering.

Für Studie Diagnosen einer bestehenden Datenbank genutzt

Es sei nahe liegend, dass es jüngere und damit per se unreifere Kinder in einer Schulklasse schwerer haben und dass Lehrer auf diese Kinder besonders aufmerksam achten müssen, sagt Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Allerdings müsse man beachten, dass bei der Analyse von großen Datenmengen wie in der Studie leicht ein statistischer Zusammenhang herzustellen sei. „Man muss sich dann aber fragen: Ist das klinisch von Bedeutung?“, sagt die Expertin, die nicht an der Untersuchung beteiligt war.

Die Forscher um Adrian Root von der London School of Tropical Hygiene and Medicine hatten für ihre Studie eine Datenbank genutzt, in der die Untersuchungen und Diagnosen von Kindern gespeichert sind. Sie werteten Angaben zu gut einer Million Kindern zwischen vier und 15 Jahren aus. Die Forscher teilten die Kinder nach ihrem Geburtsmonat in vier Gruppen ein – von den jüngsten eines Jahrgangs bis zu den ältesten. Dann prüften sie, ob es einen Zusammenhang gibt mit der Diagnose von Lernschwierigkeiten, ADHS –Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – oder Depression bis zum Alter von 16 Jahren.

Dass man das als Hinweis nimmt, speziell auf die Jüngeren ein besseres Augenmerk zu richten, ist sicher eine wichtige Botschaft. Aber das ist unter erfahren Pädagogen ohnehin bekannt.

Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

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Übertragung der Studienergebnisse auf Deutschland ist schwierig

Bei allen drei Krankheiten hatten die jüngsten Kinder ein leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zu den ältesten Kindern einer Jahrgangsstufe. So bekamen etwa von 100.000 Kindern 2361 der jüngsten Kinder die Diagnose ADHS im Vergleich zu 1741 der ältesten Gruppe. Bei Depression waren es 1087 im Vergleich zu 833. Insgesamt hatten die jüngsten Kinder ein 1,3-mal höheres Risiko für Lernschwierigkeiten und Depression und ein 1,4-mal höheres Risiko für ADHS als die ältesten Kinder. Weitere Untersuchungen seien nötig, um Wege zu finden, wie sich die negativen Assoziationen zwischen jüngerem relativem Alter und akademischem Erfolg und Gesundheit abmildern lassen.

Es sei grundsätzlich bemerkenswert, dass in allen drei Parametern die jüngeren Kinder schlechter abschnitten als die älteren, sagt Krägeloh-Mann. „Dass man das als Hinweis nimmt, speziell auf die Jüngeren ein besseres Augenmerk zu richten, ist sicher eine wichtige Botschaft. Aber das ist unter erfahren Pädagogen ohnehin bekannt.“ Insgesamt seien die Raten der untersuchten Erkrankungen „erfreulich niedrig“.

Die Direktorin der Klinik für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie der Uni Tübingen bemängelt, dass in der Studie nicht genau aufgeschlüsselt sei, welche Probleme der Kinder zu der untersuchten Diagnose geführt hätten. Die Übertragung der Studienergebnisse auf Deutschland sei zudem schwierig, unter anderem auch, weil Kinder hierzulande erst mit sechs Jahren eingeschult werden. In Großbritannien gehen die Kinder früher zur Schule, mit vier bis fünf Jahren. Außerdem könnten Kinder für ein Jahr zurückgestellt werden, wenn die Schuleingangsuntersuchung eine fehlende Reife bescheinige.

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RND/dpa

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