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Wissen Forschende fügen römisches Glasgefäß aus Scherben wieder zusammen – viele Fragen bleiben offen
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13:35 10.10.2021
Mainz: Ein spätrömisches Glasgefäß aus einem Grab in Burgund steht in einer Vitrine des Forschungsmuseums RGZM.
Mainz: Ein spätrömisches Glasgefäß aus einem Grab in Burgund steht in einer Vitrine des Forschungsmuseums RGZM. Quelle: Peter Zschunke/dpa
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Mainz

Ein solch kostbares Puzzle bekommen die Archäologinnen und Archäologen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) in Mainz nicht oft auf den Tisch: In fünf Monaten Arbeit hat die Spezialistin des Leibniz-Forschungsinstituts für Archäologie, Katja Broschat, zahllose Scherben eines Funds aus Frankreich zusammengefügt und so das Kunstwerk neu erstehen lassen. Jetzt konnte die RGZM-Generaldirektorin Alexandra Busch das Glasgefäß aus spätrömischer Zeit den französischen Kolleginnen zurückgeben. „Im Sommer nächsten Jahres werden wir es in einer Ausstellung in Autun erstmals der Öffentlichkeit präsentieren“, sagte Carole Fossurier vom Institut National de Recherches Archéologiques Préventives (Inrap).

Bei der Übergabe dankte die Wissenschaftlerin für die „travail formidable“, die großartige Arbeit. „Es ist ein kleines Meisterwerk, aus diesen zahlreichen Fragmenten und Splitterchen ein großes Ganzes wiederherzustellen“, sagte der RGZM-Bereichsleiter für Restaurierung, Christian Eckmann. Ein solch vollständig erhaltenes Glas aus der römischen Antike sei zuletzt vor fast 50 Jahren in Montenegro gefunden worden.

Bis sie geborgen wurden, lagen die Glassplitter zu Füßen eines toten Menschen in einem Sarkophag, auf einem Friedhof in der Nähe der burgundischen Stadt Autun, dem antiken Augustodonum. Das Feld von 230 Gräbern wurde ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. genutzt. Das Diatretglas – so werden doppelwandige Gefäße mit durchbrochenem Glas bezeichnet – gehörte einst zu den wertvollsten Luxusgütern der römischen Elite. Ein kunstvoll gestalteter Buchstabenbogen auf dem restaurierten Gefäß ergibt den Spruch: „Vivas feliciter“ – Lebe glücklich!

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Rätselhafter Fund: Römisches Glasgefäß lässt viele Fragen offen

Die Inschrift – mit dem ungewöhnlichen Detail eines fehlerhaften Buchstabens C – ist eine der Spuren zu den vielen noch offenen Fragen, die das Objekt der Archäologie stellt. „Welche Funktion hatte der Becher?“, nennt Eckmann als eine der wichtigsten Fragen. Das Objekt könnte ein Trinkgefäß oder auch eine Lampe gewesen sein – „für beides haben wir Hinweise“. Rätsel geben auch Spuren zum Inhalt des Gefäßes auf – eine Mischung aus Öl, verschiedenen Pflanzen und Ambra, eine wachsartige Substanz aus dem Darm von Pottwalen, die einst zur Parfümherstellung verwendet wurde.

Noch ungeklärt ist auch die Ikonografie, also die Bildsprache der Schale mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern. Dargestellt sind möglicherweise Weintrauben oder auch ein Fischernetz, beides könnte auf einen Bezug zum christlichen Glauben hinweisen, der in der Spätantike im Burgund langsam Anklang fand. Schließlich ist nicht geklärt, wie solche filigranen Glasobjekte hergestellt wurden – in Form gepresst oder gegossen, oder aus einem gläsernen Körper geschliffen?

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Die Erforschung solcher Fragen, so ist Alexandra Busch überzeugt, ist nicht Selbstzweck für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Elfenbeinturm. Vielmehr geht es der Archäologie um Antworten darauf, wie Menschen vergangener Zeiten sich als soziale Wesen verstanden haben, wie sie Antworten auf schwierige Herausforderungen gefunden haben – und was dies für uns heute bedeuten kann.

RND/dpa

Der Artikel "Forschende fügen römisches Glasgefäß aus Scherben wieder zusammen – viele Fragen bleiben offen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.