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10:28 15.08.2019
Fadenwürmer spielen eine wesentliche und bislang häufig unterschätzte Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf.
Frankfurt/Main

Auf jeden Menschen der Erde kommen geschätzt 57 Milliarden Fadenwürmer. Dies hat ein Forscherteam ermittelt, an dem unter anderem Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft in Frankfurt am Main beteiligt waren. Den Hochrechnungen zufolge leben in der oberen Bodenschicht des Planeten 4,4 x 10 hoch 20 der winzigen, auch Nematoden genannten Tiere - oder anders gesagt: 440 Trillionen. Sie spielten eine wesentliche und bislang häufig unterschätzte Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature".

Das Team unter Leitung von Johan van den Hogen von der ETH Zürich hatte zunächst Angaben zur Zahl von Fadenwürmern in 6759 Bodenproben aus allen Regionen und Kontinenten der Erde ermittelt und zusammengetragen. Fadenwürmer sind kleine, meist nur wenige Millimeter lange Tiere, die in nahezu allen Lebensräumen der Erde vorkommen. Nach Angaben der Forscher sind sie die weltweit häufigsten Tiere der Erde und der dominierende Teil der Lebensgemeinschaft im Boden.

Je näher der Äquator - desto weniger Fadenwürmer

Aus den Daten rechneten die Forscher die Häufigkeit und Verteilung der Fadenwürmer weltweit hoch. "Obwohl wir wussten, das Nematoden in sehr hoher Anzahl auftreten - oft mehr als eine Million pro Quadratmeter Boden in unseren Breiten - sind die Ergebnisse verblüffend", sagt Mitautorin Karin Hohberg vom Senkenberg Museum für Naturkunde in Görlitz. "Nach unseren Berechnungen kommen auf jeden Menschen etwa 57 Milliarden Fadenwürmer. Ihre Biomasse bringt ein Gewicht von 300 Millionen Tonnen auf die Waage - das sind 80 Prozent der Masse der derzeitigen menschlichen Weltbevölkerung."

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Überrascht waren die Forscher auch von der globalen Verteilung der Fadenwürmer. Denn anders als bei Tieren oberhalb der Erde nahm die Anzahl dieser Bodenlebewesen von den subarktischen Regionen Richtung Äquator ab: 38 Prozent der Fadenwürmer leben demnach in subarktischen Bereichen, 24 Prozent in gemäßigten und 21 Prozent in tropischen Regionen. Vor allem die Eigenschaften des Boden, etwa der Gehalt an organischem Kohlenstoff oder der pH-Wert, beeinflussten, wie viele Nematoden sich in einer Region tummelten. Temperatur und Niederschläge wirkten sich vermutlich indirekt auf die Häufigkeit der Nematoden aus, indem sie die Bodenqualität beeinflussten.

Fadenwürmer sind bei hohen Temperaturen aktiver - und setzen dann mehr CO2 frei

Fadenwürmer spielten eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf und müssten bei der Abschätzung von Klimawandelfolgen stärker berücksichtigt werden. "Da Nematoden und auch alle anderen Bodentiere bei höheren Temperaturen aktiver sind, setzen sie mit zunehmender Wärme in diesen Regionen möglicherweise auch zunehmend Kohlenstoff frei, der dann als Treibhausgas Kohlendioxid wiederum zu einem Temperaturanstieg führen kann", erläutert Hohberg.

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Verlässliche Angaben zur Vielfalt von im Boden lebenden Tieren seien für den Artenschutz unerlässlich und um ihre Rolle in Kohlenstoffkreisläufen zu verstehen, betonen auch Nico Eisenhauer und Carlos Guerra vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig in einem Kommentar zu der Studie. Mit der Arbeit der Forscher um van den Hoogen lägen solche Informationen nun für Fadenwürmer vor - ein dringend benötigter Schritt in die richtige Richtung.

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