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Wissen Forscher warnen: Wir schrumpfen
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13:52 17.05.2010
Von Klaus Wallbaum
Die Einwohnerzahl in Niedersachsen schrumpft immer mehr. Quelle: ap
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Im Jahr 2008, das jetzt von den Statistikern ausgewertet wurde, haben erstmals mehr Menschen Niedersachsen verlassen als hier hergezogen sind.

Die Geburtenraten lägen „mittlerweile leicht unter dem Bundesdurchschnitt“, schreibt das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) in seiner neuen Studie. Die Zahlen der Sterbefälle seien demgegenüber überdurchschnittlich. Dieser Befund gilt, obwohl Niedersachsen mit den südoldenburgischen Kreisen Cloppenburg und Vechta zwei Gebiete hat, die zu denen in Deutschland mit dem stärksten Bevölkerungszuwachs gehören.

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Die Forscher bemerken einen wachsenden „Wettbewerb um die Köpfe“ in Deutschland, wobei vor allem die Großstädte eine magnetische Wirkung hätten. „Überragende Bedeutung“ habe hier Hamburg, aber auch Bremen, Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Osnabrück hätten in den vergangenen Jahren „spürbar stärkere Wanderungsgewinne“ gehabt. Für andere Städte gelte dieser Befund weniger, so rechnet das NIW mit „sich verschärfenden Entwicklungsproblemen“ in Salzgitter, Wilhelmshaven und Bremerhaven.

Im NIW-Regionalreport ist auch die kommunale Finanzlage untersucht worden, allerdings vor allem basierend aus Zahlen von 2008, als die Lage der Kommunalhaushalte noch entspannt war. Schon zu dieser Zeit sind allerdings Ungleichgewichte deutlich geworden, die sich künftig, angesichts der globalen Finanzkrise, noch verschärfen dürften. So haben die strukturschwachen Gebiete bislang schon unter hohen Defiziten und hohen Zinszahlungen gelitten, künftig gilt das noch stärker. Die Kreise Hildesheim, Lüneburg, Uelzen, Osterode, Cuxhaven und Lüchow-Dannenberg werden dazu gerechnet. Bei den Gemeinden leiden vor allem die in den Kreisen Helmstedt, Friesland, Osterode, Goslar und Cuxhaven. Auch die Finanzprobleme der Region Hannover sind groß, vor allem wegen hoher Ausgaben für Sozialhilfe und auch für den Personennahverkehr. Hier wird bereits an einer Überarbeitung der Regeln des Finanzausgleichs gearbeitet. Mit mehr als einer Million Einwohner ist die Region Hannover der mit großem Abstand größte Landkreis Niedersachsens – und er hat, was allgemein anerkannt wird, auch einzigartige Probleme.

Der Bevölkerungsrückgang ist zwar ein bundesweites Phänomen, doch in der NIW-Studie wird erläutert, dass sich über längere Zeiträume betrachtet die Lage Niedersachsens im Bundesvergleich fast überall verschlechtert hat. Besondere Anstrengungen, junge Leute zu halten und ihnen daheim Ausbildungsplätze anzubieten, seien nötig im Raum Braunschweig, in Teilen der Nordseeküste, im Nordosten des Landes (etwa Lüchow-Dannenberg), im Oberweser-Raum und im Leine-Weser-Bergland, sowie in der Harzregion.