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Wissen Glühwein selbst gemacht: Die besten Rezepte
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16:58 22.11.2020
Glühwein schmeckt nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt, man kann ihn auch prima zu Hause zubereiten und genießen. Quelle: Getty Images/iStockphoto
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Er läutet den Winter ein, schmeckt eigentlich nur, wenn es draußen knackig kalt ist (was einen nicht vom Trinken abhalten muss), ist für einige fiese Kater am nächsten Morgen verantwortlich und es gibt ihn vermutlich länger als Weihnachtsmärkte: Glühwein. Das traditionsreiche Getränk ist aus der Winter- und Weihnachtszeit kaum wegzudenken.

Ältestes Rezept ist 2000 Jahre alt

Das Must-Have-Wintergetränk schmeckt nicht nur, es hat auch eine lange Geschichte. So wurde bereits im alten Rom Gewürzwein getrunken, damals allerdings noch kalt. Das älteste erhaltene Kochbuch der Welt, das Kochbuch des Apicius, ist 2000 Jahre alt und enthält ein Rezept für Gewürzwein, dem Conditum Paradoxum, der dem heutigen Glühwein recht nahe kommt. Hierbei wurde Honig mit Rotwein eingekocht und folgende Gewürze hinzugefügt: Pfeffer, Mastix, Lorbeerblätter, Safran, geröstete Dattelkerne und Datteln. Zum Schluss wird die Mischung mit zusätzlichem Wein verdünnt – fertig ist der Gewürzwein aus dem 3. Jahrhundert.

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Vom Angebergetränk zum Kassenschlager

Die ganzen Gewürze wurden früher vor allem eingesetzt, um den sauren Wein schmackhafter und länger haltbar zu machen. Außerdem sah man auch einen gesundheitlichen Nutzen in Gewürzweinen – ohne den Wein haben etliche Gewürze tatsächlich eine wohltuende Wirkung. Doch gerade feine ausländische Gewürze waren früher kaum bezahlbar. So konnte Conditum Paradoxum lange Jahre ausschließlich von gutbetuchten Bürgern getrunken werden und war ein wahres Angebergetränk.

Das älteste deutsche Glühweinrezept kommt übrigens aus Sachsen, vom Historiker August Josef Ludwig von Wackerbarth, der von 1770 bis 1850 gelebt hat. Das Schloss Wackerbarth ist bis heute ein Weingut – doch das wiedergefundene Rezept, datiert auf den 11. Dezember 1843, werden die Betreiber so wohl nicht nachmachen, auch wenn es aus der Familie stammt. Denn für einen Liter sah August von Wackerbarth vier Loth (ein Loth entspricht knapp 60 Gramm) Zimt, zwei Loth Ingwer, ein Loth Anis, ein Loth Granatapfel, ein Loth Muskatnüsse, ein Loth Kardamom sowie ein Gran (heute rund 60 Milligramm) Safran vor. Das Ganze wurde dann noch mit Zucker oder Honig gesüßt.

Im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden ist eine Textpassage einer Niederschrift von August Josef Ludwig von Wackerbarth, auch August Raugraf von Wackerbarth genannt, zu sehen, welches die Zubereitung eines mit Gewürzen versetzen Rotweines erläutert. Quelle: picture alliance / dpa

Heute ist der Hype um den Glühwein ungebrochen und Rezepte und Gewürze findet man zum Glück einfacher, als noch vor 2000 Jahren. Und Variationen gibt es heute unzählige. Hier die passenden Rezepte für jeden Geschmack:

Selbstgemachter Glühwein: Welcher Wein?

Bei der Mixtur sollte auf Qualitätsweine geachtet werden. „Die Basis für einen wohlschmeckenden Glühwein ist ein guter Rot- oder Weißwein, vorzugsweise aus den heimischen Weinregionen. „Die deutschen Weine sind von Natur aus sehr fruchtbetont und benötigen von daher nur noch wenig würzende Zutaten“, erläutert Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI). Bei einem roten Glühwein würden sich ebenfalls fruchtbetonte Rotweine, wie Spätburgunder, Dornfelder oder Portugieser anbieten, da sie mit den Gewürzen gut harmonierten. Auch Trollinger, Merlot, Zweigelt oder Montepulciano eignen sich gut.

