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Wissen Gemeinsames Familienessen: Wichtig für Geist und Seele
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09:01 05.09.2019
Das gemeinsame Essen stärkt den Familienzusammenhalt. Quelle: vectorfusionart - stock.adobe.com

"Die Tomaten habe ich auf den Teig gelegt“, erzählt Mia stolz ihrem Vater. „Und ich habe den Käse drübergestreut“, sagt ihr Bruder Paul. „Da habt ihr ja die Pizza fast allein gebacken!“, stellt ihr Vater anerkennend fest. „Hm“, meint Mia und nickt mit vollem Mund. „Ich musste kaum helfen“, bestätigt ihre Mutter. Die beiden Geschwister strahlen. Gemeinsam Mahlzeiten vorbereiten, zusammen am Tisch sitzen und in der Runde essen – das ist nicht nur ein schönes Ritual, sondern stärkt auch den Familienzusammenhalt: „Das gemeinsame Essen mit der Familie ist wie ein großartiges soziales Lagerfeuer“, sagt Ernährungspsychologe Thomas Ellrott. „Es ist enorm wichtig für Bindungen. Eingebettet sein in die Gemeinschaft – das schweißt zusammen, gibt sozialen Halt und sorgt damit am Ende auch für psychische und körperliche Gesundheit“, erläutert der Wissenschaftler, der das Institut für Ernährungspsychologie in Göttingen leitet.

Smartphone am Tisch ist ein Tabu

Oft sei die gemeinsame Mahlzeit eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Familienmitglieder überhaupt noch zusammenkommen, Zeit füreinander haben und beim gemeinsamen Essen Stress abbauen können, ist Ellrott überzeugt. Dabei sollten positive Gesprächsinhalte dominieren: Streit und unangenehme Themen wie Schwierigkeiten in der Schule, Probleme bei der Arbeit, das Chaos im Kinderzimmer oder das kaputte Auto sollten möglichst vom Tisch fern gehalten werden, sagt Ellrott und betont: „Auch das Smartphone stört das Zusammensein und sollte zu den gemeinsamen Mahlzeiten tabu sein.“ Während des Zusammensitzens ständig nebenbei zu chatten oder Mails zu checken sei schlichtweg respektlos gegenüber den anderen. Generell rät der Ernährungspsychologe zu ein paar Regeln, an die sich jeder halten sollte. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch, dass möglichst jeder so lange sitzen bleibt, bis alle mit dem Essen fertig sind.

Streit und unangenehme Themen wie Schwierigkeiten in der Schule, Probleme bei der Arbeit, das Chaos im Kinderzimmer oder das kaputte Auto sollten möglichst vom Tisch fern gehalten werden

Thomas Ellrott, Ernährungspsychologe

Risiko von Fettleibigkeit sinkt

Jeder solle sich außerdem beim Essen selbst den Teller füllen, da nur jeder selbst für sich entscheiden könne, ob und wie viel Hunger er habe. Das minimiert letztlich auch das Wegwerfen von Resten. Andererseits mahnt der Ernährungspsychologe, Kinder nicht dazu zu zwingen, alles aufzuessen: „Sie bekommen sonst kein Gefühl dafür, wann sie wirklich satt sind und essen weiter.“ Dieses Verhalten könne schwerwiegende Folgen wie Fettleibigkeit haben. „Besser ist es, mit den Kindern zu sprechen und ihnen klarzumachen, dass sie nächstes Mal weniger auf den Teller tun sollten“, rät Ellrott.

Bei der Zusammenkunft dominiert jedoch nicht nur das gemeinsame Essen. Auch beim Kochen, Tischdecken und Abräumen geht es darum, dass möglichst alle Familienmitglieder mit eingebunden sind: „All das trägt zur Gemeinschaft bei“, meint Ellrott. Er verweist auf repräsentative Umfragen, die zeigen, dass Menschen im Rückblick auf ihre Kindheit und Jugendzeit solche familiären Traditionen besonders schätzen.

Schließlich gelten die gemeinsamen Mahlzeiten noch aus einem anderen Grund als gesund: Wer häufig am Familientisch isst, wird seltener dick. Das belegen Studien. So haben etwa Forscher der Harvard Medical School herausgefunden, dass allein essende Kinder viel öfter Fertiggerichte und Fast Food auf dem Teller haben als Kinder, die zusammen mit ihren Eltern essen. Mehr Obst, Gemüse, Vitamine und Mikronährstoffe, weniger frittierte Lebensmittel und Limonaden: Die Forscher sind sicher, dass sich diese Ernährungsvorteile auch nach dem Erwachsenwerden immer noch auszahlen. Denn junge Erwachsene, die als Teenager regelmäßig mit der Familie gegessen haben, neigen erwiesenermaßen weniger zu Fettleibigkeit und ernähren sich gesünder, wenn sie später selbstständig leben.

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Wortschatz von Kindern wird gestärkt

Darüber hinaus hat die Wissenschaft einen weiteren Vorteil von gemeinsamen Tischrunden innerhalb der Familie ausgemacht: Tischgespräche während der Mahlzeiten steigern bei kleinen Kindern den Wortschatz noch stärker als Vorlesen. Für ihre Studien haben Wissenschaftler die Anzahl eher seltener Wörter gezählt, die während der Unterhaltung von Familien beim Essen gefallen sind. Das Resultat: Kleine Kinder lernten am Esstisch rund tausend seltene Wörter – beim Vorlesen waren es im Schnitt nur 143. Erwiesenermaßen können Kinder mit einem großen Wortschatz früher und mit weniger Mühe lesen.

Auch ältere Kinder im schulpflichtigen Alter profitieren vom Familientreffen am Tisch. Die Wissenschaftler der Harvard Medical School sehen in der regelmäßigen Essenszeit einen wichtigen Baustein für gute Leistungen in der Schule. Das gemeinsame Essen bedeutet also auch Nahrung für den Geist.

Von Katrin Schreiter/RND

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