Fliegender (Kleider-)Wechsel: Die Mailand Fashion Week mit Influencerin Nina Suess
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12:13 24.02.2020
Influencer wie Nina Suess sind auf den Fashion Weeks gerne gesehen. Die Outfits werden ihnen von den Designer gestellt. Quelle: Romar Ferry/dpa
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Mailand

“Nur zwei Stunden Schlaf, aber: Hey, das ist die Fashion Week!”, sagt Nina Suess in ihr Smartphone. Eine Botschaft für die Follower auf ihrem Instagram-Profil. Und das sind aktuell rund 328.000. Und weil ihr so viele Menschen folgen, darf sie hier sein, auf der Mailänder Fashion Week. Für Designer sind Influencer wie sie ein wichtiges Marketing-Instrument.

Die erste Show an diesem Tag: Emporio Armani. Im Hotel zieht sie ein Armani-Outfit an. Der Designer hat es ihr zur Verfügung gestellt. Nach der Show muss Nina Suess es zurückgeben. Und während auf den Laufstegen die Kollektionen Herbst/Winter 2020/21 gezeigt werden, trägt sie ein Ensemble der nun beginnenden Frühjahr-Sommer-Saison. Vor dem Hotel wartet bereits der Fahrer mit der gemieteten Limousine.

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Vom Abflachen des Hypes ist nichts zu merken

Suess ist in München geboren, in Spanien aufgewachsen und lebt inzwischen in London. Sie hat ein paar Semester Physik, dann Archäologie und Kunstgeschichte studiert, schließlich einen Master in Wirtschaft gemacht. Mode, so sagt sie auf der Fahrt zur Show, das "war anfangs nur ein Hobby".

Einer Freundin gefiel, wie sich Nina Suess anzog. Sie hatte die Idee mit dem ersten Online-Portal. Das war 2013. Und dann ging alles ganz schnell. Die Zahl ihrer Follower wuchs rasant und damit ihre Wichtigkeit. "Ich habe zur richtigen Zeit angefangen." Der Influencer-Hype nahm gerade Fahrt auf. Trendforscher sagen mittlerweile zwar, der Hype flache wieder ab. "Ich merke nichts davon", sagt Suess.

Vor der Show steigt sie aus dem Auto und ist sofort umringt von Fotografen. Sie rufen: "Nina! Nina!" Alle wollen ein Foto von ihr. Für die wenigen Schritte zum Eingang braucht sie eine gefühlte Ewigkeit. Und wenn die Bilder mit ihr um die Welt gehen, freut das vor allem: Giorgio Armani. Dafür hat er sie eingeladen.

Die Outfits für die Modenschauen werden der 30-Jährigen kostenlos zur Verfügung gestellt. Quelle: Romar Ferry/dpa

Wie verdienen Influencer ihr Geld?

Nach der Show muss sie direkt weiter zu Sportmax. Und das bedeutet: Einmal quer durch die Stadt. Die Limousine, die Assistentin, das Fünf-Sterne-Hotel, in dem sie logiert – wie verdient man als Influencerin eigentlich sein Geld?

Nina Suess zählt auf: Über bezahlte Kooperationen mit Labels. Und über Verlinkungen zu Online-Shops. Sie erhält eine Provision, wenn Kunden über ihre Webseite etwa kaufen. Und man kann sie auch als Model buchen. Wie viel das alles einbringt, verrät sie nicht. Und besser als die Berufsbezeichnung Influencerin gefällt ihr sowieso: "Ich betreibe ein Online-Magazin."

Zu Sportmax kann sie natürlich nicht in Armani gehen, sondern muss auch Sportmax tragen. Also: Kleiderwechsel. Und zwar im Fond des Autos. Kaum draußen, ertönen auch schon wieder die “Nina!”-Rufe. Ihren eigenen Stil nennt Nina Suess “eklektisch”. Sie schaffe es, unkonventionelle Looks zu kreieren. Sie ist gerade 30 geworden. Kann man den Job auf Dauer machen? “Wichtig ist es, sich weiterzuentwickeln”, sagt sie. “Ich werde demnächst eine eigene Mantelkollektion herausbringen.”

18.00 Uhr, die Versace-Show: Und klar, sie trägt wieder einen Look des Labels. Es ist ihr viertes Outfit an diesem Tag. Gleich nach der Show geht es zum Flughafen. Nina Suess konnte diesmal nur einen Tag in Mailand bleiben. Selbst einen Auftritt auf der Berlinale musste sie absagen. Zu viele andere Verpflichtungen. Morgen zum Beispiel wird sie für eine Haarpflege-Marke fotografiert. Und am Montag geht es weiter mit den Fashion Shows. Dann in Paris.

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RND/dpa

Der Artikel "Fliegender (Kleider-)Wechsel: Die Mailand Fashion Week mit Influencerin Nina Suess" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.