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Wissen Gefährlich und umweltschädlich? Alle SUV-Fakten im Überblick
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15:37 09.09.2019
Über SUVs wird gerade heftig disukutiert. Quelle: imago images / Jörg Schüler
Hannover

Berlin steht unter Schock: Ein SUV-Fahrer ist in eine Gruppe von Passanten gefahren und hat dabei vier Menschen getötet, nachdem er von der Straße abgekommen war. Das Auto knickte einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen. Dass dies kein normaler Unfall ist, zeigen die Reaktionen von Politikern und Umweltorganisationen: Sie kritisieren die Sportgeländewagen und fordern Beschränkungen. Doch warum eigentlich? So sieht die Lage in Deutschland aus.

Passend zum Thema: Fahrlässige Tötung? Ermittlungen und Debatte nach SUV-Unfall

Was sind SUVs?

Die Abkürzung SUV stammt aus der englischen Bezeichnung "Sport Utility Vehicle" - übersetzt wäre das etwa "Sport- und Nutzfahrzeug." Gemeint sind die Sportgeländewagen, die vor allem wegen ihrer Größe und ihrer hohen Bodenfreiheit im Straßenverkehr auffallen. Sie können teilweise über zwei Tonnen wiegen. Obwohl sie optisch einem Geländewagen ähneln, werden sie meist als Mischung aus Limousine und Geländewagen angesehen.

Wie viele SUVS gibt es in Deutschland?

Im ersten Halbjahr 2019 machten SUVs nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts 20,3 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen aus. Damit hat sich der Marktanteil der Sportgeländewagen seit 2014 mehr als verdoppelt. Branchenschätzungen zufolge werden in diesem Jahr mehr als eine Million SUVs zugelassen. Laut der deutschen Statistikdatenbank für Markt- und Meinungsforschung "Statista" waren in Deutschland am 1. Januar 2019 3,1 SUVs registriert.

Warum werden SUVs kritisiert?

SUVs werden bereits mit Bezeichnungen wie "Stadtpanzer" und "Klimakiller" verspottet. Die aktuelle Debatte um die Sportgeländewagen löste der tödliche Unfall in Berlin aus: Im Raum steht die Frage, wie gefährlich die Autos wirklich sind? Allerdings stehen SUVs nicht erst seit kurzem in der Kritik: Ihnen wird schon länger vorgeworfen, schädlich fürs Klima zu sein. Außerdem sollen sie zu viel Platz zum Parken beanspruchen. Doch das scheint deutsche Autokäufer grundsätzlich nicht abzuschrecken, wie die aktuellen Zahlen deutlich machen.

Lesen Sie hier: Nach Unfall in Berlin: „SUV gehören nicht in die Stadt“

Was wird von Politik und Umweltorganisationen gefordert?

Viele Politiker, Experten und Organisationen haben sich zu den jüngsten Vorwürfen geäußert. Nach dem tödlichen Unfall in Berlin fordern beispielsweise die Grünen Regelungen, um die großen Sportgeländewagen aus Innenstädten verstärkt herauszuhalten. "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, dem "Tagesspiegel". "Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen."

Die Deutsche Umwelt twitterte, dass SUVs "in unseren Städten nichts zu suchen" haben. Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte im „Tagesspiegel“ rasch umsetzbare Maßnahmen gegen SUV: Entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte für große, schwere Wagen sehr teuer mache – oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich erhöhte SUV-Parkgebühren in Städten.

Wie gefährlich sind SUVs für den Straßenverkehr?

Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Versicherungswirtschaft, weißt darauf hin, dass SUVs nicht unbedingt gefährlicher als andere Fahrzeuge sind: „Man kann nicht einfach sagen: Ein SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart“, sagte Brockmann. Im Einzelfall könne es sogar umgekehrt sein. „Entscheidend ist die Geschwindigkeit“, erklärte der Experte. „Alles was sich jenseits von 50 Stundenkilometern bewegt, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug.“

Lesen Sie auch: Unfallforscher: SUV nicht unbedingt gefährlicher

Sind SUVs schädlich für die Umwelt?

„Diese Autos sind durch ihr hohes Gewicht und die großen Motoren deutlich klimaschädlicher als andere Pkw“, kritisiert ein Greepeace-Sprecher und fordert: „Die deutschen Hersteller müssen weg von übermotorisierten Klimakillern und viel stärker auf leichte E-Autos und Mobilitätsdienstleistungen setzen.“ Laut einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach aus dem Jahr 2017 führt unter anderem der SUV-Boom dazu, dass die CO2-Emissionen in Deutschland immer langsamer sinken. Denn die meisten SUV-Fahrzeuge stoßen mehr Kohlendioxid als etwa Mittelklasselimousinen aus. 2016 sank der CO2-Ausstoß um 1,1 Prozent, während er zwischen 2011 und 2015 um jährlich 3,2 Prozent zurückging. Auch der Vizevorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Ernst-Christoph Stolper fordert die Autoindustrie zur Abkehr vom SUV auf: „Wir haben für die Einhaltung des Pariser 1,5 Grad-Ziels nur noch sehr wenig Zeit von 10 bis 15 Jahren. Die Maßnahmen müssen deutlich beschleunigt werden. 2050 reicht nicht", sagte er.

Von Ben Kendal/RND

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