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Wissen Forscher lüften Geheimnis des Stradivari-Lacks
Mehr Welt Wissen Forscher lüften Geheimnis des Stradivari-Lacks
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15:08 04.12.2009
Eine der berühmten Stradivari-Geigen. Quelle: afp
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Es handele sich um zwei dünne Schichten eher einfacher Lacke, berichteten sie in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie International Edition“ am Freitag. Ob der Lack tatsächlich wie vermutet zum einzigartigen Klang der Instrumente beiträgt, bleibt demnach aber weiter ein Geheimnis. Das Rätsel um die Stradivari-Geigen, die heute teilweise für Millionenbeträge verkauft werden, beschäftigt die Musikwelt seit Jahrhunderten. Neben dem verwendeten Holz wurde auch oft vermutet, dass der Lack für die außergewöhnliche Klangqualität der Instrumente verantwortlich sein könnte.

Für die Untersuchungen wurden nun fünf Violinen des italienischen Geigenbaumeisters untersucht, die im Pariser Musik-Museum aufbewahrt werden. Alle Instrumente sind in gutem Zustand und decken zudem rund 30 Jahre des Schaffens des Künstlers (1644-1737) aus Cremona ab. Die an den Forschungen beteiligten Chemiker, Geigenbauer und Restauratoren stellten schnell fest, dass Stradivari bei der Auswahl seiner Materialien keine besonderen Ansprüche stellte. „Er hat Bestandteile benutzt, die verbreitet und leicht zugänglich waren“, heißt es in dem Artikel. Eine Analyse mit dem Synchrotron-Teilchenbeschleuniger vom SOLEIL-Projekt bei Paris zeigte, dass die untere Lackschicht vor allem aus Öl besteht. Die obere ist dagegen eine Mischung aus Öl und Kiefernharz, zu der Stradivari verschiedene Pigmente zugab, die auch in der Malerei verwendet wurden. Diese Technik könnte laut den Forschern das Schillern und die holzlackartige Oberfläche der Geigen erklären.

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„Wir haben aber leider keine Belege dafür, dass der Lack einen Einfluss auf den Ton hat“, sagte Jean-Philippe Echard aus dem Forschungs- und Restaurationslabor des Pariser Musikmuseums der Nachrichtenagentur AFP. Die Pigmente seien zudem auch nur in den vier jüngsten Instrumenten gefunden worden. Ihre Aufgabe sei es offenbar vor allem gewesen, „den Lack zu färben“. Wie genau Stradivari den Lack herstellte, sei jedoch noch nicht klar, sagte Echard und vergleicht das mit einem Kochrezept. „Bisher haben wir die Zutaten , aber wissen nicht, wie wir sie mischen sollen. Muss man zuerst den Zucker mit den Eiern reintun oder kommt das Mehl zuerst?“ Das wollten die Forscher jetzt in neuen Experimenten herausfinden. Auf jeden Fall sei das neue Wissen über den Lack hilfreich für das Konservieren der wertvollen Instrumente, sagte der Chemiker. Auch heutige Geigenbauer seien sehr interessiert - sie versuchten schon lange, bei ihren Instrumenten einen ähnlichen optischen Schimmereffekt wie Stradivari zu erzielen.

afp