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Glühwein selber machen: Gewürze vorsichtig dosieren

Beim Mixen des Glühweins sollten nicht zu viele Gewürze auf einmal verwendet und obendrein vorsichtig dosiert werden: Zu viel Gewürznelke macht den Glühwein ungenießbar, so ein Tipp des Deutschen Weininstituts. Auch Zimtstangen, Sternanis und Piment können bei zu hoher Konzentration die Fruchtaromen des Weins überdecken. Auch beim Süßen mit Honig oder Agavendicksaft sollte man lieber zurückhaltend sein, ergänzt Büscher vom DWI. „Wer bereits lieblichen Wein verwendet, braucht häufig nicht mehr viel Zucker oder auch Honig“. Weitere beliebte Gewürze sind: Nelken, Vanilleschoten, Kardamom, getrocknete Orangenschalen, Ingwer, Koriandersaat, Wacholderbeeren, Fenchelsamen, Lorbeerblätter oder Muskat.

Glühwein erwärmen: So erhalten Sie die Fruchtnote

Ernst Büscher vom DWI gibt noch weitere Tipps: „Beim Erwärmen des Glühweins sollte man darauf achten, dass er nicht zu stark erhitzt wird oder gar siedet“. Ansonsten würden die filigranen Fruchtaromen verloren gehen. „Ab einer Temperatur von 78 Grad Celsius entweicht zudem der Alkohol. Nach dem ersten Erhitzen kann der Glühwein ruhig ein paar Stunden ziehen, vielleicht sogar über Nacht, damit sich die Aromen voll entfalten“. Im Anschluss wird der Glühwein durch ein Sieb gegossen, damit die Gewürze beim Trinken nicht stören.

Tipp: Beim Kochen des Glühweins ein Edelstahl-Gefäß verwenden. Denn Aluminium, Zinn oder Kupfer können Stoffe an das Getränk abgeben, die in großen Mengen schädlich sind.

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Rezept für roten Glühwein

Für den Klassiker sollte ein trockener Rotwein mit fruchtiger Note gewählt werden (Beispiele siehe oben). Die Zutatenliste ist überschaubar, die Zubereitung denkbar einfach:

  • Trockener Rotwein (1 Flasche à 750 ml ergibt ca. sechs Portionen)
  • 1 unbehandelte Orange, in Scheiben geschnitten
  • 6 Nelken
  • 3 Zimtstangen
  • 3 Sternanis
  • Honig oder Zucker
  • Brandy nach Belieben

Alle Zutaten in einem mittelgroßen Topf erhitzen, aber nicht kochen lassen. Mit Honig oder Zucker nach Belieben süßen.

Rezept für weißen Glühwein

Dieser weiße Glühwein ist fruchtig und erfrischend und nicht so schwer wie der klassische Glühwein. Das Rezept könnte auch im Sommer für eine fruchtige Bowle herhalten – jetzt im Winter wird es aber heiß getrunken. Man benötigt zu gleichen Teilen (zum Beispiel jeweils ein Liter):

  • Heller Traubensaft
  • Ananassaft
  • Trockener Weißwein
  • Honig nach Belieben
  • Jeweils ein Teelöffel Anis, Nelken und Kardamom
  • Eine Zimtstange

Alles in einem Topf erhitzen, nicht aufkochen lassen und bei schwacher Hitze eine halbe Stunde ziehen lassen, so kommen die Gewürze am besten zur Geltung. Ein lieblicher Glühwein, der bestimmt auch den Nicht-Fans schmecken wird. Für roten wie für weißen Glühwein gilt: aromatische Sorten wie Silvana, Bacchus, Riesling, Kerner oder Müller-Thurgau eignen sich am besten.

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Rezept für heißen Schoko-Glühwein

Heiße Schokolade mit Rotwein? Ja, das passt ziemlich gut zusammen. Je nach Vorlieben kann man schon bei der Wahl der Schokolade (Vollmilch oder Zartbitter) zwischen süß oder herb wählen. Wem es nicht süß genug sein kann, fügt sogar noch Zucker hinzu. Für zwei kleine Tassen benötigt man:

  • 170 Milliliter trockenen Rotwein (zum Beispiel Cabernet Sauvignon)
  • 170 Gramm Zartbitter- oder Vollmilchschokolade
  • 125 Milliliter Vollmilch
  • Zwei Teelöffel Zucker (optional)
  • Eine Prise Salz
  • Einen halben Teelöffel Vanilleextrakt

Alle Zutaten bis auf das Salz und die Vanille in einen Topf geben und die Masse langsam erhitzen, um die Schokolade zu schmelzen. Dabei den Topf immer im Auge behalten – Schokolade kann schnell anbrennen. Den Schoko-Glühwein vom Herd nehmen, bevor er aufkocht. In zwei Tassen füllen, Vanille und Salz hinzufügen und heiß genießen.

Rezept für finnischen Glögi

Mehr Wums hat dieses Rezept: Finnischer Glühwein mit Wodka – besser bekannt als Glögi. Auch die Finnen fingen früh an (versuchen Sie mal, diesen Satz nach zwei oder drei Glögi fehlerfrei auszusprechen), ihren Wein mit Gewürzen zu versehen und sind deswegen vielleicht die wahren Erfinder des Glühweins: Sie erhitzten ihn. Alter Finne, eine tolle Idee. Für Ihren Glögi benötigen Sie:

  • Eine Flasche Rotwein (700 Milliliter)
  • Zwei Sternanis und zwei grüne Kardamomkapseln
  • Eine Zimtstange
  • Sechs Nelken
  • Etwas geriebenen Muskat
  • Schale einer Bioorange
  • Drei Esslöffel braunen Zucker oder Rohrzucker
  • 100 Milliliter Wodka
  • Gehobelte Mandeln und Rosinen zum Servieren.

Alle Zutaten bis auf den Wodka, die Rosinen und Mandeln in einem Topf erhitzen. Das Gemisch dabei nicht aufkochen lassen und eine knappe halbe Stunde zugedeckt ziehen lassen. Vor dem Servieren den Wodka hinzufügen. Rosinen und Mandeln in kleine Schalen füllen – sie können in den heißen Glögi gemischt werden. Durch die Hitze geben sie ihre Aromen ab und können anschließend gelöffelt werden. Na dann: Kippis! (Das bedeutet „Prost“ auf Finnisch.)

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Rezept für Kinderpunsch (alkoholfreier Glühwein)

Wer keinen Alkohol trinken möchte, hat mittlerweile eine sehr vielfältige Auswahl. Auch für Zuhause kann man den wärmenden Punsch ganz einfach selber machen. Für zwei große Tassen benötigen Sie lediglich:

  • 150 Milliliter Holundersaft
  • 150 Milliliter Apfel-Birnen-Saft

Dazu gesellen sich ein Esslöffel Honig, ein Sternanis und ein paar Nelken. Den Punsch erhitzen und kurze Zeit durchziehen lassen. Heiß trinken – und über ein katerfreies Erwachen freuen.

Alkohol und Zucker: Eine echte Kalorienbombe

100 Milliliter Glühwein enthalten circa 80 bis 100 Kalorien. Das süße Vorweihnachtsgetränk ist also eine echte Kalorienbombe. In einen Glühwein-Becher passen üblicherweise circa 200 Milliliter. Ein Glas Glühwein kann also ein Zehntel des täglichen Kalorienbedarfs ausmachen.

Glühwein maßvoll genießen

Nichts ist gegen einen Schluck heißen Glühwein bei frostigen Temperaturen einzuwenden. Glühwein sollte aber – bei einem Alkoholgehalt von mindestens 7 Vol.-% bis maximal 14,5 Vol.-% – in Maßen genossen werden. Im ersten Augenblick wärmt der Glühwein zwar, der Alkohol (Ethanol) im Heißgetränk erweitert aber die Blutgefäße, sodass mehr Blut an die Hautoberfläche gelangt. Der Körper verliert mehr Wärme als zuvor und kühlt ab. Die Folge: Man friert schneller.

Von Alice Mecke, Jessica Schantin/RND

Der Artikel "Glühwein selbst gemacht: Die besten Rezepte" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.